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Liebe im Büro : Bis dass der Job euch scheidet

Bild: F.A.Z.-Cyprian Koscielniak

Wenn Paare im selben Unternehmen arbeiten, kann das die Motivation fördern. Wer jedoch die entstehenden Schwierigkeiten verdrängt, schadet im Zweifelsfall nicht nur dem Unternehmen, sondern auch der eigenen Karriere.

          6 Min.

          Es schien wie die perfekte Lösung. Gleich nach dem Ende seiner Ausbildung bekam das Theologenehepaar eine der begehrten Pastorenstellen angeboten. Sie übernahmen zusammen die Kirchengemeinde, in der die Frau schon ihr Vikariat absolviert hatte. Beide wollten halbtags arbeiten, die Aufgaben unter sich aufteilen und auch noch genug Zeit füreinander haben - zumindest hatten sie sich das so vorgestellt. Doch das Gemeindeleben wollte sich nicht so recht in den Plan der beiden fügen: Während sich die Pastorin vor Arbeit kaum retten konnte, weil die Kirchgänger von ihr verheiratet und getröstet werden wollten, war ihr Ehemann weniger gefragt. Seine Frau hetzte von Termin zu Termin, während er sich immer mehr als Versager fühlte. Nach einem Jahr hielt er es nicht mehr aus und reichte die Scheidung ein. Die Rivalität am gemeinsamen Arbeitsplatz hatte die Beziehung zerstört.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Berliner Psychotherapeutin Astrid Schreyögg hat schon viele Paare beraten, bei denen sich Berufs- und Privatleben irgendwann so unglücklich ineinander verflochten hatten, dass sie den Knoten nicht mehr alleine lösen konnten: "Ich würde von Beziehungen innerhalb eines Unternehmens immer abraten", lautet ihr Urteil nach jahrelanger Beratungstätigkeit - zumindest wenn die Partner auch wirklich zusammen arbeiten. 24 Stunden miteinander zu verbringen mag für Frischverliebte eine Traumvorstellung sein. In der Realität empfinden es viele jedoch bald als Albtraum, wenn sie nur noch als Paar und nicht mehr als Individuum wahrgenommen werden. Die erzwungene Zweisamkeit raubt dem Einzelnen irgendwann die Luft zum Atmen, vor allem, wenn nicht nur Arbeit, sondern auch Verantwortung geteilt wird.

          Rolle der Frau wird bagatellisiert

          „Paare, die zusammen ein Unternehmen führen, empfinden ihre Situation häufig wie ein Gefängnis“, sagt Schreyögg. Zu den Konflikten, die sich innerhalb einer Beziehung ergeben, gesellen sich auch noch die Probleme, die das Umfeld an das Paar heranträgt. "Es gibt immer Verdächtigungen aus dem Kollegenkreis", glaubt Schreyögg. Die Vermischung von Arbeit und Liebe wirke sich besonders auf die Frau negativ aus, die auch heute noch meistens in der schwächeren Position sei. Besonders kompliziert sei der Fall, wenn die Beziehung Hierarchieebenen überbrücke. "Gerade in Familienunternehmen wird die Rolle der Ehefrau dann bagatellisiert, sie hat keine Funktion, aber ihre Mitarbeit wird als selbstverständlich vorausgesetzt", sagt die Therapeutin.

          In einem großen Unternehmen gerät die Freundin des Chefs hingegen schnell zwischen die Fronten: Die anderen Vorgesetzten mutmaßen, dass ihr verliebter Kollege den Mund nicht halten kann und Betriebsgeheimnisse ausplaudert, die nicht für die unteren Etagen bestimmt sind. Aber auch auf der eigenen Hierarchieebene wird die Frau isoliert. "Wer mit dem Chef ins Bett geht, wird gemieden, weil ihre Kollegen glauben, dass sie alles weiterträgt", sagt Schreyögg. Die Nähe zum Chef macht die Frau zum Außenseiter. Von den Unternehmen ist nach Ansicht von Schreyögg auch nicht allzu viel Hilfe zu erwarten, da diese Konflikte meist verdrängt würden. Sie bringt die Schwierigkeiten der Paare auf eine einfache Formel: "Die Arbeitswelt ist rational organisiert und eine Liebesbeziehung emotional. Das passt nicht zusammen."

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