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Manager-Karrieren : Im Schoß der Familie

Bild: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Familienunternehmen haben als Arbeitgeber keinen leichten Stand. Daran ändert auch die Krise nichts. Erfahrene Manager stehen gerne im Rampenlicht. Und der Nachwuchs will häufig nicht aufs Land ziehen.

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          Eckhard Cordes hatte die Wahl. Der 58 Jahre alte Manager ist Vorstandsvorsitzender sowohl der Metro AG als auch der Haniel Holding. Beides gemeinsam geht aber nur auf Zeit. Eine Funktion muss er aufgeben. Cordes hat sich gegen die größere Familienholding entschieden. Er konzentriert sich künftig ganz auf seine Aufgabe als oberster Stratege des internationalen Handelskonzerns Metro. „Eine nachvollziehbare Entscheidung“, findet der Bochumer Betriebswirtschaftswissenschaftler Professor Bernhard Pellens. Cordes habe sich für die größere Aufmerksamkeit entschieden, die er als Vorstandsvorsitzender einer börsennotierten Gesellschaft gegenüber dem Chef eines Familienunternehmens genieße.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Aber öffentliche Aufmerksamkeit hat ihren Preis. Man steht nicht nur stärker unter Beobachtung, man muss der Öffentlichkeit auch immer mehr Einblick gewähren. Vor allem die Einkommen sollen künftig detaillierter bekanntgemacht werden. Bei Haniel steht nur im Geschäftsbericht, dass der dreiköpfige Vorstand insgesamt 6,4 Millionen Euro bekommt. Von der börsennotierten Metro weiß man dagegen, dass Cordes neben einer Million Euro Grundeinkommen 1,9 Millionen Euro Jahresbonus und 600.000 Euro Langfristvergütung erhalten hat, was sich einschließlich einiger Nebenleistungen auf knapp 3,6 Millionen Euro im Jahr summiert hat.

          Künftig soll das Gehalt von Vorstandsmitgliedern nicht nur detaillierter offengelegt werden, es soll über dessen Höhe auch der gesamte Aufsichtsrat oder gar die Hauptversammlung entscheiden. Angst vor der Debatte haben die Vorstände offenbar ebenso wenig wie vor einer detaillierteren Veröffentlichung ihrer Bezüge. „Ein Vorstandsmitglied sollte auch eine öffentliche Diskussion über sein Gehalt führen können“, befindet ein Personalberater der Baumann Unternehmensberatung in Frankfurt.

          Für die Publikumsgesellschaft würden sich die meisten entscheiden

          So ist es wenig verwunderlich, dass eine unveröffentlichte Umfrage der Kienbaum Unternehmensberatung aus Gummersbach ergeben hat, dass sich fast alle befragten AG-Vorstände wie Cordes entscheiden würden: für die Publikumsgesellschaft und gegen das Familienunternehmen. Mehr Transparenz beim Einkommen, so das Fazit der Befragung, ist kein Hinderungsgrund für eine Anstellung bei einer Aktiengesellschaft. Zumal auch große GmbHs Publizitätspflichten unterliegen.

          Wechsel wegen des Gehalts waren und werden die Ausnahme bleiben. Das auch deshalb, weil die Gehälter vergleichbar hoch sind. Wer ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern leitet, bekommt je nach Branche zwischen 300.000 und 500.000 Euro Geschäftsführergehalt. Auch Personalberater vermögen keine generellen Unterschiede zwischen den Managerbezügen in Publikumsgesellschaften und in Familienunternehmen festzustellen. Es gebe Ausreißer nach oben und unten in beiden Bereichen. Viel wichtiger als die absolute Höhe des Einkommens ist für einen Manager, ob die Funktion in seine persönliche Karriereplanung und Karrierestrategie passt. Und da spielt die öffentliche Aufmerksamkeit dann wieder eine ganz große Rolle. Eine weitere Frage ist die der Kompetenzen und der Freiheitsgrade der neuen Stelle oder des Ansehens des neuen Arbeitgebers.

          Reger Austausch in beide Richtungen

          Es ist nicht so, dass es keine Wechsel hin zu Familienunternehmen gäbe. Karsten Schmidt war Vorsitzender der Geschäftsführung der deutschen Philip Morris und in dieser Eigenschaft Vorsitzender des nationalen Verbandes der Zigarettenhersteller. Sich aber in der Hierarchie einer internationalen Gesellschaft auch immer wieder neuen Zielen unterordnen zu müssen war ein Beweggrund, die Geschäftsführung des Familienunternehmens Ravensburger zu übernehmen.

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