https://www.faz.net/-gyl-9tuiz

Johannes Höhne Bild: SAP

KI-Programmierer im Gespräch : Tüfteln bis zum Feierabend

Wer macht eigentlich die Künstliche Intelligenz so intelligent? Und wie ist es, in einem Beruf zu arbeiten, der als komplett „nerdig“ gilt? Johannes Höhne ist „Data Scientist“ und erzählt hier aus seinem Alltag.

          3 Min.

          Welche Ausbildung haben Sie gemacht, bevor Sie als KI-Programmierer zu SAP gekommen sind?

          Ich habe schon im Studium angefangen, mich mit Daten, Algorithmen und Datenanalyseverfahren zu beschäftigen. In Berlin und Sydney habe ich die Fachrichtungen Bioinformatik und Computational Neuroscience studiert. Das waren spezialisierte Studiengänge mit Bezug zu Informatik und Datenanalyse, aber auch zu Naturwissenschaften wie in dem Fall zu Biologie, Genetik oder auch zu den Hirnforschungen. Ich habe danach an der TU Berlin im Bereich Maschinelles Lernen, einem der Kernbereiche der Künstlichen Intelligenz, promoviert.

          Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Job?

          Vor allem die Vielseitigkeit und mein internationales Team finde ich gut. Wir nutzen die neusten Technologien, die zurzeit auf der Welt entwickelt werden, um echte Probleme zu lösen. Diese Aufgaben sind auf den ersten Blick gar nicht so einfach, daher müssen wir uns Strategien überlegen, wie wir sie mit den Daten, Algorithmen und den Technologien, die wir zur Verfügung haben, lösen können. Das ist sehr spannend.

          Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

          Wenn ich morgens ins Büro komme, setze ich mich normalerweise an den Computer, schreibe Programmcode und versuche, Algorithmen zu steuern und zu entwickeln. Anschließend starte ich Berechnungen und werte die Ergebnisse aus. Vor allem verbringe ich sehr viel Zeit damit, Visualisierungen zu erstellen, damit ich die Daten und die Probleme besser verstehe. So versuche ich, die Schwachstellen der bestehenden Lösung zu finden und zu verbessern. Das passiert auch häufig in Diskussionen mit anderen Kollegen. Wir sitzen dann vor dem Problem und versuchen gemeinsam, uns Strategien zu überlegen, wie wir die Aufgaben besser lösen können.

          In der Softwareentwicklung wird ja oft mit Pair-Programming gearbeitet. Zwei Entwickler sitzen dabei gemeinsam an einem Rechner und tüfteln Schulter an Schulter. Sie auch?

          Ich halte durchaus viel von dieser Methode, weil es Vorteile für die Genauigkeit hat – man macht automatisch weniger Fehler. Es dauert auch nicht unbedingt länger, weil nur einer programmiert und der andere zuschaut. Am Ende des Tages ist man fast genauso schnell, wie wenn beide programmieren. Unsere Aufgaben sind oft so, dass man sich daran entlanghangelt und viele kleine Schritte macht. Da ist es gut, sich mit anderen Leuten darüber auszutauschen.

          Müssen Sie zum Programmieren ins Büro fahren, oder können Sie das auch im Home-Office machen?

          Ich kann das auch zu Hause machen. Wir haben hier Vertrauensarbeitszeit und -ort, das heißt wir sind da sehr flexibel. Ich arbeite vor allem im Büro, da ich mich durch die soziale Interaktion produktiver fühle und auch gerne das soziale Umfeld im Büro nutze.

          Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?

          Ich sitze in Berlin-Mitte in einem Großraumbüro mit 20 bis 30 Leuten. Das ist ein Altbau mit hohen Decken, Backsteinwänden und ein bisschen Start-up-Flair. Wir haben hier sogar Kickertische.

          Was ist die größte Herausforderung an dem Job?

          Das Feld Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen entwickelt sich sehr schnell. Jeden Tag kommen neue Erkenntnisse und Technologien auf den Markt, mit denen man Probleme besser lösen kann als vorher. Es gibt mehrere Konferenzen weltweit, die zu dem Thema KI gehalten werden, bei denen man zusammenkommt und auf fachlicher Ebene diskutieren kann. Deswegen ist es durchaus wichtig, dass man da hinfährt, die Leute sieht und man sich innerhalb dieses wissenschaftlichen Umfelds versteht. Ich glaube, eine der großen Herausforderungen ist es, dass man die Zeit und die Muße haben muss, diese Schnelllebigkeit mitzumachen.

          Macht Ihnen das Spaß?

          Ja, durchaus. Es ist eine große Herausforderung, aber auch sehr vielfältig, weil man in einem kurzen Zeitraum viel Neues lernt. Wenn ich ein technisches Problem vor einem Jahr noch auf die eine Art gelöst habe, haben vielleicht Kollegen oder Wissenschaftler in der Zwischenzeit auch an dem Problem gearbeitet und eine neue Lösung entwickelt, die besser funktioniert.

          Programmierer sind gerade wahnsinnig gesucht, laut Bundesagentur für Arbeit waren 2018 fast 20 000 Stellen vakant. Deswegen greifen Unternehmen auch auf Headhunter und Karriereportale wie Xing oder LinkedIn zurück, um potentielle Bewerber zu erreichen. Wie oft haben Sie schon Abwerbeversuche bekommen?

          Ich habe schon einige Angebote bekommen, aber ich bin sehr glücklich in meinem Job. Ich arbeite in einem tollen Team und bekomme die Möglichkeit, an internationalen wissenschaftlichen Konferenzen teilzunehmen und eigene Beiträge zu publizieren. Ich war neulich auf einer Konferenz in Australien, die sehr relevant war für meinen Arbeitsbereich. Das ist eine sehr wichtige Komponente, die mir von meinem Arbeitgeber geboten wird und die ich auch wünsche. Es passiert durchaus, dass mich Headhunter anrufen und von ihren besonders tollen neuen Angeboten erzählen. Daneben bekomme ich aber auch viele Anfragen auf LinkedIn.

          Was ist das Coolste an Ihrem Job?

          Ich komme morgens häufig ins Büro und weiß noch nicht, wie ich ein Problem lösen kann. Abends gehe ich nach Hause und habe ein Problem gelöst – oder zumindest fast gelöst. Das ist einfach ein tolles Gefühl.

          Weitere Themen

          Die nächste Revolution

          Quantencomputer : Die nächste Revolution

          Quantencomputer können Verschlüsselungen knacken, neue Batterien entdecken und an Finanzmärkten Geld verdienen. Und das sind nur die Möglichkeiten, die bisher bekannt sind.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.