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Kaderschmiede BMW : Harald Krügers Weg nach oben in den Chefsessel

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Dazu gehört die Weiterverpflichtung von Finanzvorstand Friedrich Eichiner über die bisherige Altersgrenze von 60 hinaus, als Botschaft an den Kapitalmarkt: Die Kontinuität bleibt gewahrt, auch nach Reithofers Abtritt, mit dem Duo Krüger/Eichiner. Die nötigen Voraussetzungen für die Beförderung hatte Krüger längst erworben: Abitur, Maschinenbaustudium in Braunschweig und Achen, Forschungsassistent im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (auch Reithofer trieb es einst zu den Raketen). Danach vermerkt der Lebenslauf nur noch die drei Buchstaben BMW: Trainee, Projektingenieur, Personalreferent, Abteilungsleiter, Hauptabteilungsleiter, Werkleiter.

Musterbeispiel für Personalplanung

So ging es Schritt für Schritt nach oben, bis in den Vorstand, wo man ihn seit 2008 behutsam durch die Ressorts gleiten ließ. „Produktion“ ist Pflicht für einen werdenden BMW-Chef, „Personal“ hilft, Bande zu den Arbeitnehmern zu knüpfen. Das erklärt, warum deren Vertreter Krüger heute als Idealbesetzung preisen, sein Wirken als „prägend und richtungsweisend“. Verdient hat der Manager sich das Vertrauen nicht mit „Wir-lieben-uns-alle“-Phrasen, sondern der Art, wie er den Konzern durch die Krise 2008/2009 gekämpft hat, verbunden „mit einem Personalabbau, ohne dass Blut geflossen ist“, wie der Betriebsratschef anerkennt.

Das alles sieht nach einem Masterplan aus. Es ist auch einer - ein Musterbeispiel für langfristige Personalplanung, der „Fall Krüger“ hat System im Hause BMW. An vier Stellen im Konzern führen sie Listen mit den Namen herausragender Talente: im Aufsichtsrat, im Vorstand, im Betriebsrat und im Büro von Heike Schneeweis, der Personalplanerin für höhere Aufgaben (die selbst immer mal wieder für den Vorstand im Gespräch ist). Daraus destilliert sich fein säuberlich die Führungsreserve.

Auf dem Weg nach oben formt und normt der Konzern seinen Nachwuchs. Wer in den Kreis der „Top 300“ aufsteigt, braucht dazu die Empfehlung seines Vorgesetzten, außerdem elf Gutachter, die über seinen Charakter urteilen: Da der Kandidat deren Namen nicht kennt, richtet er sich aus an der Gesamtgruppe. Das Management gleicht sich somit automatisch an, das Denken wird gleichförmiger, konzentriert auf Leistung, Disziplin, Wettbewerb. Und auf den speziellen „BMW-Spirit“, wie einer aus der Führungsriege erzählt, „den gemeinsamen Willen: Wir bauen die besten Autos der Welt.“

Dieses sogenannte „Dingolfing-Gefühl“ verströmt längst auch Krüger, obwohl der in Freiburg geboren und Niedersachsen aufgewachsen ist. In der Jugend von Eintracht Braunschweig hat er einst erstklassige fußballerische Ambitionen verfolgt, „in den großen Zeiten des Clubs mit Trainer Branco Zebec und Paul Breitner als Star“, so hat Krüger es in einem frühen Interview mit dieser Zeitung erzählt. Die Bundesliga war nicht weit für den Nachwuchskicker, es hat nicht ganz gereicht. BMW-Chef ist auch nicht schlecht. Nur dass er noch immer zu Braunschweig hält, das bleibt in München ein Makel. „Eine Schwachstelle hat halt jeder Mensch“, sagt Aufsichtsrat Schoch. „Krüger hat keine Ahnung vom Fußball.“

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