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Lockerung der Coronamaßnahmen : Mit Vorsicht zurück auf die Arbeit

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter im VW-Werk in Wolfsburg Bild: dpa

Einer Umfrage zufolge befürwortet die Mehrheit der Fach- und Führungskräfte eine allmähliche Rückkehr in den Arbeitsalltag. Doch Normalität dürfte so schnell kaum einkehren.

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          Kleinere Ladengeschäfte dürfen von kommendem Montag an wieder öffnen und auch Liefer- und Logistikketten dürften wieder in Gang kommen. So hat etwa Volkswagen angekündigt, schrittweise bis Ende April die Produktion in den Werken wieder anlaufen zu lassen. Auch Daimler oder BMW planen bald peu à peu wieder hochzufahren. Wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen wird all das freilich eine Weile dauern. Doch vielerorts dürfte die Freude ob dieses ersten Schritts Richtung Normalität überwiegen.

          Einer Umfrage des Stellenportals Stepstone zufolge befürworten 79 der Führungs- und 82 Prozent der Fachkräfte von Mai an zusehends in den Arbeitsalltag zurückzukehren. In rund 56 Prozent der Unternehmen liegt hierfür demnach auch ein mindestens weit fortgeschrittener Plan hierfür vor. 18 Prozent der Führungskräfte gaben jedoch an, man habe gerade erst mit der Entwicklung eines solchen begonnen, bei gut 25 Prozent wurden bislang noch keinerlei entsprechende Schritte unternommen.

          Für die Studie wurden am 15. und 16 April gut 11.400 Arbeitnehmer befragt, darunter 2000 Führungskräfte. Welche Auswirkungen die Corona-Krise gerade für Arbeitnehmer hat oder noch hatte, zeigt sich daran, dass etwa 40 Prozent der befragten Fachkräfte von Kurzarbeit betroffen sind. 15,6 Prozent gaben an, zum Zeitpunkt der Befragung gar nicht zu arbeiten.

          38 Prozent befürchten gar, dass ihr Arbeitsplatz durch die Corona-Krise langfristig in Gefahr sei. Auch die Sorge vor finanziellen (35,6 Prozent) oder psychischen (22 Prozent) Problemen treibt der Studie zufolge viele um. Wiederum gaben 30,6 Prozent der befragten Fachkräfte an, sie fürchtete keine langfristigen negativen Auswirkungen auf Grund der Krise. 

          Dass diese noch einige Zeit nachwirken wird, erwarten auch die Führungskräfte. Zwar erklärten 22,4 Prozent, ihr Unternehmen werde mit einem Hochfahren der Wirtschaft „sofort“ wieder die normale Produktivität erreichen. Doch schon 23 Prozent waren deutlich vorsichtiger und gaben einen Zeitraum von einem Monat an. Ein bis zwei Monate erwarteten 18,5 Prozent und gar 19,5 Prozent rechnen mit einem Zeitraum von 3 bis 6 Monaten – wobei all dies natürlich maßgeblich von der weiteren (regionalen) Entwicklung der Pandemie oder der Branche abhängt. Mit Blick auf den Umsatz, prognostizieren unterdessen gut zwei Drittel, dass es bis zu sechs Monate dauern könnte, um wieder auf das Niveau von vor der Krise zu kommen.

          Um für eine Wiederaufnahme des Betriebs „so schnell wie möglich“ gewappnet zu sein, erachten die Führungskräfte derweil vor allem die Bereitstellung von Atemmasken (71,4 Prozent), Antikörpertests (75,7 Prozent) und Desinfektionsmittel (76,3 Prozent) als entscheidend. Aber auch die Öffnung von Schulen und Kitas (76,2 Prozent) und den Zugriff auf zusätzliche Liquidität (63,0 Prozent) treibt sie um.

          Mit dem Wunsch nach einer besseren digitalen Infrastruktur (72,6 Prozent) findet sich zudem ein Dauerthema in der Auflistung, das durch die coronabedingte Zunahme an Videokonferenzen und generell der Arbeit im Homeoffice offenbar nochmals Auftrieb erhielt. Tatsächlich wollen 69,3 Prozent „wo möglich“ Angestellte zunächst auch weiter von zuhause aus arbeiten lassen. Diese Maßnahme würden 61,7 Prozent im Sinne des Gesundheitsschutzes begrüßen.

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