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Karrierechancen : Der menschliche Makel

Übergewicht kann teuer werden Bild: DIETER RÜCHEL

Von wegen innere Werte. Dicke Manager verdienen weniger, kleine Manager steigen schlechter auf. Attraktivität hat zentralen Einfluss auf die Karriere.

          5 Min.

          Das Hemd spannt über dem Bauch, die Beine sind zu kurz, die Nase krumm, die Zähne lückenhaft, die Haut unrein, und die wenigen Haare lassen freien Blick auf die Kopfhaut zu. Äußere Makel stehen dem beruflichen Aufstieg im Weg, und da kann die Ausbildung noch so fundiert, der Charakter des Menschen noch so liebevoll sein. Verschiedene Studien belegen dies und lassen den einfachen Schluss zu: Wer schön ist, der ist auch erfolgreich, und wer weniger attraktiv ist, der eben nicht.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Nur mit Wissen kann niemand eine besondere Ausstrahlung erhalten, die heutzutage vor allem für Führungskräfte ausgesprochen wichtig ist“, sagt Sonja Bischoff, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. In einer Langzeitstudie beschäftigt sie sich mit dem Zusammenhang von äußerem Erscheinungsbild und beruflichem Erfolg. Stuften 1986 lediglich sieben Prozent der deutschen Führungskräfte das Aussehen ihres Personals als wichtig ein, waren es 1991 bereits 14 Prozent, 1998 schon 22 Prozent und 2003 gar 28 Prozent.

          Ein Kilogramm Übergewicht kostet 1000 Dollar

          Besonderen Einfluss hat der Faktor Aussehen der Studie zufolge in Branchen wie Werbung, Public Relations und Kommunikation. Bischoff sagt: „Attraktivität ist heute oftmals wichtiger als persönliche Beziehungen.“ Schöne Menschen seien selbstbewusster und wirkten auf ihre Kollegen zielstrebiger. Eigenschaften, die man mit weniger attraktiven Menschen eher selten in Verbindung bringe.

          Das Leben in einer Welt aus Bildern: Gesichter ohne Falten lächeln von großflächigen Plakaten, Frauen mit offenbar perfekten Zähnen und reiner Haut flimmern über den Fernseher, und scheinbar makellose Körper räkeln sich in Hochglanzmagazinen. Schöne Menschen stehen für Attribute wie Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Teile dieser Vorstellung ziehen sich bis in das Berufsleben.

          Es geht dabei nicht um modische Schuhe, hübsche Hosen oder raffinierte Blusen. Es geht um den Menschen. Darum, wie er aussieht. Darum, wie er auf andere wirkt. Ein runder Bauch wirkt nicht so attraktiv wie ein muskulöser, der symbolisiert: Ich esse nicht, ich arbeite. Eine Glatze hat weniger vom Idealbild der Schönheit als volles Haar, und große Menschen wirken eben oftmals anziehender als kleine. An der Universität Wien hat man sogar herausgefunden, dass attraktivere Verkäuferinnen einen höheren Umsatz haben als weniger schöne Frauen.

          Lustige Zwerge und seriöse Riesen

          Für Frank Naumann ist all dies keine Überraschung. Der Berliner Kommunikationspsychologe hat sich eingehend mit der Macht von Attraktivität beschäftigt. Das Ergebnis ist als Buch erschienen und trägt den Titel „Schöne Menschen haben mehr vom Leben“. Naumann stützt darin die These von einem Zusammenhang zwischen Attraktivität und beruflichem Erfolg. „Es ist keine Frage, dass es weniger attraktive Menschen in unserer Gesellschaft schwerer haben, in allen Bereichen.“ Naumann bezieht sich auf verschiedene Studien, so etwa eine amerikanische, nach der Manager in den Vereinigten Staaten mit jedem Kilogramm Übergewicht rund 1000 Dollar weniger im Jahr verdienten.

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