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Microsoft in Japan : Vier Tage arbeiten, weniger drucken

Microsoft in Japan: Experimente mit der VIer-Tage-Woche Bild: EPA

Microsoft Japan verordnete seinen Mitarbeitern einen Monat lang eine Viertagewoche und meldete zunächst einen Produktivitätsgewinn um 40 Prozent. Nun hat das Unternehmen die Zahl zurückgenommen.

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          Japan ist für überlange Arbeitszeiten und die offizielle Anerkennung von Karoshi, des Tods durch Überarbeitung, bekannt. Nicht nur deshalb lässt das Experiment, dass der amerikanische Software-Konzern Microsoft in diesem Sommer in Japan abhielt, aufhorchen. Fünf Wochen lang im August schloss Microsoft Japan am Freitag die Tore und schickte die 2300 Mitarbeiter in bezahlten Sonderurlaub. „Arbeite in kurzer Zeit, studiere gut, mache eine Pause“, war die Devise des Tests, um den Mitarbeitern mehr Verständnis für eine gesunde Wahl von Arbeits- und Freizeitzeiten zu geben. Mit finanziellen Anreizen ermunterte das Unternehmen seine Angestellten, die gewonnene freie Zeit zur Weiterbildung oder für Freizeitaktivitäten zu nutzen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In Japan treffen solche Bemühungen von Unternehmen den politischen Zeitgeist, hat sich doch auch die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe die Verbesserung des Arbeitsumfelds auf die Fahnen geschrieben. Eine höhere Produktivität und mehr Konsum verspricht die Regierung sich von den diversen Bemühungen, die Zahl der Überstunden zu reduzieren oder japanische Arbeitnehmer zum Urlaub zu ermuntern.

          Indizien für eine höhere Produktivität

          Das Ergebnis des Microsoft-Experiments spielt der Regierung in die Karten. Effektiv sank die Zahl der Arbeitstage im August um 25 Prozent. Ungefähr parallel ging der Elektrizitätsverbrauch um 23 Prozent zurück. Die Zahl der ausgedruckten Seiten aber schrumpfte um 59 Prozent. Die Mitarbeiter beschränken in weit größerem Umfang als zuvor Mitarbeitertreffen auf 30 Minuten und nutzten die technischen Möglichkeiten von Tele-Konferenzen mehr. All das lässt sich als Indiz deuten, dass eine kürzere Wochenarbeitszeit die Produktivität der Mitarbeiter steigert: Wer weniger Zeit zur Verfügung hat, arbeitet zügiger und zielstrebiger.

          Die ursprüngliche Behauptung, die Viertagewoche habe die Arbeitsproduktivität als Verhältnis von Verkäufen zu Arbeitsstunden um 40 Prozent verbessert, hat Microsoft Japan aber schon wieder zurückgenommen. Das Unternehmen nennt die Zahl jetzt nur noch in einer Fußnote und verweist darauf, dass dieses statistische Ergebnis nicht nur auf das Arbeitszeitexperiment, sondern auch auf eine Reihe anderer Faktoren zurückgehe. Vielleicht war Microsoft erschrocken von der ursprünglichen Berichterstattung, in der die Viertagewoche undifferenziert als Produktivitätswunder beschrieben wurde.

          Dennoch hat Japan in Sachen Arbeitsproduktivität Nachholbedarf, wie vergleichende internationale Statistiken zeigen. Viele Angestellte und Arbeitnehmer verlassen das Büro erst weit nach Dienstschluss, sei es wegen zu viel Arbeit, sei es, um den noch anwesenden Chef besonderen Fleiß zu demonstrieren. Eine besondere Erklärung für die Neigung, den Abend im Büro zu verbringen, fand vor einigen Jahren ein deutscher Manager. Es sei gerade im Winter angenehmer, im Büro zu bleiben, anstatt in schlecht isolierten Wohnungen zu frieren. „Ich musste in den ersten Monaten abends durch die Büros gehen und die Leute persönlich nach Hause schicken“, berichtete der Manager, der ein japanisches Unternehmen auf Arbeitszeiten nach westlichen Standards trimmte.

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