https://www.faz.net/-gyl-tmmi

Management : Absturz aus der Chefetage

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Cyprian Koscielniak

Nicht zuletzt das Beispiel Deutsche Telekom zeigt eindrucksvoll: Investoren und Aufsichtsräte werden immer ungeduldiger. Wenn der Erfolg ausbleibt, feuern sie Topmanager so schnell wie noch nie.

          5 Min.

          Die Gnadenfrist war kurz. Im Sommer hatte es erste Gerüchte gegeben, der Telekom-Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke sei angeschlagen. In der vergangenen Woche war seine Amtszeit vorüber: Nach nur vier Jahren löste ihn René Obermann an der Konzernspitze ab. Der Aufsichtsrat und mehrere Großaktionäre hatten kein Vertrauen mehr in ihren Topmanager - zu viele Kunden waren der Festnetzsparte seit Jahresbeginn davongelaufen. Ricke ist nur einer von vielen Vorstandschefs, die vorzeitig ihren Posten räumen müssen. Wenige Tage nach dem Telekom-Chef erwischte es den Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder. Die Manager stehen beispielhaft für eine Zeitenwende: Noch vor wenigen Jahren waren Vorstandschefs großer Konzerne wie selbstverständlich auf Lebenszeit ernannt - die Ablösung stand frühestens im Rentenalter an, solange sich die Manager keine schweren Fehler leisteten. Inzwischen ist die Schonzeit vorbei: Der Druck von Investoren und Aufsichtsräten ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Wer die hochgesteckten Ziele nicht erfüllt, wird vor die Tür gesetzt - oft auch schon lange vor Ablauf des Zeitvertrags. 2005 verweilten europäische Vorstandsmitglieder im Durchschnitt 5,8 Jahre in ihren Ämtern - 2003 waren es noch 8,5 Jahre gewesen. In Nordamerika seien es sogar nur 24 Monate, haben Branchenbeobachter berechnet.

          Studie: Zahl der gefeuerten Manager hat sich verdoppelt

          "Vorstandschefs haben immer weniger Zeit, bis sie Erfolge vorweisen müssen", sagt Horst Bröcker, Partner der Personalberatung Egon Zehnder, der für seine Kunden nach Managern sucht. "Investoren und Aufsichtsräte haben in den vergangenen Jahren ihre Geduld verloren." Wie schnell Vorstandschefs internationaler Unternehmen heute ihren Job verlieren, belegte jüngst die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton (BAH) in einer Studie. Danach mußten im vergangenen Jahr 15 Prozent der Konzernlenker gehen. Zwei Jahre zuvor waren es erst zehn Prozent der Bosse gewesen, im Jahr 1998 gar erst acht Prozent. Damit hat sich der Anteil der gefeuerten Chefs innerhalb von acht Jahren fast verdoppelt. Die BAH-Berater hatten für ihre Studie die Veränderungen im Topmanagement der 2500 größten börsennotierten Unternehmen untersucht, hinzu kamen 300 deutsche Aktiengesellschaften. Klaus-Peter Gushurst, Deutschlandchef von BAH, glaubt nicht an eine vorübergehende Spitze: "Die weltweite Fluktuationsquote pendelt sich in den kommenden Jahren bei 16 Prozent ein", prognostiziert er. "Das ist die neue Normalität. Die Zeiten des Vorstandsvorsitzenden auf Lebenszeit sind endgültig vorbei." In Deutschland wird besonders häufig mangelnde Leistung als Grund für einen Führungswechsel angegeben: Im vergangenen Jahr mußten hierzulande zwei Drittel der geschaßten Manager gehen, weil sie die Ziele ihrer Investoren nicht erfüllten oder weil das Unternehmen verkauft wurde. "Das Manager-Leben ist gefährlicher geworden", urteilt Walter Jochmann, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Kienbaum.

          Besetzung des Aufsichtsrates nach Kompetenz

          Für den stärkeren Druck auf die Unternehmenschefs sind vor allem institutionelle Investoren verantwortlich: Hedge-Fonds, Private-Equity-Unternehmen und Fondsgesellschaften investieren längst rund um den Globus - und verlangen von Unternehmen Ergebnisse, die über denen der Konkurrenz liegen. So auch bei der Deutschen Telekom: Im Sommer war der Finanzinvestor Blackstone beim ehemaligen Staatskonzern eingestiegen. Sein Ziel: Das Unternehmen soll profitabler werden, damit der Aktienkurs steigt. Solche Wünsche können Finanzinvestoren heute besser durchsetzen als noch vor einigen Jahren: Häufig sind sie mit eigenen Leuten in den Aufsichtsräten vertreten. "Deren Zusammensetzung hat sich in jüngster Zeit radikal verändert", berichtet Egon-Zender-Partner Bröcker. "Aufsichtsräte werden heute nicht mehr aus Old-Boys-Networks rekrutiert. Inzwischen ist die Kompetenz der Kandidaten entscheidend."

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angeklagter: Der 93 Jahre alte Bruno D. wird aus dem Gerichtssaal in Hamburg geschoben.

          Prozess um SS-Wachmann : Eine große Umarmung

          Im SS-Prozess in Hamburg sagt ein früherer Häftling des KZ Stutthof aus. Er berichtet von furchtbaren Taten und Erlebnissen. Und er will dem Angeklagten vergeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.