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Personalexpertin Elke Eller : „Künstliche Intelligenz in der Personalarbeit ist ein Hype“

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Nutzen Sie das auch bei TUI schon?

Nein, wir nutzen das noch nicht. Das liegt auch daran, dass wir eine große Bandbreite von Berufsbildern haben. Wir brauchen vom Reiseleiter in Thailand bis zum Blockchain-Experten in Großbritannien ganz unterschiedliche Profile. Mit unserem dezentralen Ansatz sind wir derzeit zufrieden.

Klingt nicht danach, dass KI das Geheimrezept für HR in allen Branchen ist. Trotzdem reden Personalmanager zurzeit über fast nichts anderes.

Stimmt, Künstliche Intelligenz in der Personalarbeit ist gerade ein Hype. Und wir müssen nun schauen, wie wir das für unsere Arbeit nutzen: Wie erleben die Mitarbeiter heute die Organisation, und was bedeutet das für uns als Personaler? Welchen Service erwartet ein Mitarbeiter von uns bei der Begleitung seiner Lebens- und Arbeitsplanung? Die Technologie wird uns die Routinetätigkeiten abnehmen, so dass wir uns auf unsere eigentlichen Kernaufgaben konzentrieren können.

Die bestehen ja oft darin, herauszufinden, was Bewerber und Mitarbeiter wollen. Was genau ist das im Moment?

 Die junge Generation sagt: Wir sind gut qualifiziert, wir haben eine gute Ausbildung, wir haben Ansprüche an unser Arbeitsleben: Sie wollen Sinnvolles tun. In meiner Generation war es Work-Life-Balance. Da ging es um die belastende Arbeit, die in der Freizeit kompensiert werden sollte. Das hat heute ausgedient. Die strikte Trennung zwischen Arbeit und Privatleben löst sich auf. Das will die heutige Generation nicht mehr. Sie will schon während der Arbeit „wirkliches Leben“ haben, sich entwickeln – und auch Spaß haben.

Wie reagieren die Arbeitgeber?

Wir sehen derzeit viele Ansätze, wie Unternehmen diesen Bedürfnissen begegnen. Der Weg, den wir bei der TUI jetzt zum Beispiel gehen, ist, dass wir dabei sind, Rahmenbedingungen für eine Ergebniskultur zu schaffen, also weg von der Präsenzkultur. In unserem Firmensitz in Hannover bauen wir derzeit in einem Pilotprojekt eine gesamte Abteilung um. Dort wird es keine Einzelbüros mehr geben, stattdessen mehr Raum für kreative Projektarbeit oder für individuelles Arbeiten. Das gesamte Raumkonzept wird neu ausgerichtet, damit sich die Mitarbeiter entsprechend ihrer jeweiligen Bedürfnisse die passende Arbeitsumgebung suchen können. So wird die neue Arbeitskultur erlebbar.

Betriebsräte sind nicht immer so begeistert von Flexibilisierung, Stichwort „Selbstausbeutung“. Sehnen sich viele Mitarbeiter insgeheim zurück nach geregelten acht Stunden?

Eine spannende Frage: Wie können wir heute überhaupt noch kollektive Vereinbarungen treffen? Für Arbeitsbedingungen, die durch Digitalisierung individualisiert werden. Ich glaube, dass das noch nicht abschließend gelöst ist. Bei der TUI haben wir vor kurzem mit dem Betriebsrat ein Zukunftspapier dazu erarbeitet. Das ist zwar bewusst keine handfeste Betriebsvereinbarung, sondern dient eher dazu, die gemeinsamen Ziele zu formulieren und ein gemeinsames Verständnis davon zu entwickeln, was „New Work“ für Tui eigentlich bedeuten soll.

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