https://www.faz.net/-gyl-x8u5

Kontakte für den Aufstieg : Wo Frauen an ihrer Karriere stricken

  • -Aktualisiert am

Geschlossene Gesellschaft: In der Villa Bonn tagt das Netzwerk Zonta Bild: Claus Setzer

Frauen überlassen ihre Karriere immer seltener dem Zufall. Stattdessen knüpfen sie fleißig Netzwerke - nicht nur in Deutschland. Ratschläge, Kontakte, Weiterbildung: Davon können sie nur profitieren.

          4 Min.

          Es gibt wohl nur wenige Orte, die einst den Charme elitärer Männerbünde so sehr versprüht haben müssen wie die Villa Bonn im Frankfurter Edelviertel Westend. In dem altehrwürdigen Palais der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft geht es großbürgerlich zu: Dunkles Holz mit reicher Dekoration zeugt gleich in der gediegenen Eingangshalle von der feinen Gesellschaft. Über dem Kamin prangen in schwungvoller Schrift die Worte: "Wie der Brand sich entzündet am Brand/Wie die Glut zehrt von der Glut/So lernt der Mann vom Manne im Gespräch."

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es hat sich viel geändert seit den ersten Tagen der Villa Ende des neunzehnten Jahrhunderts: Inzwischen lernt auch die Frau von der Frau im Gespräch. Im konkreten Fall des Frauennetzwerkes Zonta an jedem zweiten Dienstag im Monat. Auch an diesem verregneten Abend haben sich wieder knapp 30 Damen aus den unterschiedlichsten akademischen Berufen zwischen 36 und 88 Jahren versammelt, die Atmosphäre ist freundschaftlich-entspannt. Während des Abendessens dreht sich das Tischgespräch um die vertrackte Situation nach der hessischen Landtagswahl. Eine spontane Versteigerung eines gespendeten Gestecks lässt die Geldscheine der Frauen für die Projektkasse durch die Luft flattern. Der anschließende Vortrag wird - durchaus nicht ungewöhnlich - von einem Herrn bestritten: Martin Apelt, Schauspieldirektor vom Staatstheater Darmstadt, zieht die Damen in seinen Bann.

          Das älteste Frauennetzwerk der Welt

          Zonta International ist das älteste Frauennetzwerk der Welt, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Status der Frauen zu verbessern. Bereits 1919 schlossen sich berufstätige Frauen in den Vereinigten Staaten zusammen, um ein Gegengewicht zu den eingeschworenen Männerbünden des Rotary-Clubs und des Lions-Clubs zu bilden. Die erste deutsche Zonta-Gruppe entstand 1931 in Hamburg. Mehr als 70 Jahre später gibt es in Deutschland 120 Clubs mit knapp 4000 Mitgliedern, weltweit ist Zonta in fast 70 Ländern vertreten. Der Name stammt aus der Sprache der Sioux-Indianer und bedeutet ehrenhaft zu handeln, vertrauenswürdig und integer zu sein. Soziales Engagement gehört genauso zu den Zielen wie der gepflegte Austausch im Gespräch.

          In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in der Arbeit so manches verändert, erzählt die 88 Jahre alte Margarete Kayser, die von ihren Clubfreundinnen nur anerkennend "die Kaiserin" genannt wird. Die ehemalige Bankdirektorin durfte 1968 der Gruppe beitreten - allerdings erst nachdem sie von einer Handelsbevollmächtigten zur Prokuristin der Frankfurter Hypothekenbank avancierte. Damals war der Kreis etwas kleiner, und es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass von jedem Beruf nur eine Vertreterin Mitglied werden konnte - um die Vielfalt zu wahren.

          Mehr als nur beruflicher Aufstieg

          Im Unterschied zu anderen Netzwerken zielt die Mitgliedschaft bei Zonta nicht in erster Linie auf den beruflichen Aufstieg ab. Doch schon allein durch die internationale Struktur können Frauen profitieren. Die 36 Jahre alte Rechtsanwältin Doreen Kirmse und Vizepräsidentin des Frankfurter Zonta-Clubs ist gerade erst aus Hongkong zurückgekehrt, wo sie beruflich mehrere Monate verbrachte. Dort fand sie durch den regionalen Zonta-Club sofort Anschluss an die Vizepräsidentin des Parlaments.

          Weitere Themen

          Der Streit ums letzte Wort

          Vertragsverletzungsverfahren : Der Streit ums letzte Wort

          Ein Jahr nach dem Karlsruher EZB-Urteil hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eröffnet. Es geht um die grundsätzlichste aller Fragen – und eine Lösung ist nicht in Sicht.

          Topmeldungen

          Schwieriges Terrain für die grüne Parteichefin: Annalena Baerbock am Freitag im Stahlwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt

          Besuch im Stahlwerk : Baerbocks Auswärtsspiel

          Ausgerechnet in einem Stahlwerk in Eisenhüttenstadt präsentiert die Kanzlerkandidatin der Grünen ihre Pläne für eine klimafreundliche Wirtschaftpolitik. Wie kommt das an?
          Die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry stellt am 18. Juni ihr neues Buch vor.

          Neues Buch : Frauke Petry rechnet mit der AfD ab

          Die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry meint, dass ihre frühere Partei einen langsamen Tod sterben werde. Gegen Jörg Meuthen und Alice Weidel erhebt sie in ihrem Buch „Requiem für die AfD“ schwere Vorwürfe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.