https://www.faz.net/-gyl-9ede7

Kuriose Kollegen : Schrecklich schöne Schrullen

Vorsicht, Exzentriker! Schrulligkeit beherrschte „Stromberg“ in der gleichnamigen Fernsehserie und im zugehörigen Film bis zur Perfektion. Bild: Kai Schulz / Pro Sieben

Verschrobenheiten machen Menschen und Büros liebenswert. Wir haben mal gesammelt – ein kleines Kabinett der Kuriositäten.

          6 Min.

          Die Frau schert sich nicht um Moden, in keiner Hinsicht. Sie trägt manchmal wadenlange Karoröcke, die selbst Miss Marple verschmähen würde, und an anderen Tagen waffenscheinpflichtige Skinny-Jeans, ganz egal, welcher Besucher zur Besprechung angekündigt wurde. Sie sagt, was sie denkt, und sie denkt viel. Selbst dem Chef perlt der Schweiß, getrieben von der Angst, welche Diskussion die Unberechenbare jetzt wieder lostreten wird. Mit ihr zu konferieren ist ebenso aufregend wie anstrengend. Aber nach dem wilden Auftritt sind alle klüger. Und langweilig wird es mit ihr nie. Das verbindet sie mit Kollegen E. Selten meldet er sich zu Wort, meist hört er nur mit einem Ohr zu und liest sich durch Fachmagazine, während die anderen ausgewogen politisch korrekt debattieren. Alle Versuche, ihm das auszureden, ihm seine krude Unhöflichkeit zu spiegeln, sind gescheitert. Der Sturkopf schert sich nicht um das, was angesagt ist, schwäbelt, dass es kracht, duzt sich grundsätzlich mit niemandem, kritisiert den Chef, lobt ihn aber auch, ohne dass das ein Geschmäckle hat. Heimlich bewundern ihn viele für seinen unerschrockenen Eigensinn und ahnen, dass Nonkonformisten ihren Anteil an der Fortentwicklung einer Gesellschaft haben.

          Bloß nicht auf den Friseur hören!

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Denn den gemeinen Exzentriker interessiert es in der Regel wenig, was die anderen, die diffuse breite Masse, von ihnen denken. Das wissen wir seit Chauvi-Chef „Stromberg“, dessen Büro-Neurosen der Schauspieler Christoph Maria Herbst fünf Fernsehstaffeln lang quotenträchtig ausgelebt hat. Exzentriker sind wohltuend anders und grenzen sich ab. Sie erheben sich selbst zur Marke, aber – und das ist der entscheidende Unterschied – ohne das bewusst anzustreben. Der Mathe-Prof trägt die Haare halt lang, weil es ihm so gefällt, weil es ihm seit dem ersten Semester bequem ist und nicht, weil irgendein semi-seriöser Großstadtfriseur-Guru die Wallemähne für aufstrebende Stochastiker zum Trendschopf ausgerufen hat. Manche Ministerinnen haben einfach Freude an Leoprint, ohne dass ihre Stil-Lebens-und Imageberaterin ihnen verordnet hat, so zu internationalen Konferenzen zu stöckeln. Manche entdecken staunend ihren Marktwert, obwohl sie das Wort vorher nicht zur Kenntnis, geschweige denn ernst genommen haben. Warum wohl wird Oscar Wilde so häufig zitiert, wenngleich die meisten ihn nur durch seine Bonmots kennen dürften? Exzentriker erhellen dumpfe Durchschnittlichkeit. Das ist heutzutage ziemlich viel. An Exzentrikern, die ihre mal mehr, mal weniger schönen Schrullen im Arbeitsalltag ausleben, herrscht kein Mangel. Das zeigen Beobachtungen in der Arbeitswelt. Absurdistan ist überall. Wir haben uns umgehört.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Kaufen oder mieten? : Ehestreit ums Eigenheim

          Ob Betongold wirklich glücklich macht, entscheiden auch die eigenen Ansprüche. Wenn die bei einem Paar weit auseinanderklaffen, muss es genau abwägen, was Freiheit und Sicherheit wert sind.