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Luft- und Raumfahrtingenieure : Kometenjäger mit Erdanziehung

Herschel: Blick ins Universum, 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt Bild: Esa

Die Esa hat den Weltraum im Blick. In Darmstadt arbeiten die Luft- und Raumfahrtingenieure vor allem an Details - mit viel Präzision. Abenteuer gibt es auch - aber anders als im Comic sind sie nicht an der Tagesordnung.

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          Perry Rhodan ist ein Terraner. Er war der erste Mensch, der den Mond betrat. Mit Hilfe der dort angetroffenen Arkoniden und ihrer überlegenen Technik eint er die Menschheit und führte sie zu den Sternen. Wer selbst den Phantasien aus der Science-Fiction-Serie nahe kommen möchte, ist womöglich bei der European Space Agency (ESA) in Darmstadt gut aufgehoben. Andreas Rudolph jedenfalls ist ein glühender Rhodan-Fan, und das scheint seiner Karriere bis zum stellvertretenden Flugdirektor nicht abträglich gewesen zu sein. Jetzt steht der 45 Jahre alte Luft- und Raumfahrtingenieur im Kontrollzentrum und blickt über die leeren Stühle an die Wand. Dort sind die Raketenstarts vermerkt, die aus Darmstadt kontrolliert wurden. 2007 und 2008 klafft eine Lücke. Keine Starts, kein Eintrag. Action ist hier anders als im Comic nicht an der Tagesordnung.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          „Das ist hier ein eher langwieriges Geschäft“, sagt Rudolph, auf dessen Visitenkarte „Head of the Astronomy & Fundamental Physics Mission Division“ steht. 1993 hat er mit der Arbeit an dem Umweltsatelliten Envisat begonnen. 2002 hat die Rakete abgehoben, Bilder über das Wetter, Ölflecken, Waldbrände oder Taifune kommen noch immer über Darmstadt in die Welt. 14 Jahre von Rudolphs Berufsleben stecken darin.

          Ins All fliegt man nicht nebenbei

          Mit Satelliten und Teleskopen fliegt man eben nicht mal so nebenbei ins All. Jeder ist anders, aber eine Vorstellung geben Envisats Eckdaten. Oder die von Herschel, mit dem die ESA Einblicke in bisher von Staubwolken verhüllte Raumregionen erhalten will. Oder die des Kometenjägers Rosetta, dessen zwölfjährige Flugmission Erkenntnisse über die Anfänge des Planetensystems vor 4,6 Milliarden Jahren liefern soll.

          Envisat zum Beispiel ist 8 Tonnen schwer. Herschel beherbergt ein mit Helium gekühltes Infrarot-Teleskop mit 3,5 Meter Durchmesser, das wegen der Empfindlichkeit seiner auf den Empfang von Infrarotsignalen aus dem Weltraum ausgerichteten Spiegel „die Sonne nicht sehen darf“. 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, wird Herschel auf dem Lagrange-L2-Punkt plaziert, eine Art Bergspitze im All, auf der man den wenigsten Treibstoff verbraucht. „Wir arbeiten an der Vorhut der Wissenschaft“, sagt Rudolph.

          In der Luft kann man nichts mehr reparieren

          Auch beim Start darf nichts schiefgehen, wenn Lärm, Vibrationen und Beschleunigung der Fracht aus Darmstadt zusetzen. Sobald die von der Trägerrakete abgekoppelt ist, sind Rudolph und seine Kollegen mit der Steuerung dran. Vorher wird alles peinlichst genau geübt, denn „wenn das Ding erst mal in der Luft ist, kann man nichts mehr reparieren“. Bis zu 5 Monate dauern allein die Simulationen im Kontrollraum, wo extra ein Ingenieur abgestellt wird, der sich Tag und Nacht Fehler ausdenkt und die ins System einspeist, bis jedes erdenkliche Problem erkannt und beseitigt ist.

          Luft- und Raumfahrtingenieur, Maschinenbauer, Elektrotechniker, Informatiker, Physiker und Astronomen arbeiten hier Hand in Hand, 800 insgesamt, zu einem Einstiegsgehalt nach der Universität von etwa 2300 Euro. „Netto“, wie Personalchef Frank Danesy betont, die europäische Organisation genießt steuerliche Immunität. Nach vier Berufsjahren sollen es schon 4500 bis 5200 Euro netto sein. „Wir stellen weiter ein“, wirbt der fröhliche Kanadier. Perry Rhodan soll trotzdem noch nicht angefragt haben.

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