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Lage am Ausbildungsmarkt : Junge Menschen werden lieber Tierpfleger als Metzger

„Die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen kennt in den letzten Jahren nur eine Richtung: nach oben“, sagt Hauptgeschäftsführerin Stefanie Sabet. „Umso besorgniserregender ist der anhaltende Rückgang bei den Auszubildenden.“ Deren Zahl sank um rund 3 Prozent, was die Betriebe „vor gewaltige Herausforderungen stellt“, wie Sabet warnt.

Nicht immer ist die Kluft zwischen Berufswünschen und Bedarf so tief wie im Umgang mit Tieren. Es gibt sie aber auch in Berufen, die einander vermeintlich weniger fremd sind, wie die Statistik der Arbeitsagentur zeigt. Beispielsweise waren Ende Juli im Bereich Holzbearbeitung – darunter Schreiner und Tischler – für 3200 Bewerber weniger als 2100 unbesetzte Lehrstellen übrig.

Mehr Geld in Mangelberufen

Im Berufsfeld Metallbearbeitung standen dagegen gleichzeitig knapp 1200 Bewerbern noch fast 2500 offene Lehrstellen gegenüber. Allerdings können Bewerber und Betriebe selbst unter diesen Umständen noch das Problem haben, dass sie sich an weit voneinander entfernten Orten befinden.

Vertreter betroffener Branchen und Betriebe buhlen durch Werbung, höhere Ausbildungsvergütungen und Zusatzleistungen um die Gunst der Bewerber. Auswertungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigen, dass die Vergütungen in den Mangelberufen seit einigen Jahren besonders kräftig steigen – wenn auch teilweise von einem vergleichsweise niedrigen Ausgangsniveau.

Während es im Durchschnitt aller Ausbildungsberufe im vergangenen Jahr ein Plus von 3,7 Prozent verzeichnete, ermittelte es im westdeutschen Fleischerhandwerk eine Steigerung um 5,2 Prozent auf 823 Euro; für das ostdeutsche Fleischerhandwerk gab es laut BIBB keine belastbar auswertbaren Daten. Die Vergütungen für angehende Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk wurden demnach indes in Ost und West um rund 6 Prozent erhöht.

Hilft die Mindestvergütung?

Daneben bemüht sich die Bundesagentur für Arbeit, durch Information zu einer Annäherung von Berufswünschen an den Bedarf beizutragen. Für Nordrhein-Westfalen hat sie dazu gerade ihren „Ausbildungsatlas 2019“ vorgelegt. Dieser zeigt für alle einschlägigen Berufe auf, wie sich dort jeweils die regionalen Knappheitverhältnisse aus Sicht der Bewerber darstellen. Das Kartenbild bestätigt die Statistik: Für den Beruf des Tierpflegers ist das gesamte Land dunkelrot eingefärbt. Für Fleischer und Lebensmittelfachverkäufer, aber auch etwa für IT-Kaufleute, Tiefbauer und Restaurantfachkräfte ist das Land dagegen überwiegend dunkelblau, als Zeichen für starken Bewerbermangel.

Die Bundesregierung hofft indes, dass sie durch die jüngst beschlossene gesetzliche Mindestvergütung für Auszubildende bald mehr Jugendliche in die Mangelberufe lenken kann. Für den Ausbildungsjahrgang 2020 gilt erstmals eine Mindesthöhe von 515 Euro im ersten Lehrjahr; diese steigt dann bis 2023 schrittweise auf 620 Euro an. Für Lehrlinge im Prüfungsjahr werden dann bis zu 868 Euro als Mindestlohn vorgeschrieben sein.

Ein Blick auf das Friseurgewerbe legt allerdings nahe, dass die Vergütungshöhe die Berufswahl junger Menschen doch nur in begrenzten Maß beeinflusst. Laut BIBB lag die Durchschnittsvergütung für angehende Friseure 2018 im ersten Lehrjahr nur bei 498 Euro im Westen und 325 Euro im Osten. Der Friseurberuf ist aber trotzdem so beliebt, dass es dort auch für das neue Ausbildungsjahr insgesamt etwas mehr Bewerber gab als Lehrstellen.

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