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Kaderschmiede BMW : Harald Krügers Weg nach oben in den Chefsessel

  • -Aktualisiert am

BMW tickt anders, aus Tradition

Der Wettbewerb, wer eines Tages Konzernchef Martin Winterkorn ersetzen darf, wird - diese Prognose ist nicht sonderlich kühn - ein Fest für Freunde des gepflegten Manager-Nahkampfes. Der Wechsel auf dem Chefsessel ist dafür immer eine feine Sache. Da meucheln sich die Vorstände, dass es eine Freude ist, der Keim für betriebliches Chaos ist solchen Phasen immanent. In der Deutschen Bank etwa haben die Protagonisten die Schlacht um die Ackermann-Nachfolge mit solcher Hingabe geführt, dass das Publikum sich fragte, wie da auch nur eine Sekunde Zeit für das eigentliche Geschäft bleibt.

BMW tickt anders, aus Tradition. Nie in der jüngeren Vergangenheit glückte der Wechsel im Vorstandsvorsitz freilich so elegant wie jetzt. Harald Krüger musste nicht mal präsentieren vor dem Aufsichtsrat, so klar war die Sache. Die Quandts wollten ihn, der einflussreiche Betriebsrat wollte ihn. Als seinerzeit Reithofer gekürt wurde, da gab es mit Stefan Krause (heute Deutsche Bank) wenigstens einen ernsthaften Gegenspieler, der sich nach seinem Auftritt vor den Mächtigen für ein paar Stunden gar im Glauben wähnte, er würde der neue „A“, stattdessen blieb er der „F“, der Finanzvorstand, und setzte sich bald darauf nach Frankfurt ab.

Den Bayerischen Motorenwerken hat dies nicht sonderlich geschadet, so viel lässt sich nach acht Jahren Reithofer sagen: Der Wert des Unternehmens stieg um 30 Milliarden Euro. Seit Jahren behauptet sich der Konzen als Nummer eins in der automobilen Premiumklasse weltweit. Gewinn, Aktienkurs, Image erreichten neue Höhen, auch wenn der Elektroflitzer „i8“ bisher noch mehr aufs Konto Reputation einzahlt als in die Kasse, weil die gefertigten Stückzahlen an die Produktion von Bastelarbeiten in der Grundschule erinnern.

Warum der plötzliche Wechsel?

Zum Dank wird Reithofer in einem halben Jahr zum Aufsichtsratsvorsitzenden befördert, der Gedanke, er wäre ab sofort als lahme Ente zu behandeln, verbietet sich für die 114.000 Untergebenen: Reithofer, Jahrgang 1956, bleibt auf absehbare Zeit der starke Mann im Hintergrund. „Er kann die nächsten zwölf Jahre unangefochten aus dem Aufsichtsrat regieren“, sagt Manfred Schoch, seit 1988 Betriebsratschef und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Nur, wenn alles so rund läuft, warum dann jetzt der plötzliche Wechsel? Ein Jahr vor dem regulären Ablauf von Reithofers Vertrag als Vorstandsvorsitzender? Als ein Grund wird das große Jubiläum angeführt: 2016 stehen die Feiern zu „100 Jahre BMW“ an.

Da sei „in zahlreichen Gesprächen mit der Familie Quandt der Entschluss gereift“, dass es von Vorteil wäre, die personellen Weichen deutlich vorher zu stellen, erläuterte der scheidende Aufsichtsratschef Joachim Milberg am Dienstag dem oberen Führungskreis. Als ein Signal „für die Zukunft“, wollte er das verstanden wissen: „Ich bin überzeugt, die nächste Generation wird das Unternehmen weiter auf dem Erfolgspfad halten.“ Zudem wollte der Konzern allen Spekulationen zuvorkommen, ob Reithofer noch mal verlängert oder nicht. Spätestens im Frühjahr wäre das Thema akut geworden, auch deshalb erfolgte jetzt die Bekanntgabe einer Entscheidung, die offenbar von langer Hand vorbereitet war.

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