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Deutsche im Ausland : Jeder dritte Auswanderer hat Studienabschluss

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Blick auf das Londoner Finanzzentrum: Viele Deutsche zieht es nach Großbritannien. Bild: dpa

Jedes Jahr kehren zehntausende Bundesbürger ihrer Heimat den Rücken. Auf die Karriere im Ausland sind sie oft gut vorbereitet. Vor allem ein Motiv treibt die Deutschen immer wieder in die Ferne.

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          Wer Deutschland für längere Zeit oder für immer den Rücken kehrt, tut dies meist gut vorbereitet: Etwa jeder dritte deutsche Auswanderer hat einen Studienabschluss vorzuweisen, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem am Montag veröffentlichten Report „Talente im Ausland“ feststellt.

          „Das Bildungsniveau der Auswanderer ist hoch und steigt in der Tendenz sogar noch an“, heißt es in der Studie. „1,4 Millionen von ihnen haben Abitur und/oder Berufsausbildung, weitere 1,2 Millionen verfügen über ein abgeschlossenes Studium.“ 46.000 deutsche Emigranten hatten laut Report sogar einen Doktortitel.

          Deutschland stellt die fünftgrößte Auswanderergruppe

          Nach den derzeit aktuellsten OECD-Zahlen lebten 2011 etwa 3,4 Millionen Deutsche in einem anderen OECD-Land, die meisten davon in den Vereinigten Staaten (rund 1,1 Millionen), Großbritannien und der Schweiz (je 270.000). Damit stellte Deutschland die fünftgrößte Auswanderergruppe in der OECD hinter Mexiko, Großbritannien, China und Indien. Mit 140.000 Emigranten sei die jährliche Auswanderung aus Deutschland in jüngster Zeit „auf hohem Niveau stabil“, hieß es.

          Vor allem durch einen hohen Anteil an gut gebildeten Frauen stieg die Zahl der hoch qualifizierten Auswanderer im vergangenen Jahrzehnt um 40 Prozent. „Betrachtet man das überdurchschnittliche Bildungsniveau vieler Auswanderer, so verwundert es nicht, dass Karriere-Erwägungen den Hauptgrund für den Wegzug aus Deutschland bilden“, schreibt die OECD. Generell seien auswanderungswillige Deutsche mit ihrem Leben hierzulande weniger zufrieden als Landsleute ohne solche Absichten.

          Die OECD-Ergebnisse entsprechen überwiegend einer im März veröffentlichten Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und der Uni Duisburg-Essen. Demnach sind für etwa zwei von drei Befragten neue Berufs- und Lebenserfahrungen der Hauptgrund, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren.

          Ein höheres Einkommen im Ausland erhoffen sich 46,9 Prozent, 41,4 Prozent nennen Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland als Antrieb. Hauptziele deutscher Auswanderer waren laut der von der Stiftung Mercator geförderten Studie zwischen 2004 und 2013 die Schweiz (209.000), die Vereinigten Staaten (136.000) und Österreich (109.000). Akademiker und Führungskräfte seien jeweils stark überrepräsentiert, hieß es auch in der SVR-Studie.

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