https://www.faz.net/-gyl-7n424

Offene Lehrstellen : Azubi-Lücke versetzt Regierung in Unruhe

  • Aktualisiert am

Auszubildende werden zunehmend rar. Bild: dapd

Die Regierung warnt, dass es immer schwerer wird, Lehrstellen zu besetzen. Schon jetzt gebe es eine Azubi-Lücke. Sogar in Maßnahmen für schwer vermittelbare Kandidaten werden schon weniger Jugendliche geparkt.

          1 Min.

          Schon länger schwelt in Deutschland die Debatte über eine möglicherweise zu starke Akademisierung. Wirtschafts- und Industrieverbände beklagen, immer mehr junge Leute würden lieber studieren, statt eine Ausbildung zu machen. Gleichzeitig gingen auch durch die demographische Entwicklung die Lehrstellenbewerber verloren. Die Bundesregierung stimmt nun in diesen Tenor ein: Sie erwartet einem Medienbericht zufolge, dass die deutsche Wirtschaft zunehmend Probleme bei der Besetzung ihrer Lehrstellen bekommen wird.

          Es werde „grundsätzlich schwieriger, das betriebliche Angebot und die Nachfrage der Jugendlichen zusammenzuführen“, und zwar „nach Berufen, regional und anforderungsspezifisch“, heißt es nach Angaben der „Bild“-Zeitung (Freitagsausgabe) in einem Schreiben von Bildungsstaatssekretär Stefan Müller (CSU) an die Linken-Bundestagsabgeordnete Rosemarie Hein. Im vergangenen Jahr konnten demnach 33.534 Lehrstellen bundesweit nicht besetzt werden. Das sei ein neuer Höchststand gewesen.

          Neue Nahrung erhält die Debatte auch durch eine weitere Meldung zum Arbeitsmarkt für junge Menschen: Im Jahr 2013 gab es weniger Teilnehmer an so genannten Bildungsprogrammen im Übergangsbereich als im Vorjahr. Das heißt: Weniger Jugendliche waren in Maßnahmen geparkt, weil sie keine Lehrstelle fanden. In solchen Maßnahmen erwerben junge Menschen üblicherweise Grundkenntnisse etwa in Mathematik oder handwerklichen Fertigkeiten oder holen den Haupt- oder Realschulabschluss nach.

          Die stärksten Rückgänge im Übergangsbereich verbuchten die so genannten Einstiegsqualifizierungen (minus 9,2 Prozent) und die berufsvorbereitenden Bildungsgänge der Bundesagentur für Arbeit (minus 7,4 Prozent), wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das passt ins Gesamtbild: Wenn es insgesamt schwieriger wird, Lehrstellen zu besetzen, liegt es nahe, dass weniger Jugendliche in Übergangsmaßnahmen verweilen müssen.

          Eine berufliche Ausbildung haben im Jahr 2013 insgesamt rund 718.500 Personen begonnen. Das waren 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Während die Zahl der Ausbildungsanfänger im dualen System um 1,6 Prozent zurückging, nahmen 1,5 Prozent mehr junge Menschen eine schulische Ausbildung in Berufen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens auf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Panne bei CDU-Parteitag : „Das Mikro stand auf Grün“

          Hans-Werner Adams war der heimliche Star des CDU-Parteitags – obwohl er gar nichts gesagt hat. Im Interview spricht der CDU-Delegierte über Probleme mit der Technik, Fassbier – und seine Meinung zum Ausgang der Wahl zum Vorsitzenden.

          Nach Niederlage : Merz will Wirtschaftsminister werden

          Die Wahl um den CDU-Parteivorsitz hat Friedrich Merz verloren. Dem Sieger Armin Laschet hat er nun angeboten, als Wirtschaftsminister in die Bundesregierung einzutreten – und zwar in die jetzige. Die Kanzlerin will ihr Kabinett allerdings nicht umbilden.
          Der Feind, gegen den neue Verdachtstheorien in Politik und Gesellschaft immer militanter agitieren, ohne ihn erkennen zu wollen, ist die Komplexität der Lage selbst.

          Verdachtstheorien : Das Komplott war die Geschichte selbst

          Schon in den sechziger Jahren riefen die politischen Ereignisse bei vielen Zeitgenossen tiefes Misstrauen hervor. Was verrät die Konjunktur von Verschwörungstheorien über die geistige Situation der Zeit?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.