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Künstliche Intelligenz : „Mehr Zeit für Kreativität“

Ein wahrscheinlicher Zukunftsberuf: Problemlöser für automatisierte Transitsysteme Bild: dpa

Welche Einstellungen haben junge Menschen zur Arbeit mit Künstlicher Intelligenz? Und welche Berufe könnten in Zukunft entstehen? Ein Gespräch.

          2 Min.

          Herr Preuß, Sie haben in einer Befragung die Einstellung junger Menschen zu Künstlicher Intelligenz im Beruf untersucht. Was ist dabei herausgekommen?

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Der Großteil war positiv eingestellt, nur 38 Prozent brachten das Thema Arbeitslosigkeit ins Spiel. Es gibt so einige Ideen, welche Berufe bestehen bleiben und welche neuen Berufe entstehen, aber auf der anderen Seite eben auch noch diese dritte Komponente: dass Jobs wegfallen. Und einige fragen sich natürlich: Was passiert dann mit den Menschen?

          Wen haben Sie genau befragt?

          Wir haben uns auf Befragte im Alter von 16 bis 30 Jahren beschränkt, weil sie in ihrem Leben voraussichtlich am meisten mit KI in Berührung kommen werden. Über das Marktforschungsinstitut Arlington hat Kaspersky vergangenen Februar 1000 junge Menschen erreicht, die Ergebnisse sind repräsentativ für Deutschland.

          Und die meisten sehen ihre berufliche Zukunft mit KI positiv?

          Ja. Etliche hoffen, dass die Arbeitslast, die auf ihnen liegt, weniger werden könnte, weil KI Standard- und Routineaufgaben übernimmt. Sie glauben, dass dadurch mehr Raum für Kreativität geschaffen wird. 54 Prozent, also eine klare Mehrheit, sagt, dass KI die Arbeitswelt revolutioniert und neue Jobprofile entstehen werden.

          KI-Fachmann Marco Preuß
          KI-Fachmann Marco Preuß : Bild: Kaspersky

          Komplett neue Berufe oder gemeinsame Arbeit von Mensch und KI?

          Sowohl als auch. Es gibt einige Berufsfelder, bei denen die meisten davon ausgehen, dass sie einfach weiter bestehen bleiben. Zum Beispiel die Pflege, wo es viel um Mensch-zu-Mensch-Kommunikation geht. Daneben wird es wohl eine Reihe von Berufen geben, die Hand in Hand mit KI gehen. Ein sehr schönes Beispiel, das mir dazu immer wieder einfällt, ist der Journalismus. Eine KI hat die Möglichkeit, in bestimmten Bereichen schnelle, zusammenfassende Berichte zu erstellen. Das schafft Zeit für die menschlichen Journalisten, ihre Kreativität etwa in Reportagen zu stecken und sich eben nicht mit diesen Standardsachen beschäftigen zu müssen, wie: Fußballverein A hat gegen Fußballverein B 3:0 gewonnen. Und dann werden auch noch komplett neue Berufsfelder entstehen.

          Zum Beispiel?

          Problemlöser für automatisierte Transitsysteme wäre zum Beispiel so ein Beruf. Also jemand, der automatisierte Systeme – etwa in Verkehrsnetzen, Transportsystemen oder in der Logistik – überwacht. Denn was KI nur in begrenztem Maß können wird, ist, sehr komplexe und neue Probleme zu lösen. Ein anderer neuer Beruf, dem junge Menschen großes Potential einräumen, ist der „Nostalgist“: jemand, der älteren oder dementen Menschen bekannte Umgebungen wiederherstellt, etwa mit Virtual Reality.

          Wie fit fühlt sich die junge Generation für neue Berufe mit KI?

          Wir haben ganz generell abgefragt, ob ein Einsatz von KI in der Zukunft eher als Wunschvorstellung oder als Horrorszenario gilt. Und da war das ganz klare Ergebnis, dass sich 43 Prozent ein besseres Leben durch KI vorstellen können, 42 Prozent standen dem eher neutral gegenüber, 8 Prozent sagten, sie wüssten es nicht, und nur 7 Prozent halten es für ein Horrorszenario.

          Das war vor Corona. Und jetzt?

          Was Corona ändern könnte, ist schwer einzuschätzen, weil wir uns ja noch ganz in dieser Situation befinden. Es herrscht generell eine sehr hohe Unsicherheit, und die Prognosen, wann die Wirtschaft wieder auf Normalniveau sein wird, verschieben sich immer weiter nach hinten.

          Aber einen klaren Digitalisierungsschub gibt es doch so oder so.

          Digitalisierung und KI muss man aber klar unterscheiden. Was wir im Moment sehen, ist, dass wir aufgrund der reduzierten physischen Kontakte auf digitale Möglichkeiten zurückgreifen. KI ist aber ein anderer Punkt. Da geht es darum, bestimmte Arbeiten autonom durchzuführen. Durch die derzeitige Digitalisierung wird erst mal das Fundament gelegt, um KI überhaupt irgendwann mal zu ermöglichen. Dadurch, dass einige Berufsgruppen bezüglich Jobsicherheit derzeit eher ängstlich sind, gibt es nicht automatisch eine größere Offenheit gegenüber KI. Im Gegenteil: Es gibt auch einige Leute, gerade unter den Älteren, die sehen ihren Arbeitsplatz jetzt gleich doppelt bedroht: durch Corona und durch KI.

          Marco Preuß ist Leiter des europäischen Forschungs- und Analyse-Teams beim russischen Internetunternehmen Kaspersky.

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