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Personalengpässe überall : Eine Stelle im öffentlichen Dienst zu kriegen war selten so einfach

Immer mehr Flüchtlinge kommen. Wer soll die ganze Verwaltungsarbeit machen? Bild: AFP

Wegen der hohen Migrantenzahl klagen fast alle Verwaltungen über Personalengpässe: Ob im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, in der Bundesagentur für Arbeit oder den Jugendämtern - überall wird derzeit fieberhaft gesucht.

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          Nach einer Schätzung von Beamtenbund und Tarifunion (DBB) fehlen dem Staat derzeit fast 180.000 Mitarbeiter. Dies geht aus aktuellen Berechnungen der Dachgewerkschaft hervor, die der F.A.Z. vorliegen. „Die Politik muss umgehend Prioritäten setzen und für eine aufgabengerechte Personalausstattung sorgen“, forderte der DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt gegenüber der F.A.Z. Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen benötigten vor allem die Länder und Kommunen zusätzliche Unterstützung. Dies gelte sowohl kurzfristig für die Registrierung und Unterbringung als auch langfristig für die Integration der Asylberechtigten.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Noch nie war es in den vergangenen Jahren so einfach, eine Stelle im öffentlichen Dienst zu bekommen wie derzeit. Denn aus nahezu allen Behörden, die mit der Bewältigung der Flüchtlingsströme zu tun haben, kommen Klagen, dass das Personal am Rande der Belastbarkeit arbeite. Ob im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), in der Bundesagentur für Arbeit (BA) oder den Jugendämtern - überall wird derzeit fieberhaft neues Personal gesucht. Das wird die aus Steuermitteln bezahlte Beschäftigung von Beamten und Angestellten deutlich erhöhen.

          Am Freitag hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages in seinem überarbeiteten Entwurf für den Etat 2016 auch den Etat des Innenministeriums um eine Milliarde Euro aufgestockt, um vor allem Tausende neuer Stellen im BAMF zu schaffen. „Erste Entscheidungen zur Personalverstärkung sind zu begrüßen, kommen aber zu spät und lassen ein dringend erforderliches und dauerhaft tragfähiges Gesamtkonzept vermissen“, kritisierte DBB-Chef Dauderstädt die Politik.

          Bei den Kommunalverwaltungen gibt es den höchsten Bedarf

          Den größten Personalbedarf sieht der DBB bei den Kommunalverwaltungen mit fast 130.000 Stellen. Die Stellen sind bis auf zwei Ausnahmen direkt auf die Bearbeitung der Flüchtlingsströme bezogen, wobei die Ausnahmen - Feuerwehr und Erzieher - laut DBB mittelbar ebenfalls dazugerechnet werden müssen: Die Berufsfeuerwehren seien allerorten damit beschäftigt, Zelte und Unterkünfte aufzubauen, elektrische und Wasserversorgung zu installieren oder Feldbetten zu transportieren, so dass es, beispielsweise in Berlin, zu Engpässen bei Einsätzen gekommen sei. Im Bereich der frühkindlichen Betreuung und Bildung sei in den von der Bertelsmann Stiftung erhobenen Daten der absehbare Integrationsbedarf berücksichtigt. Alle weiteren Zahlen beruhen auf Angaben der zuständigen DBB-Mitgliedsgewerkschaften.

          Der Deutsche Landkreistag bestätigt den erhöhten Personalbedarf in den Kommunen, hält die DBB-Zahlen jedoch für sehr hoch. „Perspektivisch werden zudem vor allem die Jobcenter erheblich mehr Personen zu betreuen und zu integrieren haben“, sagte ein Sprecher der F.A.Z. Die genaue Dimension sowie die Kosten seien jedoch nicht abschätzbar. „Eine Quantifizierung trauen wir uns in Anbetracht der erheblichen Unwägbarkeiten und der seitens der Bundesregierung ergriffenen und zu ergreifenden weiteren Maßnahmen derzeit nicht zu.“

          Derzeit sind im öffentlichen Dienst in Deutschland 4,6 Millionen Menschen beschäftigt, 1,7 Millionen davon in einem Beamtenverhältnis. Mit fast 2,4 Millionen arbeiten die meisten im Dienst der Länder. Die Gemeinden beschäftigen rund 1,4 Millionen, auf den Bund entfallen rund 500.000 und etwa 370.000 auf die Sozialversicherungen. Zur Jahrtausendwende gab es noch fast 5 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. In der Folge wurde Personal gespart, etwa durch elektronische Verwaltungsvorgänge. Seit dem Tiefstand 2008 steigt die Beschäftigtenzahl jedoch wieder kontinuierlich an.

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