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Junge Väter : 30 Stunden täglich

Junge Väter haben’s auch nicht leicht. Bild: Photographer's Choice/Getty Imag

Kinder und Karriere passen auch für junge Väter wunderbar zusammen. Sie müssen sich nur entscheiden, worum sie sich zuerst kümmern wollen. Elternabend, Feierabendbier, Candlelight-Dinner - oder zur Abwechslung mal ein bisschen Schlaf?

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          Der Schlafsimulator, den ein Klassenkamerad auf dem Gymnasium programmieren wollte, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Er brauchte, wie es sich für einen angehenden Nerd gehört, mehr Zeit zum Zocken. Warum also sollte nicht der Computer das lästige Schlafen übernehmen? Je nach persönlichen Vorlieben, kalkulierte er, brächte das sechs bis zehn Stunden mehr Spielzeit, Tag für Tag beziehungsweise Nacht für Nacht. Ein echter Durchbruch.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fast zwanzig Jahre ist das nun her. Den Schlafsimulator und den rechnergestützten 30-Stunden-Tag gibt es immer noch nicht. Einen klareren Fall von Marktversagen auch nicht. Im Silicon Valley ist doch sonst alles möglich. Und an der mangelnden Zahlungsbereitschaft der potentiellen Nutzer kann es nicht liegen. Junge Väter, gefangen in der von Soziologen identifizierten „Rushhour des Lebens“ zwischen Mitte zwanzig und Ende dreißig, würden für diese App doch ein Vermögen ausgeben!

          Wie sollen sie auch sonst auf allen vier Fahrspuren des Lebens vorankommen? Für die Kinder da sein, am Wickeltisch, auf dem Spielplatz, beim Hüpfen auf dem Sofa. Die Beziehung pflegen, als verständnisvoller Zuhörer, zupackender Helfer im Haushalt, romantischer Begleiter bei Kerzenschein. Selbst nicht verwahrlosen, Sport treiben, Zeitung lesen, die Hemden bügeln und täglich duschen. Und dann auch noch die Karriere antreiben, pünktlich zum morgendlichen Meeting in der Firma sein, ein Projekt nach dem anderen stemmen, um des lieben Netzwerks willen wenigstens jedes dritte Feierabendbier mittrinken.

          „Männer habens schwer, nehmens leicht“

          Früher gab es ein einfaches Rezept für den männlichen Umgang mit der Überforderung. Herbert Grönemeyer hat es 1984 formuliert, Millionen haben es seither mitgegrölt: „Männer habens schwer, nehmens leicht.“ Aber für den modernen Vater gilt die strikte Handlungsanweisung, auf keinen Fall über die eigene Situation zu klagen, nicht mehr. Dass sie auf lange Sicht nicht gesundheitsfördernd ist, wusste ja auch Grönemeyer selbst schon eine Strophe weiter: „Männer sind furchtbar stark, Männer kriegen ’nen Herzinfarkt.“ Jetzt gibt es zur Lage der Männer Bücher, Talkshows und Expertenkommissionsberichte mit dem Tenor: Geht alles gar nicht, ist eine Zumutung, muss sich ändern, am besten ganz schnell.

          Aber was genau könnte sich überhaupt ändern? Spur für Spur fallen die Antworten ernüchternd aus. Die Kinder sind, wie sie sind – und damit genau das Gegenteil von dem, was für ein optimales Zeitmanagement nötig wäre. Wach werden, anziehen, frühstücken dauern immer dann besonders lang, wenn es am wenigsten passt. Der vermeintlich grundlose Wutanfall, der halsbrecherische Sturz von der Fensterbank, das spontane Bedürfnis nach ganz viel Nähe kommen garantiert dann, wenn der Kollege oder Geschäftspartner am Handy gerade nicht wissen sollte, dass das Büro heute nicht mehr besetzt ist. Dazu kommt noch die mangelnde Flexibilität: Kinder sind eben nur in den wenigen Jahren nach ihrer Geburt Kinder, das lässt sich nicht auf später verschieben. Und die gemeinsame Stunde auf dem Fußballplatz ist am Nachmittag eben sehr sinnvoll. Nachts, wenn alle To-do-Listen abgearbeitet und alle Mails beantwortet sind, leider nicht.

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