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Beginn des Ausbildungsjahres : Mehr Flüchtlinge – noch mehr Bedarf

  • Aktualisiert am

In das neue Ausbildungsjahr sind mehr Flüchtlinge gestartet als in den Vorjahren. Bild: dpa

Unter den neuen Berufsanfängern sind immer mehr junge Zuwanderer. Doch ihre Chancen zu bleiben, seien nicht gut genug, findet das deutsche Handwerk.

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          Immer mehr Flüchtlinge absolvieren nach Angaben der Bundesregierung in Deutschland eine Ausbildung. Ihre Zahl sei auf mehr als 31.000 gestiegen, während zum Stichtag 30. September 2017 erst 27.000 Auszubildende aus den wichtigsten acht Herkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen seien.

          Das berichtete die Rheinische Post am Freitag unter Berufung auf eine Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Im Handwerk würden derzeit rund 11.000, im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistungen mehr als 20.000 Geflüchtete ausgebildet.

          In diesem Jahr haben nach einem Bericht des Statistischen Bundesamts außerdem zum ersten Mal seit 2011 wieder mehr Jugendliche eine Ausbildung begonnen. Besonders stark sei die Zahl der ausländischen Berufsanfänger gestiegen: Unterschrieben im Jahr 2016 noch 3000 junge Männer aus Afghanistan und Syrien einen Ausbildungsvertrag, lag diese Zahl zuletzt bei 10.000 für das aktuelle Ausbildungsjahr.

          Frauen aus den beiden Ländern schlossen insgesamt 820 neue Lehrverträge ab. Im Vorjahr seien rund fünf Prozent der insgesamt über 1,5 Millionen Bewerber auf Ausbildungsplätze junge Flüchtlinge gewesen, so das Bundeswirtschaftsministerium.

          Auch Flüchtlinge können Fachkräftebedarf nicht decken

          Das deutsche Handwerk setzt sich derweil für eine bessere Bleibeperspektive für Flüchtlinge in Ausbildung ein. Angesichts des Fachkräftemangels sei es „völlig widersinnig“, dass gut integrierte junge Menschen nach Hause geschickt und andernorts Arbeitskräfte angeworben würden, so Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer.

          Er fordert eine gesetzliche Übergangsregelung für Flüchtlinge, die bereits eine Ausbildung absolvieren und bereit seien, sich zu integrieren. Zudem solle die „Drei-Plus-Zwei-Regelung“ bundesweit einheitlich angewendet werden, die es Geflüchteten ermöglicht, nach der Ausbildung zwei weitere Jahre in Deutschland als Fachkraft zu arbeiten.

          Generell mache der Nachwuchsmangel dem Handwerk weiter zu schaffen, sagte Wollseifer. So waren zum Start ins neue Ausbildungsjahr Ende August bundesweit rund 27.000 Lehrstellen unbesetzt. Bewerber hätten daher auch jetzt noch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

          Alleine über die Integration von Flüchtlingen werde Deutschland seinen Fachkräftebedarf in Zukunft nicht decken können. In der Debatte über ein neues Einwanderungsgesetz sollten deshalb beruflich Qualifizierte in den Blick genommen und Migrationsabkommen mit Ländern mit vergleichbaren Berufsbildungssystemen abgeschlossen werden. Das könne die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte vereinfachen.

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