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Kind und Karriere : Schnulleralarm in der Beratung

Kita, Kinderfrau oder Au-pair - für Betreuung ist gesorgt Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Exakt 18 Prozent betrug einer Umfrage zufolge im Jahr 2007 der durchschnittliche Frauenanteil in Beraterkreisen. Das soll sich ändern, haben McKinsey, BCG, Roland Berger und andere Beratungsgesellschaften beschlossen - und machen nun eifrig Familienpolitik.

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          Exakt 18 Prozent. Das ist die Zahl, die Unternehmensberatungen beschäftigt. So hoch - beziehungsweise so gering - war einer Umfrage zufolge im Jahr 2007 der durchschnittliche Frauenanteil in Beraterkreisen. 25 Prozent. Das ist die andere Zahl, die Unternehmensberatungen beschäftigt. So hoch soll der Frauenanteil 2010 sein. Das ist die Quintessenz einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU). Um das 25-Prozent-Ziel zu erreichen, tun die Berater einiges. In Sachen Familienpolitik stehen sie in ihrem Eifer Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in nichts nach.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Den Frauen und auch den Männern, die aus der Elternzeit zurückkommen, versprechen die Personalverantwortlichen vielerorts einen sanften Wiedereinstieg. Frischgebackene Eltern können etwa bei der Boston Consulting Group (BCG) die ersten sechs Monate nach dem Ende der Elternzeit ausschließlich Projekte am Heimatstandort machen. Auch Bain bietet an, Mitarbeiter auf Wunsch in internen Projekten, etwa Studien, einzusetzen, um weniger reisen zu müssen.

          Teilzeit ist gang und gäbe

          Teilzeitmodelle, lange Zeit verpönt, weil mit dem Beraterberuf angeblich nicht vereinbar, sind inzwischen ebenfalls gang und gäbe. „Bei uns nehmen zwischen 25 und 30 Prozent der Mitarbeiter in einem Jahr Teilzeit oder eine Auszeit“, sagt Stefan Eikelmann, Deutschland-Geschäftsführer von Booz & Company.

          Im Fall von Teilzeit erfolgt die Aufteilung in der Regel tageweise. „40 Prozent der regulären Arbeitszeit sollten es mindestens sein, aber eigentlich sind 60 bis 80 Prozent das übliche Pensum“, sagt Friederike Woermann-Seiger, selbst Projektmanagerin in Teilzeit bei Roland Berger. Die Vorgesetzten sind angehalten, dass Teilzeit einer Beförderung nicht im Wege stehen soll.

          Zurückhaltung bei den Betreuungsangeboten

          Was die Kinderbetreuung angeht, zeigen sich die Beratungsgesellschaften eher zurückhaltend. Ganze zwei subventionierte Krippenplätze gibt es etwa bei Roland Berger in München, für mehr gebe es aber auch keine Nachfrage, sagt Woermann-Seiger. „Wer eine Kinderfrau oder ein Au-pair hat, ist zeitlich einfach flexibler als mit einer Krippe.“ Von den großen Strategieberatungen bietet lediglich McKinsey an allen Standorten Krippenplätze an. Die übrigen beschränken sich darauf, die Vermittlungsgebühren für Dienstleister zu übernehmen, die eine Tagesmutter oder eine andere Betreuung für den Nachwuchs organisieren. Auch Notfall-Krippenplätze halten diese Dienstleister in der Regel bereit.

          Auszeiten sind in den Beratungsgesellschaften dagegen schon länger Standard. Wer einige Jahre dabei ist, kann relativ problemlos drei bis sechs Monate freinehmen, ob für eine Doktorarbeit, einen MBA oder eben für den Nachwuchs. Meist fließt ein Sockelbetrag des Gehalts weiter und damit auch die Sozialversicherungsbeiträge - vorausgesetzt, der Mitarbeiter hat genügend Stunden auf dem Arbeitszeitkonto angesammelt. Auch Dienstwagen dürfen häufig behalten werden. Booz bietet seinen Mitarbeitern zudem seit einiger Zeit die Möglichkeit, einzelne Tage Auszeit zu nehmen, etwa, wenn das Kind plötzlich krank wird. Das schont das Urlaubstagekonto - und die Nerven.

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