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Online-Plattformen : Karrieren aus dem Internet

  • -Aktualisiert am

Mit jedem Klick dem Traumjob näher: Timo, Julia und Felix arbeiten sich auf Internet-Plattformen voran. Bild: timobarwitzki.tumblr.com, www.facebook.com/Julia-Mineira, felix-rachor.com

Schule - Ausbildung - Beruf? In der Kreativbranche werden längst andere Pfade eingeschlagen, um schnell Geld zu verdienen. Doch die Macht der Online-Plattformen birgt auch Gefahren.

          6 Min.

          Auf dem ersten Bild rennt sie im Bikini durch einen Wald, auf dem nächsten hat sie einen Wildvogel auf der Schulter. Seit einer Weile nennt sich Julia Lawrenz „Model“. Die 22-Jährige sieht gut aus, hat aber weder Modelmaße noch die gängige Modelgröße. Sie ist bei keiner Agentur, hat keine Ausbildung, kein Coaching oder Ähnliches in dem Bereich gemacht. Ein Großteil der Fotografen, mit denen sie zusammenarbeitet, auch nicht. Trotzdem verdienen viele einen Teil oder ihr gesamtes Einkommen mit diesem Hobby. Und auch Lawrenz ist kurz davor, ihr Hobby zum Beruf zu machen.

          Angefangen hat das Ganze eher zufällig. „Einer befreundeten Designerin ist das Model ausgefallen“, erinnert sich Lawrenz. „Da bin ich spontan eingesprungen.“ Sie entdeckt, dass sie Spaß an der Sache hat, und macht weitere Shootings aus. Mittlerweile wendet sie den größten Teil ihrer Freizeit für ihr Modeldasein auf. Fast alles spielt sich über das soziale Netzwerk Facebook ab: Die 22-jährige Hotelfachfrau hat eine Model-Seite. Das ist eine Unterseite auf der Homepage, auf der sie unabhängig von ihrem privaten Facebook-Account Bilder von sich postet und möglichst emotionale Texte dazu schreibt. „Julia Mineira“ nennt sie sich dort. „Magische Momente - Was sind sie für euch?“ beginnt zum Beispiel einer der Texte von ihr, die sie gemeinsam mit ihren Bildern veröffentlicht. Zu anderen stellt sie Zitate von Shakespeare, J.K. Rowling oder auch Meredith Grey aus „Grey’s Anatomy“. Lawrenz ist ständig erreichbar, kommentiert und postet. Ihrer Seite folgen etwas mehr als 3000 Menschen. „Wenn man sich reinhängt, ist es sehr einfach, über Facebook bekanntzuwerden“, sagt sie.

          Lawrenz muss noch ihr Gewerbe anmelden, dann kann sie auch einige der bezahlten Aufträge annehmen, die ihr angeboten werden. „Ich plane darüber teilweise meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Allein ist sie aber nicht bis dahin gekommen. „Es gibt in dem Netzwerk gewisse Drahtzieher“, sagt sie. „Wenn die dich ins Visier genommen haben, wird aktiv gepushed, unterstützend erwähnt und werden gemeinsame Projekte gemacht.“ Diese Drahtzieher könnten entscheiden, wer nach oben komme und wer nicht.

          „Das Ausbildungswesen ist in unserer Branche, salopp gesagt, beschissen“

          Felix Rachor ist einer von ihnen. Der Fotograf ist seit zehn Jahren im Geschäft, arbeitet für viele große Zeitschriften und hat schon Hape Kerkeling und Uwe Ochsenknecht vor der Kamera gehabt. Rachor hat eine der Facebook-Gruppen gegründet, in der Lawrenz jeden Tag mehrere Fotos von sich postet. Er selbst hat zwar eine Ausbildung als Mediendesigner gemacht. „Das ist aber Blödsinn gewesen“, sagt er. „Das Ausbildungswesen ist in unserer Branche, salopp gesagt, beschissen.“ Die starren Systeme könnten oft nicht mit der schnellen Entwicklung mithalten. Techniken, die gelehrt würden, seien häufig veraltet. Außerdem würden die besten Fotografen fotografieren und nicht als Dozenten arbeiten. Für Anfänger seien die Gruppen auf Facebook eine großartige Möglichkeit, um sich auszuprobieren. Jeder kann dort kostenlos Werke veröffentlichen, die von anderen bewertet werden und Rückmeldungen zu den eigenen Arbeiten bekommen.

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