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Nach Karliczek-Vorschlägen : Streit über Azubi-Gehälter

  • Aktualisiert am

Möchte die Namen „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“ für Fortbildungen einführen: Anja Karliczek Bild: EPA

Gestern machte die Bundesbildungsministerin neue Vorschläge zur Mindestvergütung für Azubis und für einen neuen „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“. Jetzt mehrt sich die Kritik.

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          In der Koalition und den Gewerkschaften gibt es neuen Streit darüber, wie das Problem der Fachkräfteknappheit in den Ausbildungsberufen konkret gelöst werden soll. Nachdem Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Donnerstag beim Tag der Berufsbildung des DGB Vorschläge dazu machte, gibt es immer mehr Kritik daran.

          Die Ministerin fordert, dass die von der Bundesregierung geplante Mindestvergütung für Azubis bei 504 Euro starten sollte. Sie wolle die Untergrenze an den Betrag des Schüler-Bafögs koppeln, sagte die CDU-Politikerin. Im zweiten Ausbildungsjahr sollen fünf Prozent dazukommen, im dritten zehn Prozent und im vierten 15 Prozent, jeweils ausgehend vom ersten Jahr.

          Der DGB hält das für zu wenig. „So läuft die Mindestvergütung für Azubis weitgehend ins Leere“, sagte die DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack am Freitag in Berlin. Karliczeks Vorschlag sei eine „Mogelpackung“, die verkenne, dass Azubis zum Gewinn der Unternehmen beitrügen. Schon heute lägen nahezu sämtliche Vergütungen für Azubis weit oberhalb der 504 Euro. „Da muss noch eine kräftige Schippe drauf“, forderte Hannack.

          Fortbildungen sollen „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“ heißen

          Auch die SPD lehnte den Vorstoß Karliczeks ab. Die Ministerin presche nun „nach Monaten der Untätigkeit mit nicht nachvollziehbaren und unabgestimmten Vorschlägen“ vor, sagte die Sprecherin für Berufsausbildung der SPD-Fraktion, Yasmin Fahimi, dem „Handelsblatt“. „Damit wird sie den berechtigten Ansprüchen der Auszubildenden, für ihre Leistung eine angemessene Vergütung zu erhalten, nur unzureichend gerecht.“

          Karliczek hatte gesagt, die Mindestvergütung müsse eine von „Maß und Mitte“ sein. „Denn sie soll bundes- und branchenweit gelten: Also nicht nur in Niedersachsen und Hessen, sondern auch in Sachsen und Brandenburg.“ Die Tarifautonomie der Sozialpartner sei ein hohes Gut, staatliche Eingriffe in die Lohnpolitik sollten auf das „sozial Erforderliche“ beschränkt sein.

          Karliczek schlug zudem vor, den drei geplanten Fortbildungsstufen geschützte Namen zu geben, nämlich „Berufsspezialistin, Berufsbachelor und Berufsmaster“. Es handelt sich dabei um die bisherigen „Aufstiegsfortbildungen“; diese seien vom Niveau her ähnlich zu einem Studium; daher soll sich der neue Name auch an die Begrifflichkeiten aus der Hochschulwelt anlehnen. Es soll nicht um eine Abschaffung des Meisters, sondern um eine Ergänzung gehen.

          Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD unter anderem vereinbart, eine Mindest-Ausbildungsvergütung einzuführen. Das Gesetz soll bis zum 1. August 2019 beschlossen werden und Anfang 2020 in Kraft treten.

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