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Junior Professional Officers : Raus in die Welt

Strategien für Afrika
Den Wohnungsmarkt in Genf kennt Kai Sülzle mittlerweile. Als der Ökonom vor fast vier Jahren zum International Trade Centre kam, einer Organisation, die kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Entwicklungsländern hilft, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und ihre Produkte zu exportieren, bezog er ein möbliertes Appartement zur Untermiete. Dort wohnt er noch immer. Denn mit seinem mittlerweile kurzfristigen Arbeitsvertrag werde er nicht als Hauptmieter akzeptiert, weiß der 35-Jährige heute, ordentliches Gehalt hin oder her. Gleichwohl gehört die Wohnungssuche für den Münchner zu den nachhaltigen Erfahrungen im Schmelztiegel Genf, wo auf kleiner Fläche „High Potentials“ aus aller Welt zusammenkommen, aber auch konkurrieren.

Man nehme häufig an Bewerbungsverfahren für interessante Herausforderungen teil, beschreibt er das UN-System, „das kann mitunter zeitintensiv sein“. Sein Rat lautet, sich früh eine fachliche Nische zu suchen und Netzwerke zu knüpfen. „Eigeninitiative kann dabei sehr förderlich sein.“ Wer sich zu lange Zeit lasse, stehe am Ende womöglich mit leeren Händen da. Diese Sorge hegt er persönlich nicht, sondern ist zuversichtlich, dass es in absehbarer Zeit mit einer längerfristigen Anstellung klappen könnte. Der promovierte Volkswirt mit Erfahrungen in der Privatwirtschaft sowie einer mehr als fünfjährigen Forschungstätigkeit am Münchner Ifo-Institut hätte sicher auch gute Chancen am deutschen Arbeitsmarkt. Doch derzeit hat er nicht die Absicht, das UN-System so schnell zu verlassen. Denn in der Summe überwiegen für Sülzle eindeutig die positiven Erfahrungen. „Vor allem die Chance, in internationalen Teams gemeinsam Projekte voranzubringen, motiviert mich jeden Tag aufs Neue.“ Gerade leitet Sülzle ein Projekt, das sich mit der Verbesserung der internen Kostenabwicklung seiner Organisation befasst. Außerdem arbeitet er mit an einer Strategie zur Integration afrikanischer Bauern in regionale und internationale Märkte.

Mobil mit Bergpanorama
Mobilität gehört zweifellos zu den Lieblingsvokabeln vieler Personalmanager, wenn es um Anforderungsprofile geht. Für Janna Groh wiederum bedeutete Personalarbeit die Chance, ihr Bedürfnis nach Mobilität mit dem Psychologie- und Fremdsprachenstudium zu vereinbaren. Seit eineinhalb Jahren betreut sie für die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) das Praktikantenprogramm und den Austausch mit nationalen Ministerien. Auf einem der scheinbar endlosen, mit grünem Teppich im Siebziger-Jahre-Look ausgekleideten Gänge liegt ihr Büro, das Fenster bietet einen Blick auf das Bergpanorama. „Mobilität war mir schon im Studium ein Bedürfnis und auch Thema meiner Abschlussarbeit“, sagt die 33 Jahre alte Berlinerin.

Einem Auslandssemester im italienischen Padua folgt nach dem Abschluss der Wechsel nach Paris, wo sie an Universitäten Wirtschaftsdeutsch unterrichtete. Im Jahr 2005 nimmt sie das Angebot des Unterhaltungskonzerns Sony an und wechselt in dessen Personalabteilung nach Berlin. Mit der Verlagerung des Europa-Hauptquartiers nach London zieht auch Groh von der Spree an die Themse. Die länderübergreifende Zusammenarbeit in dem internationalen Konzern bietet die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse zur Geltung zu bringen. Nach drei Jahren im Beruf nimmt sie jedoch eine Auszeit und reist ein halbes Jahr durch Lateinamerika - ein Plan, den sie schon lange geschmiedet hatte. Ihren 30. Geburtstag feiert Groh in Rio de Janeiro und fasst den Entschluss, wieder in den Beruf einzusteigen. In Gütersloh begleitet sie im Medienkonzern Bertelsmann Führungskräftetrainings, was sie als spannend beschreibt. Doch als sie den Zuschlag für Genf bekommt, tauscht sie Ostwestfalen gegen die Schweiz.

Janna Groh weiß auch um die Gefahren im Genfer Biotop: Wer zu lange dort ist, häuft womöglich ein Spezialwissen an, das in der privaten Wirtschaft nicht gefragt ist. Dann wird der Weg zurück mitunter schwierig. Deshalb müsste gerade die Personalexpertin eigentlich über die weitere Planung ihrer Karriere gründlich und strategisch nachdenken. „Aber ich habe mir wohl noch nie so wenig Gedanken darüber gemacht wie im Moment“, sagt sie mit einem erfrischenden Lachen.

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