https://www.faz.net/-gyl-vwlz

Klinik der Zukunft : Visite online

Futuristische Anmutung: die Radiologiekonferenz in Barmbeck Bild: Asklepios/Bertram Solcher

Starre Strukturen und lange Entscheidungs-wege verderben den Spaß an der Arbeit im Krankenhaus. In Barmbek wird vieles anders gemacht. Hier steht die "Klinik der Zukunft".

          4 Min.

          Blutwerte der Patienten? Auf dem tragbaren Computer. Röntgenbilder? Auf dem Computer. Vorerkrankungen, Medikamente samt Wechsel- und Nebenwirkungen, frühere Therapien? Alles auf dem Computer. Die neueste Fachliteratur? Am Patientenbett online abrufbar. Stapel mit Zetteln? Fehlanzeige. Im Hamburger Stadtteil Barmbek probt der Klinikkonzern Asklepios das Krankenhaus der Zukunft. Und das bedeutet vor allem: kein Papier, konsequenter Einsatz von Informationstechnologie, kurze Wege, schnelle Entscheidungen, Teamwork. Und es bedeutet auch relativ junge Chefärzte, die meisten etwa Mitte vierzig. Als das Krankenhaus vor rund zwei Jahren startete, ergab es sich, dass einige Chefs und leitende Ärzte aus dem aktiven Dienst ausschieden, "die meisten altersbedingt oder freiwillig, manche nicht ganz freiwillig", wie der kaufmännische Direktor Hans-Friedrich Günther ein wenig verschmitzt sagt. "Wir haben nicht nur eine neue Klinik mit einer optimalen Logistik und kurzen Wegen gebaut, sondern wir haben auch neue Strukturen geschaffen. Früher dachte doch jeder Chefarzt, er sei oben angekommen und unten sei das Fußvolk. Wir brauchen hier einen anderen Typ Doktor. Wir brauchen Leute, die unser Konzept mittragen, die Wissens- und Informationstransfer und Teamgeist leben. Die keinen Wert auf Fürstentümer legen."

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Siegbert Faiss ist so einer. Der Chefarzt der Gastroenterologie beginnt seinen Tag am Computer, wo er alle organisatorischen und medizinischen Daten einschließlich der dazugehörigen Bilder seiner Patienten auf einen Klick abrufen kann. "Ich brauche einen visuellen Eindruck. Früher musste ich mir immer aufwendig die Bilder zusammensuchen, jetzt habe ich sie per Knopfdruck auf dem Schirm", gibt er ein Beispiel für seine Arbeitsbedingungen. "In vielen Krankenhäusern läuft es doch so: Röntgenbild machen, auf den Stapel legen, Befund diktieren, auf den Stapel legen, Befund von der Sekretärin schreiben lassen, auf den Stapel legen, schriftlichen Befund vom Arzt kontrollieren lassen, auf den Stapel legen, mit dem Stapel auf die Station gehen und dort feststellen, dass irgendwas aus dem Stapel verlorengegangen ist."

          Röntgenaudnahme binnen einer Stunde abrufbar

          "Habe ich einen Stapel vergessen?", fragt Faiss mit einem ironischen Lächeln. Er und seine Kollegen aus der Radiologie hingegen müssen und wollen ohne Schreibkräfte auskommen. Die Ärzte sprechen ihren Befund in ein Diktiergerät mit Spracherkennung, das daraus einen Text im Computer erzeugt und diesen an das Röntgenbild hängt. "Binnen einer Stunde ist die Röntgenaufnahme samt Befund auf der Station online abrufbar", sagt Radiologie-Chefarzt Roland Brüning.

          Studium der Krankenakte
          Studium der Krankenakte : Bild: dpa

          Direktor Günther hat noch ein weiteres Beispiel parat: "Wir verbringen irsinnig viel Zeit mit der Suche nach irgendwas: nach Rollstühlen, mobilen Ultraschallgeräten, Infusionspumpen und was weiß ich noch allem. Die stehen immer irgendwo herum, und keiner weiß, wo. Das wollen wir demnächst abstellen, indem wir die Geräte mit elektronischen Etiketten (RFID) ausstatten. Dann kann man am Computer jederzeit feststellen, wo sich welches Gerät im Haus befindet."

          Weitere Themen

          Neue Zahl, neues Glück?

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.

          Topmeldungen

          
              Die Zeit am Rebstock ist vorbei:   Ein Erntehelfer erntet reife Trauben von einer Weinrebe.

          Neues Weingesetz : Krach im Weinberg

          Das neue Weingesetz ist beschlossen, der Streit unter den Winzern geht weiter. Die Genossenschaften treten aus dem Deutschen Weinbauverband aus. Es geht auch um die Frage: Was definiert die Qualität?

          Besuch in Flutgebieten : Laschet erlebt die Wut

          Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen besucht Orte, die hart von der Flut getroffen wurden. Da entlädt sich der Ärger von Betroffenen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.