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Krebserkrankung : Wie kann ich meinem Mitarbeiter helfen?

  • -Aktualisiert am

Mitgefühl, Diskretion, Loyalität: Nicht nur Familie und Freunde, auch Vorgesetzte und Kollegen können Krebskranken eine Stütze sein. Bild: Picture-Alliance

„Sie haben Krebs“: Für die Betroffenen ist diese Diagnose erst einmal ein Schock. Doch die Rückkehr an den Arbeitsplatz kann bei der Genesung helfen. Und auch Arbeitgeber und Kollegen können etwas tun.

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          Bei der Diagnose Krebs geht es den meisten Menschen gleich: Die Krankheit trifft sie wie ein Blitz, Sorgen werden zum ständigen Begleiter, auch um die Folgen am Arbeitsplatz. Wie gehe ich dort mit meiner Erkrankung um? Soll ich etwas dem Arbeitgeber sagen? Kennen die Vorgesetzten die Diagnose, möchten viele helfen. Aber wie? „Am besten den Betroffenen fragen“, rät Martin Wickert, der Leiter des Psychoonkologischen Dienstes in Tübingen. „Zum Beispiel bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz: Was hilft Ihnen jetzt mehr - wenn wir Ihnen etwas abnehmen, oder wollen Sie gleich wieder alles selbst übernehmen?“ Denn: Jeder Fall ist anders und verlangt nach einem eigenen Umgang damit. „Deshalb müssen Vorgesetzte die eigenen Phantasien zur Krankheit aus dem Kopf bekommen“, sagt Wickert, „das schützt vor Fehleinschätzungen und überflüssigen Ratschlägen.“

          Ob der Betroffene die Diagnose seinem Arbeitgeber überhaupt offenbart oder nur allgemein von einer Erkrankung und der Reha spricht, hängt für Wickert von der Güte des bisherigen Arbeitsverhältnisses ab: „In einem offenen Umfeld ist miteinander reden eine gute Wahl“, sagt er. „Der Arbeitgeber weiß, worauf er sich einstellen muss, und die Kollegen verstehen, warum der Betroffene ihre Hilfe braucht und sie etwa eine Weile zusätzliche Arbeit übernehmen müssen.“ Anders verhält es sich mit der Kommunikation bei einem Arbeitgeber, der in seinen Beschäftigten nur einen Kostenfaktor sieht: „Da kann es ratsam sein, nur die Krankschreibung abzugeben“, sagt Wickert, „und sich psychologische Unterstützung dafür zu holen, nach der Rückkehr die Situation durchzustehen.“ Dies könne auch chronisch Kranken helfen, die sich gegen die offene Kommunikation entscheiden, weil sie einen Bereich ihres Lebens bewusst „krebsfrei“ halten möchten. Mit Blick auf ihr Kunden-Projekt und dessen Planung zog Monika Manscheid (Name geändert), Wirtschaftsingenieurin und Software-Beraterin in Köln, es vor, ihren Arbeitgeber zu informieren.

          „Zwei Wochen nach der Diagnose Brustkrebs, als ich selbst wusste, wie die Behandlung angegangen wird“, sagt sie. „Da habe ich meinen Vorgesetzten um ein Sechs-Augen-Gespräch gebeten, zusammen mit seiner Sekretärin: Ich ahnte, darüber zu reden wird schwer und mit einer anderen Frau im Raum vielleicht einfacher.“ Der Beistand hat ihr geholfen, die Sekretärin wurde sogar zur Vertrauten. „Auch der Chef hat oft nachgefragt, wie es mir geht“, berichtet Manscheid. „Als ich wieder konnte, habe ich zudem den E-Mail-Verkehr in der Firma verfolgt.“ Ihre stufenweise Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell, mit erst wenigen und immer mehr Stunden, stand an, als Behandlung und Reha erfolgreich abgeschlossen waren. „Arbeiten zu können hieß für mich auch, wieder gesund zu sein“, sagt die Software-Beraterin. Ihr Arbeitgeber SQS, ein Anbieter für Software-Tests und Qualitätsmanagement, war froh, die Fachkraft einbinden zu können. „Schließlich sorgen die Menschen für die Umsätze“, sagt Muazzez Dindar, die HR-Leiterin. „Sie entscheiden mit ihrem Einsatz über Folgeaufträge.“

          Eine Ausnahmesituation fordert Außergewöhnliches

          In einer Ausnahmesituation wie im Fall Manscheid setze das Unternehmen auf Flexibilität und Vertrauen, beruhend auf einer meist langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Betroffenen und der jeweiligen Führungskraft. In einem Manager-Programm wird zudem deren Empathie-Vermögen gefördert: „Wir bevorzugen Manager, die nicht nur ihre Geschäftsziele erreichen, sondern sich auch in andere Menschen hineinversetzen und damit ihren Führungsanspruch begründen können“, betont die HR-Leiterin. Für Monika Manscheid mussten die Projekt-Manager zunächst nach einem geeigneten Einsatzort suchen. „Welches Projekt ist heimatnah, lässt eine vorläufig reduzierte Stundenzahl zu, und ist der Kunde damit einverstanden?“, zählt die HR-Leiterin die Kriterien auf. Inzwischen arbeitet Manscheid wieder Vollzeit. „Beim Kunden weiß nur die externe Projektleiterin von der Krankheit“, verrät sie. „Doch meine SQS-Kollegen vor Ort habe ich ins Vertrauen gezogen: Das Team fängt es gut ab, wenn ich wegen eines Arzttermins früher gehen muss.“

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