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Kolumne : Mit Alexa hatte es sich so ergeben

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Zuerst erwog Ernst Körner, allen das Duzen zu verbieten. Seine Rede sollte heißen: „Wir sind hier nicht im Fitness-Studio“. Doch bald kamen ihm Zweifel. Die wöchentliche Kolumne: Wie war dein Tag, Schatz?

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          Wird erledigt, Herr Körner."

          "Ernst!"

          "Bitte?"

          "Wird erledigt, Ernst."

          "Ach so, na klar. ,Ernst'."

          Seine Assistentin Frau Gebhart - vielmehr Eva, Eva Gebhart - hatte es noch nicht so richtig verinnerlicht. Ernst Körner, wenn er ehrlich war, ja auch noch nicht. In seiner Abteilung duzten sich jetzt alle. Er hatte das so angeordnet, um die entstandenen Komplikationen auszuräumen. Bisher war er nur mit seiner Stellvertreterin, Alexa Wenzel, per du gewesen. Eigentlich war er kein Freund der Duzerei in der Arbeit, doch mit Alexa hatte es sich so ergeben. Genauer gesagt, sie hatte es ihm schon vor längerem angeboten. Er hätte es gerne ausgeschlagen, war aber nicht sicher, ob das in Ordnung gewesen wäre. Einerseits war er ihr Vorgesetzter, was dafür sprach, andererseits war sie eine Frau, und das, fand Körner, musste letztlich entscheidend sein, also nahm er an.

          Da Alexa gut aussah und auch einige Jahre jünger war als er, fühlte er sich überdies, und unabhängig von geschäftlichen Überlegungen, geschmeichelt. Er nahm deshalb mit einer gewissen Verbitterung zur Kenntnis, dass Alexa das Du jedem in der Abteilung anzubieten pflegte. Als er hörte, wie sie einem Praktikanten über den Flur "Gut gemacht, Stefan!" nachrief, und dieser "Danke, Alex!" erwiderte, war er allerdings platt. Nicht nur, dass dieser Neuling seine Chefin, die stellvertretende Abteilungsleiterin duzte, er gab ihr auch noch einen Spitznamen: "Alex!"

          Zuerst erwog er, allen das Duzen zu verbieten. Die Rede, die er im Geiste vorbereitete, hatte die Überschrift: "Wir sind hier nicht im Fitness-Studio". Doch bald kamen ihm Zweifel. Sie würden sich hinter seinem Rücken über ihn lustig machen und sich heimlich duzen, wenn er mit Verboten arbeitete. Nein, es blieb nur ein vernünftiger Ausweg: Ab jetzt hatten sich alle zu duzen, Chef eingeschlossen. Überschrift der Rede: "Hallo, ich bin Ernst". Nun gut, eine Rede wäre dann vielleicht doch zu förmlich, zu aufdringlich - ein bisschen übertrieben gewesen. Er entschloss sich, mit seiner Assistentin Frau Geb . . . - Eva Gebhart und mit Alexa darüber zu sprechen. Sie sollten es den anderen mitteilen, es herumerzählen. Und er würde einfach dazu übergehen, die Leute mit Vornamen anzusprechen. Der Rest würde sich dann von selbst ergeben, hatte sich schließlich bei Alexa - sollte er sie jetzt eigentlich auch Alex nennen? - von selbst ergeben.

          Einige Tage später begegnete er, als er zur Tür hereinkam, Stefan, dem Praktikanten. Jetzt war er wirklich neugierig. Wie würde der ihn nennen? Ernie, Körnie?

          "Tag, Stefan!"

          "Morgen, Herr Körner!"

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