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Smalltalk im Zoom-Meeting : Stau auf der Datenautobahn

  • -Aktualisiert am

Ganz schön einsam, diese Zoom-Konferenzen! Bild: AFP

Dienstliche Meetings sind nur noch digital, kein Regenschauer während der Anreise, keine Straßensperrung, keine Bahnverspätung. Geht uns jetzt der Stoff für den Smalltalk aus? Die Kolumne „Nine to five“.

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          Früher, als man sich noch zu Konferenzen und Tagungen traf, brauchte es für den Gesprächsbeginn am Stehtisch gern mal den berühmten Eisbrecher. „Scheußliches Wetter heute, dieser Regen!“, sagte man dann. Oder: „Mal wieder viel zu warm für einen Novembertag!“ Alternativ zum Wetter eignete sich die Verkehrslage. „Hatten Sie auch so eine katastrophale Anreise? Streckensperrung bei der Bahn, da ging gar nichts mehr.“ Oder: „Die A3 ist mal wieder eine komplette Baustelle, furchtbar!“ Wer aus persönlicher Anschauung nichts beitragen konnte, der konnte immerhin aus den Radionachrichten schöpfen: „Ah ja, hab ich in den Verkehrsnachrichten gehört. 15 Kilometer zähflüssig. Übel!“

          In der digitalisierten Pandemie-Geschäftswelt ist solcher Smalltalk allerdings komplett fehl am Platze. Wen interessieren schon Regen, Nebel oder Hagelschauer, wenn er ohnehin warm und trocken am heimischen PC sitzt? Wer friert, dreht an der Heizung, ohne dass die Bürokollegen schimpfen, oder macht sich einen schönen heißen Kaffee an der gewohnten heimischen Maschine (damit ist leider noch ein weiteres Gesprächsthema weggefallen: Lästern über den Konferenzkaffee geht nun auch nicht mehr). Und das mit den Baustellen oder dem Ärger über die Bahn ist im Moment erst recht nicht mehr relevant. Mobilität ist megaout!

          „Ach, schrecklich, die Technik“

          Aber es ist ja nicht so, dass es keinen Smalltalk unter Zoom-Menschen gäbe. „Irgendwie streikt meine Kamera heute“, sagt ein schemenhaft gezeichnetes, weißes Männchen auf schwarzem Videokachelgrund. „Ach, schrecklich, die Technik“, seufzt es aus einem Bewegtbild auf der Kachel ganz oben rechts. „Heute früh hatte ich einen Vodafone-Komplettausfall. Erst dachte ich, der Router streikt, dann war ich auf ,Allestoerungen.de‘ und habe gemerkt, dass es am Netz lag.“ – „Ach, das war das heute morgen, danke für die Info“, meldet sich der Mitte-links-Kachelmann.

          Apropos Kachelmann: hier mal eine Idee für die Kolleginnen und Kollegen von Radio und Fernsehen: Wollt ihr nicht – statt Wetterbericht oder Verkehrsnachrichten – mal über eine Internetstauschau nachdenken dieser Tage? Wo läuft der Datenfluss, wo gibt es Störungen auf der Netzautobahn? Wo können wir ohne Rascheln und Rauschen skypen, teamsen oder zoomen? Es könnte doch einige Hörer dafür geben, bis der Impfstoff zugelassen und verteilt ist!

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren über die Kuriositäten des Alltags in der Arbeits- und Hochschulwelt.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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