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Messe „Zukunft Personal“ : Ein Minister, sechs Männer, ein Shitstorm

Bild des Anstoßes: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) inmitten sechs mittelalter Männer in dunklen Jacketts. Bild: Screenshot Twitter

In Köln treffen sich die Personalmanager zur Leitmesse und verkünden stolz die Gründung einer neuen Initiative zur Zukunft der Arbeit. Doch dann geht alles schief. Ein Messerundgang mit Twitter-Shitstorm.

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          So hatte sich das der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sicherlich nicht ausgemalt, als er sich dazu einladen ließ, die Messe „Zukunft Personal“ zu eröffnen, die dieses Jahr ihr 20. Jubiläum feiert. Er verkündete in seiner Rede am vergangenen Dienstag den Start der „Initiative Future of Work“, die Arbeitnehmer durch Weiterbildungen fit für die digitalisierte Arbeitswelt machen soll. Heil bezeichnete die Gestaltung der Arbeitswelt als „Gemeinschaftsaufgabe für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft“.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Aber ach! Ganz so gesamtgesellschaftlich kam das Gründungsfoto der Initiative nicht daher, das die Veranstalter der „Zukunft Personal“ wenig später auf Twitter veröffentlichten: Heil steht darauf inmitten von sechs mittelalten Männern in dunklen Jacketts.

          Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken folgten prompt:. „Ohne eine einzige Frau? Und diese Herren um die 50 werden wirklich die Zukunft der Arbeit (Future of Work) gestalten? Es bleibt spannend, verrückt und ein wenig peinlich, oder?!“, schrieb etwa die BWL-Professorin Anja Lüthy in ihrem Kommentar. Viele Nutzer und Nutzerinnen stimmten ihr zu.

          Nicht alles war gestrig auf der Personalmesse in Köln, auf der mehr als 770 Aussteller auf mehr als 40.000 Quadratmetern Fläche Neuheiten aus der Welt von Personalrekrutierung, Personalmanagement und Weiterbildung zeigten. Beinahe omnipräsent war die Digitalisierung, besonders im Start-up-Bereich.

          Da präsentierte zum Beispiel das ganz neu gegründete Unternehmen „sklls“ einen Chatbot für Berufsanfänger, der helfen soll, Fragen und Nöte in der ersten Zeit am neuen Arbeitsplatz zu bewältigen. Für die Idee gab es einen der auf der Messe verliehenen „HR Innovation Awards“.

          Preise gewannen im Start-up-Bereich auch „Job Ufo“, das eine Karriere-App anbietet, mit Hilfe derer sich Bewerber ihrem Unternehmen in einem kurzen Video- oder Audioclip vorstellen können und „Fuel 50“, ein Karriere-Plattform-Unternehmen, das mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) dabei helfen will, den Überblick über Karrierepfade zu behalten und Arbeitnehmer auf den bestmöglichen Stellen einzusetzen.

          Die Möglichkeiten, die mit KI einhergehen, wurden aber auch kritisch beleuchtet. Im Vortrag „Ist Ihre KI Sexistin?“ ging es beispielsweise um Algorithmen, die unbewusst Frauen diskriminieren, weil sie auf Daten beruhen, die aus Zeiten stammen, in denen deutlich weniger Frauen als Männer eingestellt wurden. „Wie kann man sicherstellen, dass eine KI nicht das Falsche lernt?“, fragte der Berater Matthias Orlowski auf der Bühne.

          Etwas gelernt haben jedenfalls die Messeveranstalter aus dem Twitter-Shitstorm rund um das männerlastige Foto mit Hubertus Heil. Am zweiten Veranstaltungstag schrieben sie auf Twitter: „Future of Work ist divers und vielfältig. Die Initiative teilt die Auffassung, dass dies auf dem Bild nicht sichtbar wird. Unsere Kolleginnen, die mitgearbeitet haben, sind nicht mit auf dem Bild. Wir haben gelernt und werden das ändern.“

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