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„Lifehack“, „Matchen“ etc. : Unsere Unworte des Jahres 2022

  • -Aktualisiert am

Kollegen, die ständig „die Herausforderung“ suchen, können im Berufsalltag schon mal nerven. Bild: picture alliance / dpa Themendie

Statt zur Sache und auf den Punkt zu kommen, plustern Büromenschen unsere Sprache oft mit Schlagwort-Ungetümen und allerlei Denglisch-Klimbim auf. Was wir 2023 lieber nicht mehr hören und lesen möchten.

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          Ergebnisorientiert

          Dieses Wort ins Visier zu nehmen ist längst überfällig, geistert es doch seit Jahren durch alle möglichen E-Mails und Paper – ja, Sie lesen richtig, auch in Eschweiler-Dürwiß schreibt der solide Mittelständler jetzt ein „Paper“ zur Diskussionsvorlage. Zurück zum inflationären „ergebnisorientiert“. Soll ein Projekt beworben, ein Auftrag an Land gezogen, eine langweilige Aufgabe besungen werden, dann braucht es ein Adjektiv, das der Ödnis Glanz verleiht. Wir nennen es ergebnisorientiert. Das täuscht Dynamik, Fokussiertheit (igitt, auch so ein blasiertes Angeberwort) und etwas diffus Tolles vor. Lasst uns vom Ergebnis her denken. Ja, ja, natürlich soll hinterher etwas Gescheites dabei rauskommen, natürlich rackern wir uns dafür ab und strengen uns an, damit das Ergebnis gut wird. Das ist doch der Kern der Erwerbsarbeit und nicht der Erwähnung wert. Alles andere wären zeitfressende Laberrunden. „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, sprach einst ein Bundeskanzler, den jüngere Generationen nur aus Geschichtsbüchern kennen. Drastisch, aber auf den Punkt. Auch wenn das Bilder von Verdauungsprozessen hochsteigen lässt. URSULA KALS

          Lifehack

          Die Tücken und Aufgaben des Alltags mit einfachen oder ungewöhnlichen Mitteln zu meistern – danach strebt jeder. Näher kommt diesem Ziel, wer eine Taucherbrille aufsetzt, wenn er Zwiebeln schneidet. Wenn die Augen nicht vor Tränen überquellen, lassen sich unter anderem Schnittverletzungen an Fingern gut vermeiden. Auch die segensreiche Wirkung von Zitronensäure darf nicht unterschätzt werden, wenn es zum Beispiel darum geht, die Kaffeemaschine zu entkalken. Früher hätte man den meist erfolgreichen Einsatz solcher Methoden oder Substanzen im Alltag mit den guten, alten Worten Kniff oder Hausmittelchen benannt. Heute geht nichts mehr ohne den „Lifehack“. Dessen Häufung nervt schon im Privaten, noch mehr aber im Beruf. Etwas früher essen gehen, um die Schlange in der Kantine zu umgehen – natürlich ein Lifehack! Endlich mal die eigene Tasse in der Kaffeeküche in die Spülmaschine stellen, damit sie am nächsten Tag wieder einsatzbereit ist – Lifehack! Am Ende des Arbeitstags den Schreibtisch aufräumen, um am nächsten frisch zu starten – Sie ahnen es schon. Selbstverständliches ständig zu überhöhen hilft allerdings niemandem. Der wichtigste Lifehack wäre deshalb, das Wort Lifehack nicht mehr zu verwenden. MARTIN GROPP

          Herausforderung

          Im Sport hat eine Herausforderung etwas Motivierendes: Jeder weiß, dass der Kraftakt nicht im Spaziergang zu erledigen ist. Wenn er aber geschafft ist, kann das Erfolgserlebnis frische Kräfte freisetzen. Ganz anders im Berufsleben. Vorzugsweise in Chefetagen ist „Herausforderung“ die typische Floskel, mit der geschickt an den Sportsgeist der Mitarbeiter appelliert wird. Diese sollen die „vor uns liegenden Herausforderungen“ mit Bravour meistern. Wenn damit allerdings (wie so oft) eine Schieflage im Unternehmen gemeint ist, kann ein noch so guter Teamgeist zur Lösung nichts beitragen. Denn in Wahrheit geht es um Probleme, die durch langjährige Versäumnisse entstanden sind und so außerhalb des betrieblichen Einflusses liegen. Etwa wenn ein Produkt im Markt floppt, weil Konsumtrends verschlafen wurden oder die Konkurrenz härter ist als gedacht. Auch wenn der überfällige Konzernumbau oder ein finanzieller Notstand mit der Worthülse verharmlost wird, sollen Fehler des Managements kaschiert werden, die jedoch klar benannt werden müssten. Tipp für Schönredner: von Herausforderungen nur dann sprechen, wenn es für die Betroffenen auch Spielraum gibt, um sie zu meistern: Für viele Manager ist das aber die echte Herausforderung. ULRICH FRIESE

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