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Nachhaltigkeit im Job : Millenials und die Suche nach dem Sinn

  • -Aktualisiert am

Auch Nachhaltigkeit kann Arbeit einen Sinn geben. Bild: Getty

Steigen junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren in den Beruf ein, wollen sie sinnhaft arbeiten – allerdings nicht um jeden Preis. Und das ist nicht die einzige Hürde.

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          Als Paul Berg nach seinem BWL-Studium einen Job suchte, ging er erst einmal davon aus, dass sein Berufseinstieg vor allem eins sein sollte: finanziell lukrativ. „Ich kam aus dem Studium und habe gedacht, dass ich erst mal Geld verdienen muss und mich dann später um etwas Sinnvolles kümmern kann“, sagt er. „Ich wusste zu wenig über Sozialunternehmertum und dass man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.“ Dann lernte er den Entrepreneur David Diallo kennen, einen Sozialunternehmer, der Firmen mit sinnhaften Geschäftsmodellen gründete. Paul Berg war Feuer und Flamme: „Wir wollten nicht nur eine Jobplattform schaffen, sondern mit unserer Arbeit Menschen ein ganzes Leben lang beim Thema Nachhaltigkeit begleiten.“

          Gemeinsam gründeten die beiden im Jahr 2016 GoodJobs, eine Plattform für „Nachhaltige Jobs mit Sinn“, wie es auf der Homepage heißt. Die Vision der Gründer: Sie wollen Stellen anbieten, die nicht nur zu den Bedürfnissen von Millennials passen, sondern obendrein die Welt verbessern. Im vergangenen Jahr suchten knapp zwei Millionen Menschen auf der Plattform nach einem Arbeitsplatz. Den größten Anteil macht die Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen aus. Mittlerweile arbeiten 2000 Organisationen mit GoodJobs zusammen. Damit decken die beiden Gründer einen Bedarf. Eine Studie des Zukunftsinstituts aus dem Jahr 2019 zeigt nämlich: 87 Prozent der Millennials ist ein sinnvoller und erfüllender Job wichtig. Einen überdurchschnittlichen Verdienst fanden dagegen nur 55 Prozent relevant. Das Problem: „Die Nachfrage nach sinnhaften Jobs ist da, aber es gibt noch nicht genügend, obwohl das Angebot zunimmt“, sagt Berg von GoodJobs.

          „Deutschland ist eine Industrienation“, sagt Tristan Horx vom Zukunftsinstitut. „Start-ups oder Digitalfirmen, die besonders häufig Hochschulabsolventen anlocken, gibt es hierzulande weniger als im internationalen Vergleich“, sagt Horx. Gerade solche Unternehmen haben jedoch meist einen nachhaltigeren Fokus. Das führt dazu, dass Berufseinsteiger Kompromisse machen müssen. Und es erklärt auch, warum deutsche Millennials in Sachen Nachhaltigkeit etwas großzügiger mit ihrem Arbeitgeber sind: Entspricht der Arbeitgeber nicht den eigenen Nachhaltigkeitsstandards, würden nur 28 Prozent der deutschen Millennials ihren Job wechseln - im globalen Vergleich würden das immerhin 38 Prozent tun.

          Mit niedrigem Gehalt einsteigen kommt für viele nicht infrage

          Der Traum vom sinnhaften Tun erledigt sich zudem häufig dann, wenn es ums Gehalt geht. Viele Millennials sind gut ausgebildet, haben viel Zeit und Geld in ihr Vorankommen gesteckt. Mit niedrigem Gehalt einsteigen? Das kommt für viele aus wirtschaftlichen Gründen nicht infrage. Kein Wunder also, dass Berufseinsteiger, die einen sinnvollen Job suchen, oftmals „eine Desillusionierung erleben, die größtenteils mit der finanziellen Gesamtsituation zusammenhängt“, sagt Trendforscher Horx.

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          Wie wichtig das Thema Sinnhaftigkeit Studierenden ist, zeigt ein Beispiel von der Business School WHU: Seit dem Jahr 2009 organisieren Studierende dort den sogenannten „SensAbility Summit“. Dieser will „Studierende dafür sensibilisieren, dass Wirtschaft und Nachhaltigkeit nicht in einem Gegensatz zueinander stehen müssen“, erklärt der 20 Jahre alte BWL-Student Joel Cacutalua. Rund 250 Studierende, Gründer, Young Professionals und Investoren kommen jedes Jahr zusammen und diskutieren rund um sinnhaftes Unternehmertum.

          Cacutalua organisierte gemeinsam mit Kommilitonen den diesjährigen Summit, jedes Jahr sind andere Studierende an der Reihe. Erstmals fand der Summit ausschließlich digital statt. Cacutalua ist zwar erst im vierten Semester, weiß aber schon genau, was er von seinem künftigen Arbeitgeber erwartet: „Man sollte bestimmte Unternehmen nicht direkt als potentielle Arbeitgeber ausschließen. Es kann bereichernd sein, ein Unternehmen durch die eigene Arbeit zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen“, sagt er. Genau das will der Summit den Teilnehmern mit auf den Weg geben: „Eine Veränderung kann man auf jeder Gehaltsstufe und in fast jedem Unternehmen vorantreiben“, sagt der Student. Zwei Branchen schließt er für sich in diesem Zusammenhang aber aus: die Tabak- und die Rüstungsindustrie.

          Auch Paul Berg von GoodJobs beobachtet, dass immer mehr Branchen sinnhafte Jobs anbieten. Besonders beliebt sind grüne Banken, die das angelegte Geld ihrer Kunden in umweltfreundliche Projekte investieren. Auch Automobilhersteller, die sich auf Elektromobilität fokussieren, haben gute Karten bei jungen Berufseinsteigern. „Die Unternehmen erkennen, dass bei Millennials ein systemisches Umdenken herrscht und neue Anforderungen an sie gestellt werden“, sagt Berg. „Sie müssen allerdings noch schneller und stärker darauf reagieren.“ Cacutalua von der WHU setzt auf Veränderung aus eigener Kraft. „Hoffentlich wird bald eine Flut junger Menschen in die Arbeitswelt drängen, die Lust haben, etwas zu verändern“, sagt er. Vorbilder findet er in ehemaligen WHU-Studenten, die nach ihrem Studium nachhaltige Unternehmen gegründet haben - etwa den Onlinehofladen Frischepost oder das Solar-Start-up Enpal.

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