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Arbeiten an Sehnsuchtsorten : Mit dem Ranger am Wattenmeer

Anfang Juli ist noch Platz: In den Ferienmonaten ist hier deutlich mehr los. Bild: Benjamin Fischer

Jochen Runar kümmert sich um den Schutz der Natur auf Langeoog. Dafür muss er den Leuten auch mal erklären, warum Igel umgesiedelt und Katzen abgeschossen werden.

          5 Min.

          Der inseltypische Westwind bläst stramm an diesem Juli-Tag, sehr zur Freude der Radler, die sich gern etwas anschieben lassen. Der eine oder andere dürfte die Schattenseite dieser netten Annehmlichkeit aber wohl schon erahnen. „Zurück werden da einige schieben müssen“, sagt Jochen Runar. Das muss man einkalkulieren auf Langeoog. Wer nicht zu Fuß gehen will, fährt Rad. Autos mit Verbrennungsmotor sind auf der ostfriesischen Insel seit Jahrzehnten tabu. Eine Ausnahme wird nur für Feuerwehr, Rettungsdienst und den einen Landwirt mit seinem Traktor gemacht. Post, Getränke und Touristengepäck zuckeln in kleinen E-Autos durch die Straßen.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Elektrische Unterstützung hat auch Runar – er fährt mit dem E-Bike über die Insel. Sein Beruf macht es nötig, denn der 59 Jahre alte Kieler ist der Naturpark-Ranger auf Langeoog, und Tag für Tag steht die Gebietskontrolle an. Zwar ist Langeoog nur knapp 20 Quadratkilometer groß und 11 Kilometer lang, doch mit Ausrüstung beladen täglich gegen den Wind anzustrampeln wäre ein ziemlicher Akt. „Da geht ja der halbe Arbeitstag drauf, wenn ich an die andere Inselseite muss“, sagt Runar. Heute steht die „Tour mit dem Ranger“ an. Die rund zwei Stunden langen Fahrradführungen seien ein Wunsch der Gemeinde gewesen, den er gern erfülle, sagt Runar. Aber mehr als einmal in der Woche schaffe er das nicht. „Feste Termine sind in meinem Beruf immer schwierig.“ Die Natur interessiert sich nicht für Terminkalender oder geregelte Arbeitszeiten.

          Gut 20 Inselgäste haben sich mittlerweile um ihn versammelt – Jung und Alt, ein bunter Mix, auch ein Hund ist dabei. Einem Mann fällt sofort auf, dass Runar keinen Ranger-Hut trägt. Mit seinem Pferdeschwanz, einem markanten Ankerohrring und dem schweren Fernglas um den Hals ist ihm sein Beruf aber auch so anzusehen.

          10 bis 12 Millionen „Gastvögel“

          Es geht gen Osten, weg vom Insel-Örtchen, raus in die Natur, zu den Dünen und Salzwiesen, die gerade von der aufkommenden Flut erobert werden. Bevor die Gruppe startet, erklärt Runar seinen Zuhörern, dass ihr Urlaubsort mehr Bewohner hat, als sie vielleicht annehmen. Seit zehn Jahren ist das Wattenmeer Unesco-Weltnaturerbe; schließlich ist es Heimat einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt; schätzungsweise 10.000 Arten leben hier. Zweimal im Jahr wird es noch deutlich voller, wenn die 10 bis 12 Millionen „Gastvögel“, wie Runar sie nennt, auf ihrem Weg von oder zu den Brutgebieten im hohen Norden zum Kraft tanken Langeoog anfliegen.

          Ranger Jochen Runar (59) in seinem Büro im Vogelwärterhaus im Osten der Insel

          Jochen Runar lebt seit September 2015 auf der Insel. Er hat Forstwissenschaften studiert und später noch eine Lehre zum Landschaftsgärtner absolviert. Vogelbeobachtung – ein zentraler Teil seiner Ranger-Tätigkeit – war schon in der Jugend sein Hobby. Zunächst arbeitete er aber lange in einer Einrichtung der Diakonie und erledigte Gartenarbeit mit psychisch Erkrankten. „Die Arbeit habe ich gern gemacht, aber sie ist auf ihre Art schon sehr anstrengend mit der Zeit“, sagt er. Einmal hatte er es mit einer Initiativbewerbung auf eine Ranger-Stelle versucht, doch die Posten sind knapp und die Nachfolge meist weit im Voraus geregelt. Mit zunehmendem Alter war das Thema Ranger für ihn daher eigentlich schon erledigt. Als im Nationalpark Wattenmeer dann sechs neue Stellen geschaffen wurden, witterte er unverhofft doch noch seine Chance und erhielt den Posten.

          Langeoog gehört seit 1986 zum Nationalpark. Anfangs seien die Insulaner darüber nicht gerade begeistert gewesen, so Runar. Das komme oft vor, meist störe es die Leute, durch neue Schutzzonen nicht mehr überall entlanggehen zu dürfen. Einige hatten auch die Sorge, der Tourismus könne leiden. „Inzwischen haben die Leute verstanden, dass das Gegenteil der Fall ist.“ Die Feriengäste schätzen und suchen die unberührte Natur, Jochen Runar soll sie schützen. Eine Win-win-Situation. Langeoog gilt heute als beschauliche, ruhige Insel, ohne dass es einem hier nach zwei, drei Tagen langweilig werden muss. Party-Freunde zieht es freilich eher nach Norderney.

          Igel und Katzen gefährden Vögel

          Der erste Stopp der Ranger-Tour ist ein kleiner Tümpel, gut 30 Meter vom Weg entfernt. Durch sein Spektiv zeigt Runar den Touristen einen reihergroßen weißen Vogel – einen Löffler. „Seit 2008 haben wir wieder eine Population auf der Insel“, sagt der Ranger mit Stolz in der Stimme. In Europa sei die Art nur noch in wenigen Gegenden zu Hause, doch hier im Watt dehne sie sich langsam weiter aus. Fast noch mehr interessieren seine Gäste aber zwei Übeltäter, die auf der Insel eigentlich nicht vorkommen und Runar einiges an Ärger machen.

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