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Karrieren von Heimkindern : Ganz ohne Helikopter-Eltern

Niemand da zum Behüten: Ohne Eltern ist der Studien- und Berufsstart heute schwer. Bild: Nina Hewelt

Niemand bürgt für die Studentenbude, keiner geht zum Elternabend und niemand zahlt das Repetitorium. Wer im Heim aufwächst, hat selten Helfer bei Abi, Studium und Bewerbung. Geschichten über einen schwierigen Karrierestart.

          8 Min.

          An den Wänden von Lucie Grengels Zimmers hängen bunte Poster. Eines zeigt eine Szene aus dem Computerspiel „Minecraft“ ein anderes die Helden aus der Fernsehserie „The Big Bang Theory“; ein selbstgemaltes Papp-Plakat listet die Endungen spanischer Verben bei der Konjugation. Lucie ist 18 Jahre alt und macht Ende des Schuljahrs Abitur. In Informatik tut sie sich leicht, mit Sprachen eher schwer. In ihrer Freizeit schaut sie gerne Fantasy-Filme oder spielt Fußball als Torfrau in ihrem Dorfclub. Sie träumt vom Führerschein und vom Studieren.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Klingt nach einem ganz normalen Teenagerin. Und doch wird Lucie es schwerer als andere haben bei ihrem Start an der Uni und ins Erwachsenenleben. Denn derzeit lebt sie in einer Jugendhilfeeinrichtung in der Nähe von Stuttgart, zusammen mit neun anderen Jugendlichen. Sie alle haben entweder gar keine Eltern, oder das Jugendamt hat entschieden, dass es besser für sie ist, wenn sie nicht in ihrem Elternhaus aufwachsen, weil ihre Eltern entweder (sucht)krank, gewalttätig oder anderweitig mit der Kindererziehung überfordert sind. So war es auch bei Lucie, die mit 15 Jahren ins Heim kam, besser gesagt: in eine Wohngruppe - eine Art große, betreute WG, wie sie heute in der stationären Jugendhilfe Standard ist. Seither hat sie nur noch ganz sporadisch Kontakt zu ihren Eltern.

          Mit ihrem Wunsch, Abitur zu machen und studieren zu gehen, ist Lucie eine der großen Ausnahmen in der Jugendhilfe, weiß Katharina Mangold, die an der Universität Hildesheim über die Bildungswege und Karrieren ehemaliger Heimkinder forscht. Etwa 60.000 Kinder und Jugendliche wüchsen hierzulande in Heimen und Wohngruppen auf, weitere 60.000 in Pflegefamilien, sagt Mangold. Wegen der vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die in der jüngeren Vergangenheit nach Deutschland gekommen sind, ist die Tendenz steigend. „Nur ein kleiner Bruchteil der Jugendhilfekinder schafft einen akademischen Abschluss“, sagt Mangold. Verlässliche Zahlen darüber gibt es aber nicht, weil die Kinder- und Jugendhilfestatistik seit 2005 keine Daten zum Bildungsabschluss mehr erhebt. Doch die Wissenschaftlerin schließt aus früheren Daten, eigenen Befragungen und vergleichbaren Erhebungen anderer Länder, dass die Quote im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen dürfte. „Die Jugendlichen werden häufig eher dazu motiviert, eine Ausbildung zu machen, und nicht unbedingt zum Studium angeregt“, sagt Mangold.

          Keiner geht zum Elternabend

          Heutzutage sind höhere Bildungskarrieren für Heimkinder sogar eher schwieriger geworden als früher: Mehr und mehr Eltern kümmern sich bis weit ins Erwachsenenalter hinein um ihre Sprösslinge, besuchen Elternabende an der Uni, helfen bei der Suche nach der ersten Studentenbude. Sie bürgen beim Vermieter, redigieren Bewerbungen und suchen in der Uni-Hausarbeit nach Rechtschreibfehlern. Unter dem Begriff „Helikopter-Eltern“ haben sie Einzug in die Schlagzeilen der Medien gehalten, weil mehr und mehr dieser sehr fürsorglichen Mamas und Papas es nicht schaffen, loszulassen, und gleich einem Hubschrauber über dem erwachsenen Nachwuchs kreisen. Das durchschnittliche Auszugsalter aus dem Elternhaus liegt in Deutschland mittlerweile bei 24 Jahren für Mädchen und bei 25 Jahren für Jungs.

          „Es sind nicht immer nur die großen Hürden, die ehemalige Heimkinder von höherer Bildung abhalten“, sagt Mangold. „Es sind auch die kleinen Dinge: Man kann nicht mal eben von den Eltern Geld leihen, wenn der PC kaputtgegangen ist. Man kann nicht kurz am Wochenende nach Hause fahren, um die Wäsche zu waschen. Und während des Auslandssemesters gibt es keinen Ort, um die Möbel aus der Studentenbude unterzustellen.“

          Lucie Grengel, die ihren richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, wird den Studienstart ganz allein schaffen müssen, ohne finanzielle und moralische Unterstützung von zu Hause. „Ich habe regelrecht Angst vor dem Moment, wenn ich hier ausziehen muss“, sagt Lucie. „Wenn ich ganz auf mich allein gestellt bin.“ Weil das so ist, hat das Jugendamt in ihrem Fall auch zugestimmt, dass sie bis zum bestandenen Abitur in ihrer Wohngruppe bleiben darf. Sie lebt jetzt im sogenannten „Verselbständigungsbereich“, in dem nur noch stundenweise eine Betreuerin vorbeischaut. Normalerweise ist mit dem 18. Geburtstag aber auch damit Schluss; Ausnahmen gibt es sporadisch, wenn die jungen Erwachsenen dem Jugendamt noch nicht fit genug erscheinen für ein Leben ganz allein. Der Tag der Volljährigkeit ist deshalb unter studierwilligen Heimkindern in der Regel eher ein Grund zum Fürchten als zum Feiern.

          Im Heim glaubt niemand an eine Unilaufbahn

          Für Katharina Ronstedt war der 18. Geburtstag Auszugsdatum aus ihrem Kinderheim. „Ich fand das Studium rückblickend eigentlich die kleinere Hürde“, sagt sie. „Viel anstrengender war es, ganz allein auf mich gestellt das Abitur zu schaffen.“ Ronstedt ist heute 32 Jahre alt und arbeitet als Assistenzärztin in der Neuroradiologie der Magdeburger Uniklinik. „Seitdem ich sieben Jahre alt war, hatten wir immer das Jugendamt im Haus“, berichtet sie. „Mit dreizehn kam ich dann endgültig ins Heim.“ Dort galt Ronstedt als „schwieriger Fall“, wie sie es selbst beschreibt. Aus sieben verschiedenen Einrichtungen ist sie anfangs entweder rausgeflogen oder hat sie auf eigenen Wunsch wieder verlassen. Sie war mal drei Wochen hier, mal zwei Wochen dort in der Schule, verpasste gut und gern ein halbes Jahr Unterricht. Ihren Leistungen tat das aber keinen Abbruch. „Ich war immer einer Einserschülerin, mehrfach Klassen- und einmal sogar Schulsprecherin, war im Schulchor und in mehreren AGs“, erzählt sie. „Ein rebellisches Kind, ja, aber die Schulleistungen waren der Traum jeder Schwiegermutter. Ich wollte anders sein als die anderen im Heim, mich abgrenzen. Das habe ich damit geschafft, dass ich ständig Klassenbeste war.“

          Viele Jugendhilfeeinrichtungen sind nicht unbedingt darauf eingestellt, dass die Bewohner sich für mehr als die Realschule interessieren könnten. Katharina Mangold hat in Interviews mit ehemaligen Bewohnern von Einrichtungen der stationären Jugendhilfe häufig Antworten erhalten, die darauf hindeuten, dass Abitur und Studium in Beratungsgesprächen dort kein Thema sind. Auch auf Mangolds Angebote an die Einrichtungen, interessierte Jugendliche zu Uni-Infoabenden zu schicken, erhielt sie weitgehend ablehnende Reaktionen. „Wir haben niemanden, der dafür in Frage kommt“, habe sie zur Antwort erhalten. Oder: „Wir müssen uns um Dringenderes kümmern.“

          Mittlerweile ist, angeregt von den Projekten der Uni Hildesheim, die erste bundesweite Selbstorganisation von ehemaligen Heimkindern entstanden. „Careleaver e.V.“ heißt der Verein, der sich ganz besonders um Bildungs- und berufliche Karrieren kümmert. Anfangs bestand der Verein nur aus Hochschülern und Hochschulabsolventen. Mittlerweile sind auch engagierte Lehrlinge dabei. Mangold hat beobachtet, dass sich unter den „Care Leavern“ viele Personen mit krummen Bildungswegen finden. „Es gibt unter ihnen einige junge Leute, die sich von der Hauptschule bis an die Uni vorgearbeitet haben“, erzählt sie. „Sogar Akademiker mit Sonderschulvergangenheit habe ich in meinen Interviews kennengelernt.“

          Putzen nach der Schule, Hausaufgaben um fünf Uhr morgens

          Katharina Ronstedt war eines der ersten Vereinsmitglieder. „In meiner Jugendhilfezeit galt ich noch als komplette Exotin, weil ich gern studieren wollte“, erinnert sie sich. „Dabei hatte ich schon seit Jahren davon geträumt, Ärztin zu werden.“ Doch auch in ihrem Fall war es so, wie Forscherin Mangold es beobachtet hat. Niemand konnte sich nach der zehnten Klasse vorstellen, dass sie als Heimkind Abitur machen würde. In ihrem Jahresgespräch vor dem 18. Geburtstag gingen daher alle davon aus, dass Ronstedt eine Lehre beginnen würde. „Das war das einzige Mal, dass ich in einem solchen Gespräch in Tränen ausgebrochen bin“, erinnert sie sich. „,Das können die doch nicht machen‘, habe ich mir gedacht.“

          Ronstedt wurde im folgenden Sommer volljährig und entschied, das Abitur auf sich allein gestellt zu machen. Die Hilfezahlungen vom Jugendamt wurden eingestellt. Ihr wurde empfohlen, sich um Sozialhilfe für Schüler zu bemühen, doch das Sozialamt verwies sie zurück zum Jugendamt. „So ging das jahrelang hin und her - Geld kam am Ende immer nur unregelmäßig und selten genug zum Leben.“ Nach ihrem Auszug aus dem Heim lebte sie allein, arbeitete nach der Schule als Putzfrau und in Callcentern, um ihre Miete zu finanzieren, und stand jeden Morgen um 5 Uhr auf „um noch das Nötigste an Hausaufgaben zu machen“. Das Abitur bestand sie trotzdem mit einer Eins vor dem Komma.

          Mit Studienbeginn sei das Leben für sie etwas einfacher geworden, erzählt Ronstedt. „Klar, da war immer noch das Problem, dass ich keine finanzielle Unterstützung von zu Hause hatte. Aber das hatten andere Kommilitonen auch nicht. Es gab mehr Zeitfenster für Studentenjobs, und sie waren besser bezahlt als die Arbeit als Schülerin.“ Ende des zweiten Semesters erhielt sie außerdem ein Stipendium von einem Begabtenförderwerk. „Allerdings musste ich als ehemaliges Heimkind auch erstmal herausfinden, dass ich für so etwas wie Stipendien überhaupt in Frage kam.“ Manchmal aber, so erinnert sie sich, wäre ihr Studium dann doch beinahe an den kleinen Dingen gescheitert. „Zum Beispiel war meine Geldkalkulation am Anfang so knapp, dass es mich völlig überforderte, dass ich plötzlich einen Anatomie-Atlas für 80 Euro kaufen sollte.“ Ronstedt kontaktierte einen befreundeten Journalisten und überredete ihn, das Buch als Rezensionsexemplar zu bestellen. „Manchmal kam ich wirklich nur mit kleinen Tricksereien durch“, gibt sie zu. „Man muss da kreativ sein.“ Trotz des großen Durchhaltevermögens und einiger Problemlösungskompetenz, die sie über die Jahre erworben hat, hat Ronstedt ihre Heimgeschichte in Vorstellungsgesprächen nie thematisiert. Auch gegenüber Kollegen und Vorgesetzten hängt sie ihre Jugendhilfevergangenheit nicht an die große Glocke.

          Kein Internetanschluss für Minderjährige

          Auch Sarah könnte sich vorstellen, ihr Aufwachsen im Heim vor einem künftigen Arbeitgeber gar nicht erst zu thematisieren. Die 22 Jahre alte Jurastudentin, die mit knapp 13 Jahren vom Jugendamt aus ihrer Familie weggeholt wurde, nennt deshalb vorsichtshalber nur ihren Vornamen. Auch sie hat vor allem mit dem Abitur gekämpft; an der Uni hingegen kommt sie gut klar. „Ich habe schon mit 17 Jahren allein gelebt, mit gelegentlichen Besuchen meiner Jugendhilfe-Betreuerin“, erzählt Sarah. „Sich als Minderjährige allein durchzuschlagen ist aber eine riesige Herausforderung.“ Das ging damit los, dass sie keinen Internet-Vertrag abschließen konnte, ein Internet-Anschluss aber zwingend nötig war, um am Gymnasium mithalten zu können. Als es nach ihrem 18. Geburtstag auch kein Geld mehr vom Jugendamt gab, lebte Sarah von Hartz IV. „Die Anträge auszufüllen war für mich sehr kompliziert“, berichtet sie. „Das Jugendamt hat nicht mehr geholfen und ich war überfordert von den kleinen Dingen. Das Jobcenter wollte mir zum Beispiel die 30 Euro für mein Busticket zur Schule nicht mehr finanzieren. Lieber sollte ich die Schule wechseln - ganz kurz vor dem Abitur!“

          Auch im Studentenleben passen so manche Gepflogenheiten nicht zu jungen Erwachsenen, die keinen Kontakt zu ihren Eltern haben, findet Sarah. „Zum Beispiel erwartet bei einer Wohnungsbesichtigung jeder, dass man entweder die Eltern mitbringt oder zumindest eine Elternbürgschaft vorlegt“, berichtet sie. „Ich bin dann letztlich in einer WG untergekommen, bei der es einen Hauptmieter gab, für den wiederum die Eltern gebürgt haben.“ Ganz billig sei das aber nicht, deshalb hätte Sarah gern ein Wohnheimzimmer. „Die Info, ob man einen Platz bekommen hat, gibt es aber immer erst sechs Wochen vor Semesterstart. Mein WG-Zimmer hat eine viel längere Kündigungsfrist. Beim Studentenwerk sagen sie mir dann lapidar: Kündige vorsichtshalber und zieh übergangsweise zu deinen Eltern. Die können sich gar nicht vorstellen, dass ich diese Möglichkeit nicht habe.“

          Auch von den organisatorischen Dingen abgesehen, hat Sarah manchmal erlebt, dass sie an der Hochschule als Exotin gilt. „Viele wissen, dass ich an Weihnachten keinen Ort habe, wo ich hinfahren kann“, erzählt sie. „Deshalb bekomme ich Angebote von Kommilitonen, die ich kaum kenne, mit zu ihren Eltern zu fahren. Das ist ein ganz seltsames Gefühl.“ Andererseits hat sie das vergangene Weihnachtsfest bei den Eltern ihres Freundes verbracht. „Und auch dafür gab es komische Sprüche. Seid ihr nicht erst seit kurzem zusammen, hieß es dann.“

          Kaum ein Heimkind wagt sich an Jura

          Ein großes finanzielles Problem liegt im Moment noch vor Sarah. „Vor dem ersten Staatsexamen gehen 90 Prozent der Jurastudenten in private Repetitorien“, weiß sie. „Das kostet 130 bis 140 Euro im Monat, ein ganzes Jahr lang. Bei allen, die ich kenne, bezahlen das die Eltern. Für mich stellt sich dann die kniffelige Frage: Soll ich Unterhalt von meinem Vater einklagen? Oder soll ich einfach allein lernen und versuchen, ohne Repetitorium durchzukommen?“

          Mit einer Fachwahl wie Jura ist Sarah unter den wenigen ehemaligen Jugendhilfeempfängern, die überhaupt studieren, ein Ausnahmefall. „Die meisten gehen in sozialwissenschaftliche Studiengänge“, sagt Forscherin Mangold. Belastbare Zahlen gibt es zwar auch dazu nicht, aber Hinweise. Mangold hat in einer noch unveröffentlichten Online-Befragung 38 Studenten interviewt, die alle eine Jugendhilfevergangenheit hatten. „Die große Mehrheit studierte Sozialpädagogik, soziale Arbeit oder Lehramt“, sagt sie. „Das ist auch verständlich: Durch ihre eigene Vergangenheit haben viele Interesse an Tätigkeiten in diesen Bereichen. Ihre Vorbilder stammen von dort.“

          Sarah kann das bestätigen. „Nach dem Abi hatte ich erst einmal fest vor, in die Jugendhilfe zu gehen. Dann habe ich ein freiwilliges soziales Jahr dort gemacht und festgestellt: Das ist eigentlich gar nichts für mich. Ich glaube, dass anfangs einfach meine eigene Geschichte dazu geführt hat, dass ich mir gar nicht so viele Berufe außerhalb der Jugendhilfe vorstellen konnte.“

          Lucie Grengel denkt derzeit ähnlich. Nach ihrem Abitur will sie es mit einem dualen Studium der sozialen Arbeit versuchen. Schon jetzt bereitet sie sich darauf vor, indem sie ein Gymnasium mit sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt ausgewählt hat. „Ich war zwar selbst als Jugendliche in einer Notlage, habe aber schon oft gemerkt, dass ich auch gut darin bin, anderen in vergleichbarer Situation zu helfen.“ Zum Beispiel habe sie sich einmal für eine Klassenkameradin eingesetzt, die von ihren Eltern geschlagen wurde. „Manche Dinge muss man selbst erlebt haben, um sofort zu wissen, wie man darauf reagiert.“

          Mehr Kontrollen durch Jugendämter

          Die Jugendämter gehen immer häufiger Hinweisen auf Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern nach und prüfen, wie es den Kindern geht. Rund 129.000 solcher Verfahren wurden im Jahr 2015 gezählt, wie an diesem Dienstag veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Das waren 4,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

          Schon länger steigen die Verfahrenszahlen deutlich an: von 2013 auf 2014 um 7,4 Prozent und von 2012 auf 2013 von 8,5 Prozent. Die Zahlen werden erst seit 2012 erhoben. Dahinter scheint sich nicht etwa eine übermäßige Sensibilität derjenigen zu verbergen, die die Fälle melden: Die Zahl der „Fehlalarme“ ist sogar ganz leicht zurückgegangen. Vielmehr steigt auch die Zahl der Fälle, in denen die Jugendämter tatsächlich tätig werden.

          Insgesamt stellten die Fachleute im vergangenen Jahr rund 20.800 Mal eine akute Kindeswohlgefährdung fest. Das waren 11,7 Prozent mehr Fälle als 2014. Bei manchen Kindern schätzten die Jugendämter die Situation allerdings auch mehr als einmal ein. In weiteren knapp 24.200 Verfahren konnte eine Gefährdung der Jungen und Mädchen nicht ausgeschlossen werden (plus 7,9 Prozent). In rund 43.200 Fällen (plus 4,0 Prozent) kamen die Jugendämter zu dem Ergebnis, dass das Wohl der Kinder zwar nicht gefährdet war, die Familien aber Unterstützung brauchten. In fast genauso vielen Fällen (41.300) stellten die Experten weder eine Gefahr für die Kinder noch einen Bedarf an Hilfe fest (minus 1,0 Prozent).

          (dpa)

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