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Aufschwung am Arbeitsmarkt : Nicht nur Billigjobs

Minijobs auf 400-Euro-Basis, Teilzeit, befristet: All diese Stellen gilten als „atypisch beschäftigt“ Bild: dpa

Es gibt viele neue Stellen am deutschen Arbeitsmarkt. Allerdings gibt es unter Experten sehr unterschiedliche Ansichten über deren Qualität. Manche bemängeln, es seien viele „atypische“ darunter.

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          Dass der deutsche Arbeitsmarkt gerade mit Blick auf viele europäische Nachbarländer in den vergangenen Jahren eine beachtliche Entwicklung genommen hat, stellt kaum ein professioneller Beobachter in Frage. Allerdings gibt es sehr unterschiedliche Ansichten über die Qualität der vielen neuen Arbeitsplätze, die entstanden sind. Genau darüber geben aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes nun Aufschluss.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Demnach sank im Jahr 2013 trotz eines kräftigen allgemeinen Beschäftigungsaufbaus auf 35,6 Millionen Menschen die Zahl der „atypisch“ Beschäftigten um 71.000 auf 7,64 Millionen. Dagegen kletterte die Zahl der Normalbeschäftigten um rund 380.000 gegenüber dem Vorjahr. Damit wuchs auch der Anteil der Normalverhältnisse an allen Erwerbstätigen um 0,7 Punkte auf 67,5 Prozent, jener der atypischen sank leicht auf 21,4 Prozent. Der Beschäftigungsaufbau verläuft in dieser Terminologie also „typisch“.

          Unter atypischer Beschäftigung verstehen die Statistiker alles, was vom klassischen Normalarbeitsverhältnis - Vollzeit, unbefristet - abweicht. Der Begriff ist unter Fachleuten jedoch umstritten. Neben Teilzeitarbeit, geringfügiger Beschäftigung (Minijobs) und Befristungen wird etwa auch die Zeit- oder Leiharbeit mit erfasst, obwohl es sich dabei häufig um unbefristete Vollzeitarbeit handelt.

          Frauen arbeiten wesentlich häufiger in Teilzeit

          Wie die Statistik auch zeigt, sind Frauen wesentlich häufiger atypisch beschäftigt als Männer. Während der Männeranteil lediglich 11,7 Prozent beträgt, liegt die Frauenquote bei 32,5 Prozent. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Frauen weitaus häufiger in Teilzeit tätig sind. Teilzeit ist auch der einzige Bereich, der 2013 noch gewachsen ist (0,6 Prozent). Dagegen sanken Befristungen um 4,4 Prozent, Zeitarbeit sogar um 5,3 Prozent und Minijobs um 1,8 Prozent. In der öffentlichen Debatte wird die Zunahme von atypischer Beschäftigung häufig mit der Arbeitsmarkt- und Sozialreform Hartz IV in Verbindung gebracht.

          Wie eine Langzeitbetrachtung jedoch zeigt, fällt der Anstieg vor allem auf die Jahre zwischen 1999 und 2006. Seitdem stagniert das Niveau beziehungsweise sinkt. Die Hartz-Reform trat jedoch erst am 1. Januar 2005 in Kraft. Für die künftige Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt gehen die Erwartungen auseinander. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte, legte ihr Stellenindex im November leicht zu. Damit bleibe der Arbeitskräftebedarf der Unternehmen hoch, und der Aufwärtstrend der vergangenen Monate setze sich fort. Trotz der gesunkenen Konjunkturerwartungen habe die Wirtschaft Bedarf an Fachkräften.

          An diesem Donnerstag veröffentlicht die Arbeitsagentur in Nürnberg die komplette Monatsbilanz für November. Saisonbedingt dürfte die Zahl der Arbeitslosen von zuletzt 2,73 Millionen noch einmal sinken. Zu einem anderen Ergebnis kommt das Beschäftigungsbarometer des Münchner ifo-Instituts. „Die deutschen Unternehmen wollen nur noch vereinzelt Personal einstellen“, lautet die Kernaussage. Im Dienstleistungssektor sinke die Einstellungsdynamik, sie sei aber noch positiv.

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