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Keine Lust auf eigene Praxis : Ärzte arbeiten gern in Teilzeit

  • -Aktualisiert am

Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten arbeiteten laut der Erhebung im Jahr 2016 im Durchschnitt 48 Wochenstunden. Bild: dpa

Angestellte Ärzte arbeiten deutlich weniger als niedergelassene und viele junge Mediziner wollen überhaupt keine eigene Praxis führen. Das könnte zum Problem werden.

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          Die Einkommen von Ärzten aus der Behandlung von Kassenpatienten sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die der Arbeitnehmer. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI). In den Jahren 2013 bis 2016 hätten die Überschüsse der Arztpraxen mit Kassenpatienten um durchschnittlich 5,3 Prozent jährlich zugelegt, heißt es darin. Der Zuwachs fiel damit um ein Drittel höher als die Entwicklung der Tariflöhne, die im gleichen Zeitraum im Jahresmittel um 4 Prozent wuchsen.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Bedeutung der gesetzlichen Krankenversicherung habe für die niedergelassenen Ärzte weiter zugenommen, die privat erbrachten Leistungen gingen entsprechend relativ zurück. Der Anteil der – über die Kassenärztlichen Vereinigungen – mit den Kassen abgerechneten Leistungen sei in dem Zeitraum von 74,1 Prozent im Jahr 2013 auf 75,8 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Die Überschüsse der Praxen legten laut ZI unter Berücksichtigung der Inflationsrate im Mittelwert und über alle Fachgebiete im Jahr 2016 auf 170.400 Euro zu. Aus dem Überschuss müssen die Ärzte noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge bezahlen.

          48 Wochenstunden Arbeit

          An dem „Praxispanel“ beteiligten sich 5,5 Prozent der knapp 100.000 deutschen Kassenarztpraxen. Demnach stiegen über den gesamten Zeitraum hinweg die – aus dem Überschuss herausgerechneten – Betriebskosten insgesamt um 9,9 Prozent. Größte Kostentreiber waren der Erhebung zufolge Personalaufwendungen (plus 18,4 Prozent) und Mietkosten (plus 3,8 Prozent). Sinkende Abschreibungsraten und höhere Wartungs- und Instandhaltungskosten deuteten auf eine längere Nutzung der Geräte hin.

          Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten arbeiteten laut der Erhebung im Jahr 2016 im Durchschnitt 48 Wochenstunden. Angestellte Ärzte arbeiteten deutlich weniger, im Schnitt rund 23 Wochenstunden. Etwa die Hälfte aller Angestellten hat dem ZI zufolge Arbeitsverträge von bis zu 20 Wochenstunden. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte, immer weniger junge Ärzte seien bereit, sich selbständig niederzulassen anstatt eine Anstellung zu suchen. „Je mehr Teilzeitmodelle zur Regel werden, umso stärker nimmt die zur ambulanten medizinischen Versorgung verfügbare ärztliche Arbeitszeit ab, dieser Verknappung muss energisch entgegengewirkt werden“, sagte Gassen.

          Die Niederlassung müsse gegenüber alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten für jüngere Ärztinnen und Ärzte wieder konkurrenzfähig werden. Denn altersbedingt würden in den nächsten Jahren viele niedergelassene Ärzte ihre Praxen aufgeben. Die Sicherstellung der ambulanten Versorgung werde nur gelingen, wenn die Praxen über ein solides ökonomisches Fundament verfügten. „Die Verdienstmöglichkeiten in der eigenen Praxis mit hohem wirtschaftlichem Risiko müssen mindestens genauso gut sein wie in der sicheren Anstellung in anderen medizinischen Versorgungsbereichen.“

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