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Karrierebücher : Die etwas anderen Ratgeber

Von Talent und Glück

Geschichten über den steinigen Weg zum Profifußballer wurden und werden vielfach erzählt. Der Tenor ist stets der gleiche: Hochtalentierte Jugendliche gibt es viele, Plätze im Profibereich nur sehr wenige. Nur wenigen gelingt dies so detailliert, reflektiert und kompetent wie Ronald Reng. Neun Jahre lang hat der Autor die Jungfußballer Marius Wolf, Fotios Katidis und Niko Reislöhner begleitet. Das Buch zeigt vor allem, wie gnadenlos und komplex die für so viele primär oberflächlich erlebbare Welt des Sports ist, auf welche Details die Verantwortlichen rund um das Konstrukt Fußballmannschaft Wert legen und wie schnell ein eben noch euphorisierter Spieler in ein Tief verfallen kann. Sei es ein Trainerwechsel oder eben bloß die Fügung, dass der Trainer in einer bestimmten Phase andere Spieleigenschaften für die Mannschaft wichtig findet.

Es geht um Einstellungsfragen, bittere Rückschläge und entscheidende Faktoren, die nicht in der Macht der Jugendlichen liegen. Ist der Trainer eines Jahrgangs noch restlos von einem Talent überzeugt, sieht der andere kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Im Falle von Reislöhner wurde aus einem topfitten, hart arbeitenden Leistungsträger, der mindestens die dritte Liga im Blick hatte, plötzlich ein Bankdrücker – bloß weil die sportliche Leitung verfügte, den jüngeren Jahrgang verstärkt einzusetzen. Zum Profi geschafft hat es letztlich nur jener, der mit 16 in Nürnberg aussortiert worden war: Der heute 26 Jahre alte Marius Wolf spielt aktuell bei Borussia Dortmund. Am Ende der Lektüre fragt sich wohl auch fast jeder Leser: Wie viel Glück und wie viel Talent stecken eigentlich im eigenen Weg nach oben? bfch.

Ronald Reng: Der große Traum. Piper 2021

Besser fragen

Freenet-Aufsichtsrätin Fränzi Kühne hat in ihrem Buch „Was Männer nie gefragt werden“ Interviewfragen gesammelt, die Journalisten ihr zu ihrer Karriere als junge Frau und Mutter gestellt haben. Dann hat sie den Spieß umgedreht und die gleichen Fragen prominenten Männern gestellt – unterhaltsam und provokant. Etwa dem kürzlich abgelösten Außenminister Heiko Maas oder dem ehemaligen Siemens-Chef Joe Kaeser. Zum Beispiel: „Wie bringen Sie Familie und Karriere unter einen Hut“ oder „Können Sie für andere Männer ein Vorbild sein?“

Viel besprochen wurde das Buch als Sachbuch über Geschlechterverhältnisse in Topetagen. Dabei ist es auch noch etwas anderes: ein Karrierebuch für Journalisten. Für diejenigen unter ihnen, die sich stärker mit der Wirkung ihrer Fragen und dem daraus folgenden Erkenntnisgewinn auseinandersetzen wollen. Für Fragensteller, die mehr reflektieren möchten, wen sie befragen und welche (Vor-)Urteile sie dabei womöglich im Hinterkopf haben. Wir lernen im Lauf dieser 225 Seiten, dass es durchaus interessant sein kann, wenn auch Männer sinnieren, ob sie gute Vorbilder sind oder ob die Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit in ihrer Familie richtig läuft. Die Moral ist mehr als ein plattes: Liebe Journalisten, lasst boulevardig-bunte Fragen über die Lebenswelt von Frauen bleiben. Sondern: Stellt allen bessere Fragen! Denn wer sich bei Männern nach ihren Babys, bei Hellhäutigen nach ihrer Herkunft und bei schlanken Heterosexuellen nach Mobbing-Erfahrungen erkundigt, kriegt spannende Antworten. An einer Stelle bringt es Kühne schön auf den Punkt: „Nette Leute kommen in mein Büro, warten geduldig meine Trödelei ab, bringen mich zum Lachen, interessieren sich für mich, schenken mir Aufmerksamkeit und Reichweite – und was mache ich? Schreibe ein Buch darüber, wie blöd ich ihre Fragen fand.“ Ja, genau so ist es. Und als Journalistin gesprochen: Vielen Dank dafür. nab.

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