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Junior Professional Officers : Raus in die Welt

Schiedsrichter gesucht
Es muss auch für Juristen nicht immer gleich der Gang vor Gericht sein. Wenn Judith Schallnau ins Spiel kommt, geht es darum, einen Streit außergerichtlich beizulegen. Die 34 Jahre alte Berlinerin arbeitet für das Schieds- und Mediationszentrum der World Intellectual Property Organization (WIPO), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die sich mit dem Schutz des geistigen Eigentums beschäftigt.

Jeden Tag passiert es, dass zwischen Unternehmen Konflikte entstehen über Patentlizenzen, Vertragsstatuten, Gebühren oder auch um Domains im Internet. Ein Gerichtsverfahren ist oft langwierig, teuer und öffentlich und deshalb häufig nur die Ultima Ratio. Ein Schiedsverfahren oder eine Mediation für eine einvernehmliche Einigung liegen da oft näher. Doch wie findet man einen Schiedsrichter oder Mediator, den beide Seiten akzeptieren? Gerade in internationalen Konflikten müssen Sach- und Sprachkenntnisse vorhanden sein, gleichzeitig aber die Neutralität gewährleistet sein. „Dann treten wir als Dienstleister in Aktion“, sagt Schallnau. Durch ein großes Netzwerk werden die Konfliktparteien bei der Suche unterstützt und beraten.

„Die Arbeit macht mir viel Freude, sie ist abwechslungsreich, und man sieht konkrete Ergebnisse.“ Wichtig sei es für sie, sich und ihre Arbeit weiterzuentwickeln, zum Beispiel durch Schwerpunktsetzung auf Streitbeilegung im Bereich Forschung und Entwicklung. Statt in einem Büro im neuen, lichtdurchfluteten WIPO-Gebäude könnte die Spezialistin für gewerblichen Rechtsschutz und internationale Streitbeilegung heute auch in einer Kanzlei oder einem Unternehmen sitzen. „Aber die Internationalität hat mich schon immer gereizt.“

Impfstoffen auf der Spur
Julia Schmitz ist schon oben angekommen - zumindest geographisch. Denn das Hauptquartier der Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, liegt oben auf dem Hügel im internationalen Viertel von Genf. Aber auch beruflich hat die 34 Jahre alte Molekularbiologin schon einiges vorzuweisen. Malaria, Aids, Dengue-Fieber - in der Abteilung, in der Schmitz arbeitet, geht es um jene Krankheiten, die vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern immer noch Millionen Menschen bedrohen. Auf der ganzen Welt wird in vielen Projekten nach Impfstoffen geforscht. „Die WHO“, sagt Schmitz, „behält dabei global den Überblick und erarbeitet Standards und Empfehlungen für die Entwicklung und Einführung von Impfstoffen in den Mitgliedstaaten.“

Wie ist der neueste Stand der Laborforschung, welche Ergebnisse liefern aktuelle klinische Studien, wie sieht der Zugang zu Impfstoffen in verschiedenen Ländern aus? Die entsprechenden Berichte und Projekte der WHO stoßen in den betroffenen Staaten ebenso auf Interesse wie in Geberländern oder bei privaten Stiftungen.

Nach einem sechsmonatigen Traineeprogramm im Bereich Gesundheit bei der Europäischen Kommission arbeitete Schmitz für ihre Promotion drei Jahre lang in der Krebsforschung. Anschließend konnte sie als Referentin für Biotechnologie im Bundeswirtschaftsministerium ihr Interesse für politische Prozesse optimal mit ihrer Ausbildung verbinden. Eine spannende Aufgabe, wie sie heute findet, die nur der Lockruf aus Genf beenden konnte. Zu den Vorzügen in der WHO zählt sie unter anderem, „dass hier sehr interdisziplinär gearbeitet wird und die Fortbildungsmöglichkeiten hervorragend sind“. Dass der angestrebte Anschlussvertrag noch keine unbefristete Übernahme verheißt, stört Schmitz dabei wenig: „Mir persönlich ist ein interessantes Arbeitsumfeld mit guten Entwicklungsmöglichkeiten wichtiger als ein möglichst sicherer Job.“

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