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Mehr Flexibilität : Trumpf steigt auf die Jahresarbeitszeit um

Modernes Arbeiten bei Trumpf Bild: dpa

Vor der Messe richtig ranklotzen und dafür den sonnigen Freitag danach auf der Terrasse verbringen: Das ist bei dem Maschinenbauer Trumpf die Idealvorstellung von der neuen Arbeitswelt.

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          Der Maschinenbauer Trumpf schafft für seine Mitarbeiter in Deutschland die Wochenarbeitszeit ab. Stattdessen wird die Arbeitszeit jetzt übers Jahr bemessen: Wenn es viel zu tun gibt, wird mehr gearbeitet, wenn der Mitarbeiter Zeit für sich braucht, kann er die Stunden wieder abfeiern. Abgerechnet wird zum Schluss. Ein Vollzeitmitarbeiter darf übers Jahr bis zu 200 Stunden Zeitguthaben aufbauen oder sein Zeitkonto bis zu 100 Stunden ins Minus rutschen lassen - zum Ende des Geschäftsjahres, bei Trumpf Ende Juni, sollten es dann 1610 Stunden sein, höchstens 25 Stunden mehr oder 40 weniger.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Dieses „agile Zeitsystem“ ist zentraler Punkt des neuen Beschäftigungspakts, den Trumpf mit dem Betriebsrat ausgehandelt hat - die Umwälzungen durch die Digitalisierung vor Augen, die den Arbeitsalltag verändern werden. „Wir können die Arbeit nicht mehr in Monatspakete packen“, sagt Gerhard Rübling, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor des Laser- und Werkzeugmaschinenspezialisten, im Gespräch mit dieser Zeitung: „Wenn vor einer wichtigen Messe eine neue Maschine fertig werden muss, dann brauchen wir die Leute.“ Aber er verspricht auch: „Wir wollen nichts überziehen. Es geht um Effizienzgewinne und die Zufriedenheit der Mitarbeiter.“

          Das neue Beschäftigungsbündnis, das nach und nach an allen deutschen Standorten umgesetzt wird, schließt bis zum Jahr 2021 betriebsbedingte Kündigungen für die Stammbelegschaft aus und bietet (wie bisher schon) Möglichkeiten, eine gut verzinste betriebliche Altersversorgung oder ein Lebensarbeitszeitkonto aufzubauen. Weitere Punkte des Pakts betreffen die Qualifizierung, Regelungen für die alternde Belegschaft und mobiles Arbeiten. Wer will, kann in Absprache mit dem Chef bis zu 20 Prozent seiner Arbeitszeit außerhalb des Unternehmens bestreiten.

          „Wir bauen Bürokratie ab“

          Alle Regelungen sind mit der IG Metall ausgehandelt, wo man längst erkannt hat, dass starre Vereinbarungen in vielen Bereichen durch die Realität überholt sind. Dabei bleibt die organisierte Mitbestimmung immer häufiger außen vor. „Wir machen bei Trumpf das, was wir von der Politik immer fordern, wir bauen Bürokratie ab“, sagt Rübling: „Führungskraft und Mitarbeiter entscheiden allein. Nur wenn es Streit gibt, wird der Betriebsrat eingeschaltet.“ Manches wird gar nicht bis ins letzte Detail geregelt. Man verlässt sich darauf, dass man über alles reden kann.

          „Wir probieren das jetzt mal. Und wenn es nicht klappt, müssen wir ja nicht fünf Jahre warten, bis wir etwas korrigieren“, sagt Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Auch frühere Bündnisse hatten Pionier-Charakter und haben unter der Trumpf-Belegschaft trotzdem keine Revolution ausgelöst: „Ich hätte erwartet, dass das Angebot für ein Sabbatical mehr genutzt wird“, sagt sie mit Blick auf ein neues Angebot aus dem vorherigen Beschäftigungsbündnis. „Aber manchmal ist es wichtig, dass es solche Angebote überhaupt gibt.“ Das sei auch der strategische Gedanke hinter den Arbeitszeitmodellen, mit denen Trumpf immer wieder seiner Zeit voraus ist: „Man wird als Arbeitgeber attraktiv - und wir wollen die Besten in allen Bereichen.“ Auch für junge Eltern könnte es verlockend sein, für die Familie öfter mal tagsüber verfügbar zu sein, weil manche Aufgabe entweder mobil erledigt wird oder schon vorgearbeitet wurde.

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