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Automatisierung : Millionen Arbeitnehmer müssen umschulen

  • -Aktualisiert am

Ein Roboter im Einsatz in der Küchenfertigung Bild: Schmidt Küchen

Durch die Pandemie werden die Umbrüche am Arbeitsmarkt noch einmal verstärkt, heißt es in einer McKinsey-Studie. Deutschland ist demnach vergleichsweise gut gerüstet.

          3 Min.

          Laut einer Studie des McKinsey Global Institute stehen in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 10,5 Millionen Arbeitnehmer vor grundlegenden Veränderungen. 6,5 Millionen Menschen werden sich demnach „erhebliche neue Fähigkeiten und Qualifikationen aneignen oder sich umschulen“, 4 Millionen werden sich nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen müssen. Die Untersuchung fokussiert sich auf acht Länder und deren zu erwartende Umbrüche durch Automatisierung und Digitalisierung, die durch die Corona-Pandemie beschleunigt werden. Verglichen mit den Vereinigten Staaten, China, Japan, Indien, Frankreich, Großbritannien und Spanien, ist Deutschland am zweitstärksten betroffen: Der prozentuale Zuwachs der betroffenen Arbeitsplätze gegenüber einem Vor-Corona-Szenario ist nur in den Vereinigten Staaten noch stärker.

          Die Studienautoren erwarten, dass sich die Pandemie vor allem in Branchen auswirken wird, in denen es bisher besonders wichtig war, physisch präsent zu sein. Sie nennen die Freizeit- und Reisebranche, Tätigkeiten mit persönlichem Kundenservice wie die Gastronomie, Büro- und Verwaltungsjobs sowie Fabrikproduktion und Lagerwesen. Durch den Schub für den Online-Handel und für Lieferdienste seien in Zukunft besonders der Einzelhandel und Gaststätten von Arbeitsplatzabbau betroffen. Insgesamt geht die Studie in den acht untersuchten Ländern von 100 Millionen Arbeitnehmern aus, die bis 2030 von einem Berufswechsel betroffen sein werden.

          Die Pandemie erhöhe die Anzahl in den Industrieländern um ein Fünftel. Es müsse mit einem Rückgang des Anteils der Niedriglohnjobs gerechnet werden. McKinsey sieht Deutschland besser für die Veränderungen gerüstet als die anderen europäischen Länder. Als Grund gilt der größere formale Berufsbildungssektor und der erwartete Rückgang der Erwerbsbevölkerung um 5 Prozent bis zum Jahr 2030.

          Frauen 3,1 Mal so stark betroffen wie Männer

          Um mit den Umwälzungen durch die Pandemie fertig zu werden, setzen Firmen der Studie zufolge vermehrt auf Künstliche Intelligenz und Automatisierung. Um für möglichst wenig physische Nähe zu sorgen, würden noch mehr Roboter in Werken und Lagern installiert, Selbstbedienungsläden entwickelt sowie auf Serviceroboter im Kundenumgang oder auf Prozessautomatisierung in Büros gesetzt.

          In einer 2020 erschienenen Studie schätzen die Forscher Daron Acemoglu und Pascual Restrepo, dass in den Vereinigten Staaten durch die neue Robotisierungswelle schon zwischen 360.000 und 670.000 Stellen verlorengegangen sind. Über diesen „begrenzten“ Verlust hinaus erwarten sie bis 2025 einen verstärkten, „robusten negativen Effekt“ auf Beschäftigung und Löhne. Eine Studie aus dem vergangenen Dezember, an der Acemoglu ebenfalls beteiligt war, hat zudem den Effekt der Künstlichen Intelligenz auf Arbeitsplätze und Löhne in Amerika untersucht. Einen übergreifenden Zusammenhang zwischen dem Niveau an eingesetzter Künstlicher Intelligenz in einem Betrieb und Jobverlust konnten die Autoren noch nicht feststellen – „wahrscheinlich weil KI-Technologien noch in den Kinderschuhen stecken und sich bisher nur in einem begrenzten Teil der amerikanischen Ökonomie verbreitet haben“.

          In ihrer Studie „The Adjustment of Labor Markets to Robots“ nennen Jens Südekum (Universität Düsseldorf) und Kollegen die Aussichten für die Vereinigten Staaten „alarmierend“. Sie zeigen aber, dass sich die Prognosen keineswegs auf Deutschland übertragen lassen. Aufbauend auf Erfahrungen aus vergangenen Automatisierungszyklen, gehen sie davon aus, dass das korporatistische deutsche Modell die Entwicklung abfedern wird. Sie erwarten, dass der Arbeitsplatzverlust in der Industrie überwiegend durch weniger Neueinstellungen und durch neue Stellen im selben Betrieb abgefangen wird. Diese neuen Stellen würden vor allem im Bereich der Unternehmensdienstleistungen entstehen und sogar für stabilere Beschäftigungsverhältnisse sorgen. Die Autoren betonen jedoch, dass dies nur mit Umschulung und Weiterbildung zu schaffen ist – beides sei eher zu erwarten, wo Gewerkschaften stärker vertreten sind.

          Besonders werden sich die Umbrüche laut der McKinsey-Studie auf Gruppen auswirken, die jetzt schon benachteiligt sind: So seien in Deutschland Frauen 3,1 Mal so stark betroffen wie Männer, Beschäftigte ohne höheren Bildungsabschluss 2,7 Mal so stark. Weitere Ergebnisse dürften ebenso wenig überraschen: Jeder vierte Beschäftigte könne an drei bis fünf Tagen zu Hause arbeiten, was zu mehr Büroleerstand führt – in Berlin habe der innerhalb eines Jahres um 27 Prozent zugenommen. Durch digitale Konferenzen könnte zudem jede fünfte Geschäftsreise langfristig wegfallen.

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