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Konzern oder Mittelstand? : Verschiedene Wege zum Gipfel

  • -Aktualisiert am

Christian Unger ist Trainee im Autokonzern Daimler Bild: Claus Setzer

Wer richtig Karriere machen will, der fängt nach dem Studium in einem Konzern an. Doch es geht auch anders. Auch im Mittelstand kann man gut nach oben kommen. Ein Aufsteiger aus einem großen und einer aus einem kleineren Unternehmen.

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          Wäre sein Leben ein Film, dann liefe dieser mit viel Geschwindigkeit ab. Christian Unger ist ein Autonarr und gerade dabei, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Blaues Hemd, nachtschwarze Hose, die Schuhe auf Hochglanz poliert: der 27-Jährige strahlt vom Scheitel in 1,94 Meter Höhe bis zur Sohle Zufriedenheit aus. Seit zehn Monaten ist er Trainee im Nachwuchsprogramm „Career“ beim Stuttgarter Automobilkonzern Daimler. Die Entscheidungsträger suchen sich dafür nur Kandidaten aus, die eines Tages auch in einer Fach- oder Führungsposition eine gute Figur machen könnten. Eine Einladung zum Assessment-Center bekommt deshalb nur, wer praktische Erfahrung, einen überdurchschnittlich guten Hochschulabschluss und gute Nerven im Auswahlverfahren vorweisen kann. All das hat der Chemnitzer im Gepäck, als er sich gegen Ende seines Wirtschaftsingenieurstudiums für eine der begehrten Traineestellen bewirbt.

          Diesen Vorstoß hatte Christian Unger von langer Hand geplant. Bereits mit 24 Jahren klopft er bei Daimler als Praktikant an. Sechs Monate verbringt er im Bereich Anlauffabrik, Motoren und Logistik. „Spätestens jetzt war mir klar: Hier möchte ich unbedingt arbeiten“, sagt Unger. Wieder zurück in Chemnitz, schreibt er an der Technischen Universität am Lehrstuhl für Fabrikplanung seine Diplomarbeit und bewirbt sich anschließend nur für zwei Stellen. Beide Schreiben gehen an Daimler. Einen Plan B hat er nicht. Kurze Zeit später liegt die Einladung zum Assessment-Center im Briefkasten. Dort haben alle Kandidaten dasselbe Ziel: die Traineestelle „Anlaufplaner für neue Produkte bei Mercedes-Benz Cars“, Jahresgehalt 45.000 Euro brutto. Als Unger die Zusage bekommt, knallen in Chemnitz die Sektkorken. Überrascht sind seine Eltern aber nicht. Sie sind gewohnt, dass bei ihrem Sohn alles nach Plan läuft.

          Geschenkt kriegt Christian Unger in Stuttgart nichts: Zum gut einjährigen Programm gehören drei Projekteinsätze. Die Trainees sollen dabei möglichst viel über die Unternehmenskultur und die Arbeitsabläufe im Konzern erfahren. Eine Pflichtübung für den potentiellen Führungskräftenachwuchs bei Daimler ist der Einsatz am Fließband. Vier schweißtreibende Wochen inklusive Schichtarbeit hat Unger in lebhafter Erinnerung. „Das war körperlich und mental härter, als ich dachte“, sagt er. Im Konzern schwimmt er momentan noch mit als einer von vielen. Einen Eindruck, wie sich das Leben als Entscheidungsträger anfühlt, hat er aber schon bekommen: In Tuscaloosa in Alabama hat er drei Monate lang das Qualitätsmanagement für die ML- und GL-Klasse neu ausgerichtet. „Das Projekt ist mir wirklich sehr gut geglückt, da konnte ich viel Verantwortung übernehmen“, sagt Unger. Er entschied, welche Autos vorrangig überprüft werden. Außerdem plante er die Werkhalle, in der die Prüfaufträge umgesetzt werden sollen.

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