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Manager-Karrieren : Im Schoß der Familie

Wie rege der Austausch zwischen Publikumsgesellschaften und Familienunternehmen mitunter in beide Richtungen ist, zeigt sich in wenigen Tagen, wenn am 1. Oktober der Vorstandsvorsitzende der börsennotierten Leifheit AG zum größeren familiengeführten Molkereikonzern Müller geht, um dort als einer von vier gleichberechtigten Vorstandsmitgliedern quasi ins Glied zu treten. Auf seiner Position bei Leifheit folgt Georg Thaller, der jetzt seine Chefposition im Familienunternehmen Fissler aufgibt, um Leifheit zu führen.

Doch Familiengesellschaften leiden daran, dass selbst Milliardenunternehmen oft nur Branchenkennern bekannt sind. Die Scheu vor der öffentlichen Darstellung ist manchmal in der Angst vor Belästigungen bis hin zur Entführung begründet. Immerhin nehme die Publizitätsscheu der Familienunternehmen ab, wie der Verleger Florian Langenscheidt jüngst bei der Präsentation seines zweiten Lexikons der Familiengesellschaften sagte. In einer Mediengesellschaft muss man sich der Öffentlichkeit stellen, vor allem von einer bestimmten Größe an. Eine zu große Diskrepanz zwischen dem eigenen Anspruch, in seinem Bereich ein Weltmarktführer zu sein, und der öffentlichen Bekanntheit lässt viele Mitarbeiter an der Glaubwürdigkeit des eigenen Arbeitgebers zweifeln.

Die Ausweicharbeitsplätze mit im Blick

Vor allem bei jungen Nachwuchskräften haben es Familienunternehmen nicht einfach. Für Mitarbeiter ist das Umfeld des neuen Arbeitgebers wichtig. Das gilt auch für Unternehmen wie den Schweißgerätehersteller EWM in Mündersbach im Westerwald. „Wir bemühen uns um Ingenieure und Kaufleute, deren Kinder vor der Einschulung stehen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Michael Szczesny. Diese Menschen würden dann gern wieder in ihrer alten Heimat Wohnung beziehen, um langfristig dort zu bleiben und die alten sozialen Kontakte wiederaufleben zu lassen.

Selbst in Urlaubsregionen finden mittelständische Unternehmen kaum Nachwuchs von auswärts. Der Zahnfüllungshersteller Dentsply kann selbst anspruchsvolle Stellen in Konstanz am Bodensee nur schwer besetzen. „Die Bewerber denken heute sicherheitsorientiert und gucken gleich, wie viele Ausweicharbeitsplätze es in der Region gibt, wenn es mit dem neuen Arbeitgeber nicht klappt“, sagt Geschäftsführer Claus-Peter Jesch. Und wenn es keine Ausweichstellen in der Nähe gibt, sagen sie ab. Ebenso wichtig ist die Nähe zur nächsten Großstadt mit einem entsprechenden kulturellen Angebot. „70 Prozent Wald im Umkreis von 100 Kilometern sind für junge Leute kein Argument, dort eine Stelle anzutreten“, weiß Jesch.

Gerade der Nachwuchs fragt immer häufiger nach Möglichkeiten, international Karriere zu machen. Das erlebt auch das kleine, expansive Handelsunternehmen Gries Deco Company GmbH in Niedernberg bei Aschaffenburg. Das Unternehmen führt die Einzelhandelskette Depot. Die Beteiligung des schweizerischen Migros-Konzerns hat dem bisher auf Deutschland begrenzten Unternehmen die internationale Expansion nach Osteuropa ermöglicht, was sich schon positiv auf Bewerbungen ausgewirkt habe, wie der geschäftsführende Gesellschafter Gries bestätigt.

Ähnliches berichtet auch Michael Szczesny von EWM. Eine Tochtergesellschaft in China und den Arabischen Emiraten mache das Unternehmen sehr viel attraktiver für Bewerber. Allein die Aussicht, auch einmal ins Ausland zu kommen, erhöhe die Attraktivität als Arbeitgeber erheblich. Das sehen Manager nicht anders: Internationalität und Bedeutung des Arbeitgebers sind wichtiger als das Gehalt. „Das muss einfach stimmen“, sagt ein Berater - oder es ist ein Ausschlusskriterium.

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