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Erfolgreich Reden halten : So klappt’s auch mit dem Vortrag

Gedächtnis der Zuhörer ist begrenzt

Ob es um Krebsmedizin geht, um archäologische Funde, Psychologie oder höhere Mathematik: Wer Fachmann ist auf seinem Gebiet, weiß viel und kann sich von einzelnen Aspekten und Details oft nur schwer trennen. Doch ein roter Faden trage nicht unendlich viele Gedanken, warnt Ted-Veranstalter Chris Anderson. Sein Rat: „Versuchen Sie auf keinen Fall, Ihren Vortrag auf die vorgegebene Zeit zu trimmen, indem Sie alles hineinquetschen und ihn dann einfach zusammenkürzen.“ Lieber solle man die Zahl der Punkte reduzieren, die man machen will. „Damit sprechen Sie zwar über weniger, aber die Wirkung wird größer.“ Auch Berater Gerharz ist überzeugt, dass viele Vortragende sich nicht bewusst machen, wie schwer es für die Zuhörer ist, ihnen zu folgen – zumal wenn das Thema neu für sie ist. „Man muss sich bewusst sein, dass nach dem Vortrag niemand 30 Folien mit je sechs Stichpunkten wiedergeben kann.“

Schwank aus dem eigenen Leben

Die besten Vorträge sind die, in denen der Redner es schafft, eine Beziehung zu seinem Publikum aufzubauen. Das kann schon gelingen, indem Sie sich einen Moment Zeit nehmen und Blickkontakt zu einigen Zuhörern herstellen. Noch mehr Wirkung aber wird es haben, wenn Sie eine Geschichte erzählen, vielleicht sogar aus Ihrem eigenen Leben. Das wird nicht nur dazu führen, dass die Menschen Ihre Argumente besser behalten – Sie wirken auch überzeugender. Die Psychologin Eleanor Longden beispielsweise sprach einmal öffentlich darüber, wie sie während ihres Studiums plötzlich Stimmen im Kopf hörte und als schizophren diagnostiziert wurde. Die Menschen im Saal lernten so nicht nur viel über psychische Krankheiten. Longden ging es darum, dass sie ihre eigene Reaktion auf solche Erkrankungen überdenken. Nun muss es nicht immer gleich ganz so persönlich werden. Doch Fachleute sind überzeugt: Schon ein kleiner Schwank aus dem eigenen Leben kann Wunder bewirken.

Komik zum Einstieg als Eisbrecher

Wie man das Publikum zum Einschlafen bringt, noch bevor man richtig losgelegt hat, wusste Kurt Tucholsky schon im Jahr 1930. Damals veröffentlichte er unter einem Pseudonym einen Artikel mit der Überschrift „Ratschläge für einen schlechten Redner“. Sein Vorschlag für einen Einstieg:

„Meine Damen und meine Herren! Bevor ich zum Thema des heutigen Abends komme, lassen Sie mich Ihnen kurz ...“

Tucholskys Rat ist natürlich ironisch zu verstehen: Von genau solch einem ersten Satz will er abraten, und das aus gutem Grund. Ob die Leute neugierig werden und Lust haben, weiter zuzuhören, ob sie wegnicken oder ihr Smartphone zücken: All das entscheidet sich schon nach wenigen Sätzen. Ein Beispiel gefällig? Die amerikanische Komikerin Maysoon Zayid, die unter Bewegungsstörungen leidet, trat zitternd vor ihr Publikum und begann mit den Worten: „Ich bin nicht betrunken, aber der Arzt, der mich zur Welt gebracht hat, war betrunken.“ Die volle Aufmerksamkeit des ganzen Saals war ihr sofort sicher. Nun gilt auch hier: Solch ein Auftritt verlangt Mut und bietet sich ohnehin nicht immer an. Doch Sie sollten sich bewusst sein, dass Sie nur eine Chance haben, Ihre Zuhörer zu packen – und sei es durch eine interessante These, eine ungewöhnliche Frage oder ein spektakuläres Bild.

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