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Ingenieure und Brettspiele : Die wollen nur spielen!

Bild: DIETER RÜCHEL

Ohne Ingenieur wird’s schwer – das wissen auch die Spieleverlage. Denn die stark wachsende Branche benötigt in vielen Bereichen technischen Sachverstand.

          5 Min.

          Was braucht es für ein gutes Brettspiel? Einen pfiffigen Autor mit guten Ideen, na klar. Eine Redaktion in den Spieleverlagen, die seine Ideen diskutiert, eventuell anpasst und daraus ein markttaugliches Produkt macht. Und Ingenieure. Bei jedem Spiel. Denn was die Kreativabteilungen sich so alles überlegt haben, muss auch technisch umsetzbar sein. Eisberge für Pinguine, Mittelalterwelten für Ritter und Händler, Fluchtszenen durch Hotels, Häfen und verlassene Häuser. Und das alles bitte schön in Schachteln möglichst vom Format 28 mal 28 Zentimeter und höchstens 6,7 Zentimeter hoch.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sebastian Runge leitet die technische Produktentwicklung bei ASS Altenburger, einem der größten Spielehersteller in Deutschland. „Die abenteuerlichen Anfragen haben zugenommen“, sagt er und drückt damit vorsichtig aus, dass manche Spielidee technisch nicht so einfach umzusetzen ist, wie sich das manche Spieleerfinder vorstellen. „Das Muster für ein Spiel ist eine Sache, das auf einer Maschine zigtausendfach zu produzieren ist eine andere.“ Den Weg von der Idee bis zur Realisierung zu begleiten ist die Aufgabe des Diplom-Ingenieurs.

          „Wie dick kann der Spielplan werden, wie wird er bedruckt oder veredelt?“

          „Wir sind bei jedem Spiel gefragt, treffen uns im Optimalfall beim Verlag und werden frühzeitig sehr gut eingebunden.“ Runge kann dann schon recht klar sagen, was geht und was nicht. Studiert hat er Druck- und Verpackungstechnik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig (HTWK). „Das war alles ein bisschen zufällig“, erzählt der gelernte Mediengestalter, der sich eigentlich für ein Medientechnikstudium interessierte und dann am Tag der offenen Tür der Hochschule bei den Ingenieuren landete. „Ich habe mich immer für Papier und Pappe interessiert und was man daraus falten kann.“ Nach Stationen bei den T-Shirt-Bedruckern von Spreadshirt in Leipzig (während des Studiums) und Hassia in Bad Vilbel (nach dem Studium) fand er eine Stellenausschreibung von ASS Altenburger.

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          „Ich wusste nicht wirklich, was da auf mich zukommt, und ich wollte auch gar nicht unbedingt in die Spielebranche, ich kam also weniger vom Spiel her als vom Interesse am Werkstoff“, sagt Runge. Im thüringischen Altenburg kann er sich seit acht Jahren austoben. Während seine Kommilitonen sich mit Lebensmittel- und Tablettenverpackungen auseinandersetzen müssen, hat Runge zum Beispiel die äußerst erfolgreiche Exit-Spielereihe des Kosmos Verlages von Anfang an mit begleitet. Wer die Spiele kennt, weiß, dass es bei den Rätseln auf jedes noch so kleine Detail auf Packung und Spielmaterial ankommt und viel gebastelt, gefaltet, geschnitten und geknickt werden muss. „Wir haben hier mit den Redakteuren von Kosmos eine super Zusammenarbeit“, sagt Runge. So wurde es möglich gemacht, dass bei einem Rätsel die Schachtel eingerissen werden muss, um einen Code zu finden. „Welchen Leim nehmen wir, damit das funktioniert und nicht die ganze Schachtel zerstört wird?“, schildert Runge seine Herausforderung.

          Verbindung von Elektronik mit dem klassischen Brettspiel

          Auch beim neuen Spiel des Jahres „Micro Macro: Crime City“ ist ASS Altenburger der Produzent für die Verlage Spielwiese und Pegasus Spiele. Auf einem riesigen Stadtplan müssen die Spieler Verbrechen erkennen und rekonstruieren. „Hier war die Herausforderung, Lieferanten für diese Papiergröße zu finden und dass sich der Plan trotzdem auf ein handliches Format falten lässt.“ Herausgekommen ist ein für Spiele ungewöhnlich großer Stadtplan von 75 Zentimetern mal 1,10 Meter. Das ist die Fläche von etwa sieben DIN-A3-Blättern. „Das ist auch ein Mengenthema“, sagt Runge, der als Ingenieur zusammen mit seinen Kollegen immer Lieferzeiten, Produktionskapazitäten und die vorhandenen Maschinen in der Produktion im Blick haben muss. Beim Spiel des Jahres vervielfacht sich der Absatz mit der Auszeichnung, und es werden mehrere Hunderttausend Spiele im ersten Jahr abgesetzt.

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