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Einkommen in Deutschland : Zweitjobs immer beliebter

Immer häufiger haben deutsche Arbeitnehmer einen Nebenjob. Für die Meisten jedoch kein Grund, sich zu verstecken - im Gegenteil. Bild: dpa

Die Zahl der Menschen mit Minijob ist seit 2010 stark gestiegen. Klar, die Menschen werden schlecht bezahlt und müssen ihren Verdienst aufbessern, werden viele poltern. Stimmt nicht ganz.

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          Eine steigende Zahl von Arbeitnehmern in Deutschland geht neben ihrem Hauptberuf einem Minijob nach. In den drei Jahren von Ende 2010 bis Ende 2013 hat sie sich um mehr als 210.000 oder fast 10 Prozent auf 2,68 Millionen erhöht. Das zeigen neue Daten der Bundesagentur für Arbeit, die der F.A.Z. vorliegen. Die Zahl der Erwerbstätigen, die ausschließlich einen Minijob haben, ist dagegen seit 2010 um fast 2 Prozent auf 4,83 Millionen geschrumpft.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Nach einer beliebten Lesart belegt diese Entwicklung, dass Arbeit in Deutschland immer schlechter bezahlt sei. Immer mehr Arbeitnehmer seien auf eine Nebentätigkeit angewiesen, weil der Lohn aus ihrem Hauptberuf nicht mehr zum Leben ausreiche - so schallte es dazu in den vergangenen Jahren regelmäßig aus Gewerkschaften, Grünen und Linkspartei.

          Ein genauerer Blick auf die Daten der Arbeitsagentur zeigt indes, dass mit dieser Lesart etwas nicht stimmen kann - schon gar nicht, wenn man gleichzeitig die Ansicht vertritt, dass immer mehr junge Berufseinsteiger in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt würden: Interessanterweise sind es in allererster Linie die älteren Arbeitnehmer, die sich in wachsender Zahl für einen Minijob neben ihren Hauptberuf interessieren.

          Minijobber aus Spaß, nicht aus Not

          In der Altersgruppe der 15- bis 50-Jährigen hat sich die Zahl der Arbeitnehmer mit einem Minijob als Nebenverdienst in den drei Jahren um weniger als 3 Prozent erhöht, wie die Statistik zeigt. Die Zahl der Nebenverdiener im Alter zwischen 50 und 65 Jahren ist dagegen um 30 Prozent auf 688.000 in die Höhe geschnellt. Und dies bleibt auch dann noch ein rasanter Anstieg, wenn man die Alterung der Gesellschaft berücksichtigt - die Gesamtzahl der Beschäftigten im Alter zwischen 50 bis 65 hat sich in den drei Jahren nur etwas mehr als halb so stark erhöht.

          Ein Blick in die Lohnstatistik bestätigt, dass ältere Arbeitnehmer jedenfalls keine typischen Niedriglöhner sind. Die Arbeitsagentur ermittelte im Jahr 2010 für Vollzeitbeschäftigte über 50 einen durchschnittlichen Bruttolohn von knapp 2900 Euro im Monat; damit lagen sie um 200 Euro über dem Durchschnitt aller Arbeitnehmer.

          Das deutet stark darauf hin, dass viele Nebenverdiener ihre Minijobs ohne Not und gerne machen - zumal die Abgaben- und Steuervorteile des Minijobs umso schwerer wiegen, je stärker die Steuerprogression den Hauptverdienst belastet.

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