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Ökonomie an Schulen : Wirtschaft ist ein Fremdwort

Start ins neue Schuljahr an einem Gymnasium in Sachsen Bild: dpa

Viele Schüler wünschen einer Befragung des Bankenverbandes zufolge mehr Wirtschafts- und Finanzbildung in der Schule. Doch dem stehen hohe Hürden im Weg.

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          Was versteht man unter „Inflationsrate“, und wie hoch liegt diese gerade? Gemäß der „Jugendstudie 2021“ des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) können 56 Prozent deutscher Jugendlicher zwischen 14 und 24 Jahren den Begriff korrekt erklären. Und 14 Prozent können ihre Höhe nennen. Nur 17 Prozent der Befragten konnten die Aufgaben der Europäischen Zentralbank benennen. Der BdB sieht angesichts dieser Werte in der Wirtschafts- und Finanzbildung an deutschen Schulen eine Bildungslücke.

          Gregor Brunner
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und die gelte es zu schließen. Mit der Forderung nach der Verankerung des Wirtschaftsunterrichts an deutschen Schulen steht der Verband an der Seite der Jugendlichen, von denen der Umfrage zufolge 77 Prozent dasselbe Bedürfnis nennen. „Jugendlichen fehlt ohne ausreichende Wirtschafts- und Finanzbildung das nötige Rüstzeug, um die Welt und den Alltag zu verstehen. Es sollte Aufgabe der Schule und dort nicht zuletzt der ökonomischen Bildung sein, dieses Wissen zu vermitteln, um Jugendlichen die bestmöglichen Chancen für einen erfolgreichen Berufsstart an die Hand zu geben“, beschreibt Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des BdB, zur Präsentation der Studie die Tragweite des Problems.

          „Die Kette setzt sich fort bis zur Altersarmut“

          Diese Meinung teilt Sven Schumann, Ko-Vorsitzender des Vorstands des Bündnisses Ökonomische Bildung (BÖB) und Mitarbeiter der Deutschen Börse: „Ökonomische Bildung hat große Bedeutung für viele Zukunftsthemen. Die Finanzierung der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft hängt mitunter von dem Bewusstsein ab, dass Menschen mit ihrer Teilhabe am Kapitalmarkt Innovationen und Technologiesprünge in dieser Richtung befördern können.“ Mehr Verständnis für Finanzen und Wirtschaft gebe nicht nur bei großen Problemen eine zusätzliche Dimension, in der Lösungen gefunden werden können, sagt Schumann.

          „Das fängt bei der individuellen Haushaltsplanung an. Credit­reform schätzte zum 1. Oktober 2020, dass 6,85 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet waren. Wenn Menschen, vor allem aus prekären Verhältnissen, nicht wissen, wie viel Geld sie verdienen, ausgeben und sparen wollen, wird sich an dieser Zahl nichts ändern.“ Auch für Unternehmensgründungen sei mangelnde wirtschaftliche Bildung eine Hürde. „Die Kette setzt sich fort bis zur Altersarmut aufgrund mangelnder Vorsorge. Politisch sollte Interesse bestehen, diese Probleme an der Wurzel zu behandeln“, fordert Schumann.

          Einführung eines Schulfachs nicht alles

          Da Bildung Ländersache ist, sehen sich die Befürworter einer bundesweiten Einführung des Wirtschaftsunterrichts hohen Hürden gegenüber. Fünf von 16 Ländern haben Wirtschaft in ihren Lehrplänen. In einigen weiteren fruchten Bestrebungen allmählich. Schumann beschreibt die Gründe für den langsamen Fortschritt: „Die Kontingentstundentafel, die festlegt, mit wie vielen Stunden die einzelnen Fächer unterrichtet werden, kann nur zugunsten eines Faches angepasst werden, wenn das Zeitbudget für ein anderes Fach reduziert wird. Das kann am Ende nur politisch entschieden werden, das heißt, die Bildungspolitik muss – auch gegen Widerstände – festlegen, wo die inhaltlichen Schwerpunkte der Zukunft liegen sollen.“

          Mit der Einführung des Schulfachs ist es zudem nicht getan. Auch die Lehrer müssen ausgebildet werden. „Ohne fachwissenschaftliche und wirtschaftsdidaktische Qualifizierung ist die Vermittlung ökonomischer Bildung kaum möglich“, sagt Schumann. „Und wenn Lehrer nicht überzeugt sind, werden Schüler dies auch nicht. Dabei bestünde angesichts des nachgewiesenen Interesses bei Schülern viel Potential, sie für das wichtige Themengebiet zu begeistern.“ Auch Krautscheid sieht in der Haltung und Ausbildung der Lehrer ein Problem: „Wir versuchen, Lehrer mit Angeboten wie Planspielen, Schulbesuchen oder Informationsmaterial zu unterstützen. Wenn da aber kein Interesse ist oder keine Vorgaben aus dem Lehrplan, versanden Initiativen wieder. Und ein gutes, klassisches Schulprogramm können auch unsere Angebote nicht ersetzen.“

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