https://www.faz.net/-gyl-12es0

Karrieresprung : Zwischen Herz und Kommerz

  • -Aktualisiert am

Karrieresprung - bei FAZ.NET Bild:

Für eine Karriere in Umwelt- oder Hilfsorganisationen reicht die tiefe Überzeugung für die Sache längst nicht mehr aus. Längst sind auf dem Arbeitsmarkt in diesem Bereich Vollprofis gesucht. „NGO-Management“ kann man inzwischen sogar studieren. Aber wie sind die Chancen?

          4 Min.

          Wer bei Greenpeace anheuern will, sucht mehr als nur einen Job. Umweltzerstörung verhindern, Verhaltensweisen ändern, Lösungen durchsetzen - die Identifikation mit den Zielen der Umweltorganisation ist hoch bei den Bewerbern. „Wer sich hier bewirbt, tut dies aus tiefer Überzeugung. Es ist eine bewusste Entscheidung“, weiß Ingrid Meyer, Personalleiterin der internationalen Umweltorganisation. Doch die Zeiten, wo Engagement, Herz und Idealismus alles war und fachliche Qualifikationen nur eine untergeordnete Rolle spielten, sind längst vorbei. „Wir haben klar definierte Anforderungsprofile“, sagt Meyer.

          Was für Greenpeace gilt, ist auch bei anderen Organisationen längst Gang und Gäbe: Der Erfolgs- und Wettbewerbsdruck der Umwelt- und Hilfsorganisationen ist hoch, die Erwartungen der Spender und Unterstützer in punkto Effizienz und Transparenz sind enorm gestiegen. Der emphatische Entwicklungshelfer von einst ist dem ziel- und strategieorientierten Veränderungsmanager gewichen, der Wirtschaftsreformprogramme vorbereitet oder Bildungsreformen evaluiert und koordiniert.

          „Absolute Professionalität“

          „Idealismus und Engagement stehen zwar im Vordergrund, aber sie müssen gepaart sein mit absoluter Professionalität. Ansonsten ist das Risiko des Scheiterns viel zu hoch“, sagt Annette Ptassek, Personalleiterin der Welthungerhilfe. Das Bild des „Moralunternehmens“, in dem professionelles Know-how und strategisches und wirtschaftliches Denken unter ferner liefen rangieren, sei längst überholt.

          „Der Trend zur Professionalisierung und an bestimmten Stellen auch zur Akademisierung ist sehr hoch. Quereinsteiger haben kaum noch eine Chance,“ bestätigt Thomas Vierus, Personalleiter von World Vision. Die Professionalisierung und zunehmende Ausdifferenzierung veränderte freilich auch die Unternehmenskultur. Beispielsweise sind die Zeiten des „jeder kennt jeden“ zumindest bei World Vision vorbei, deren Mitarbeiterzahl sich in den letzten zehn Jahren von rund vierzig auf mehr als 130 Mitarbeiter mehr als verdoppelt hat. „Das wird nicht als angenehm wahrgenommen“, sagt Vierus. Die größte Herausforderung sei jedoch systemischer Natur, respektive die Frage, wo die Grenzen zwischen „Herz und Kommerz“ überschritten werden. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Es wäre fatal, wenn wir nur noch den kühlen Administrator hätten“, benennt Vierus das Problem.

          Arbeiten in Sinnstrukturen

          Ob dem Zeitgeist geschuldet oder aus Überzeugung: Nicht nur bei akademischen Nachwuchskräften steht das „Arbeiten in Sinnstrukturen“ mittlerweile hoch im Kurs. Trotz in der Regel geringerer Gehälter hat sich das Spektrum der Bewerber, die bei Nicht-Regierungs- und Non-Profit-Organisationen an Bord gehen wollen, in den letzten Jahren deutlich erweitert. Im Bewerberpool finden sich Business-School-Absolventen in den Dreißigern ebenso wie Industriemanager, die ihren 40. Geburtstag längst hinter sich haben. Selbst die „Bad Guys“ dieser Tage gehören dazu. „Inzwischen bewerben sich auch Investmentbanker, die entdecken, dass es noch etwas anderes gibt“, sagt Vierus.

          Dem gestiegenen Interesse auf Bewerberseite steht ein großes Desinteresse von Seiten der Statistiker gegenüber: Aktuelle Zahlen darüber, wie groß der Arbeitsmarkt im Non-Profit-Sektor tatsächlich ist, fehlen. Was es gibt, sind Schätzwerte. Diesen zufolge existieren derzeit 600.000 gemeinnützige Organisationen, in denen über drei Millionen Menschen tätig sind, davon rund 200.000 in Führungspositionen.

          Weitere Themen

          Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Studie : Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Die Gehälter der Chefs der 30 größten Konzerne in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 2 Prozent gesunken. Das betrifft allerdings nur die gewährten und nicht die ausgezahlten Gehälter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.