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Mitarbeiter-Suche : Headhunter rangeln um Aufträge

Personalsuche: Immer mehr läuft über Eigeninitiative der Unternehmen, die soziale Netzwerke nutzen. Bild: AP

Unternehmen suchen immer häufiger selbst nach Fach- und Führungskräften. Während Headhunter in anderen europäischen Ländern zweistellige Wachstumsraten verzeichnen, laufen die Geschäfte hierzulande mau.

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          Wenn Hubertus Graf Douglas dieser Tage seine Zahlen nach Amerika schickt, muss er sich nicht vor kritischen Rückfragen fürchten. „Europa ist in Amerika gerade wohlgelitten“, sagt der Deutschlandchef der Personalberatung Korn Ferry. „Wir sind die strahlenden Jungs.“ Das aber hat er vor allem seinen Kollegen in Großbritannien, Spanien und Italien zu verdanken. Nach dem krisenbedingten Schwächeln der vergangenen Jahre zieht das Geschäft dort wieder an - und lenkt den Blick von Deutschland ab, wo es ganz passabel, aber eben auch nicht herausragend läuft.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Während die Headhunter in anderen europäischen Ländern zweistellige Wachstumsraten verzeichnen, bewegt sich der Zuwachs hierzulande im niedrigen einstelligen Bereich. Um überschaubare 3,2 Prozent ist die Branche im vergangenen Jahr gewachsen, auf ein Marktvolumen von nunmehr 1,6 Milliarden Euro, hat der Bundesverband der Unternehmensberater (BDU) ermittelt, in dem auch die Personalberater organisiert sind. Als „eher verhalten“ wertet er das angesichts der zweistelligen Zuwächse in früheren Jahren. Der Wettbewerb um Aufträge werde härter. Insgesamt besetzten die Personalspezialisten 2013 rund 52 500 Fach- und Führungspositionen.

          Für dieses Jahr ist der Optimismus ungleich größer. In der entsprechenden Umfrage des Verbands prognostizierten die Personalberater für dieses Jahr ein Wachstum von im Durchschnitt knapp 8 Prozent. „Der Stellenmarkt folgt dem positiven Konjunkturverlauf“, sagt Verbandschef Michael Heidelberger. Doch so gut die Wirtschaft auch läuft - überraschend wirkt die Prognose schon, schließlich nehmen die Personalabteilungen dank Internetdatenbanken wie Xing und Linkedin die Rekrutierung von Fach- und Führungspersonal immer öfter selbst in die Hand. „Die Unternehmen schauen erstmal unter jedem Stein, ob sie nicht selbst jemanden finden“, berichtet Douglas.

          Von der Personalsuche zur Personalentwicklung

          Aus diesem Grund erweitern vor allem die großen internationalen Beratungsgesellschaften wie Korn Ferry und Heidrick & Struggles ihren Aktionsradius in angrenzende Gebiete. Hinter Begriffen wie Talentmanagement und Leadership Consulting verbirgt sich der Ansatz, die Unternehmen nicht nur in der Suche nach neuem Personal, sondern auch in der Weiterentwicklung der vorhandenen Mitarbeiter zu beraten - ein Geschäftsfeld, für das sich auch die klassischen Strategieberatungen wie McKinsey, BCG und Roland Berger zunehmend interessieren.

          Entgegen kommt den Personalberatern, dass die Positionen, die sie besetzen, tendenziell besser dotiert sind als früher. Traditionell erhalten die Headhunter vom suchenden Unternehmen als Honorar ein Drittel dessen, was der Kandidat als Jahresgehalt (inklusive der Boni) bekommen wird. Zwar sind die Gehälter der Vorstände in den Dax-Unternehmen zuletzt kaum noch gestiegen, doch im Mittelstand ist das anders. Dort spüren offenbar schon viele Unternehmen die ersten Auswirkungen des demographischen Wandels und müssen mehr Geld bieten, um versierte Manager in die Provinz zu locken. Vor einigen Jahren seien 600.000 Euro brutto im Jahr plus Bonus für den Vorstand eines Mittelständlers üblich gewesen, heute liege das Festgehalt eher bei 900.000 Euro, beobachtet Douglas.

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