https://www.faz.net/-gyl-79i9d

Joggen in der Mittagspause : „Ich quäle mich doch nicht!“

Kalorienarm: Gerald Banze (links) und F.A.Z.-Redakteur Marco Dettweiler während der Mittagspause. Bild: Wonge Bergmann / F.A.Z.

Gerald Banze, gestresster Geschäftsführer einer Mediaagentur, nimmt sich immer wieder Zeit, in der Mittagspause laufen zu gehen. So wie ich! Darüber wollen wir uns unterhalten - während eines Laufs im Frankfurter Stadtwald. Es wird mein anstrengendstes Interview.

          4 Min.

           Herr Banze, warum joggen Sie in der Mittagspause?

          Mein Tag fängt um Viertel nach sechs Uhr an. Ich frühstücke mit der Familie und bringe die Kinder zur Schule. Um acht Uhr bin ich dann in der Agentur. Abends um sieben Uhr bin ich wieder zu Hause. Bis die Kinder im Bett sind und der Haushalt aufgeräumt ist, wird es zehn Uhr. Morgens um fünf Uhr laufen zu gehen ist mir zu früh, abends um zehn Uhr zu spät. Bleibt die Mittagspause. Die Zeit ist ideal.

          Seit wie viel Jahren machen Sie das?

          Schon ganz, ganz lange. Auf jeden Fall seit fünfzehn Jahren, solange ich in der Agentur arbeite. Davor bin ich aber auch hin und wieder mittags laufen gegangen.

          Das merkt man. Banze hat eine klassische Läuferfigur: groß und dünn. Er schleppt gut zwanzig Kilo weniger über den matschigen Waldboden als ich. Wir essen beide sehr gerne, und jeder trinkt regelmäßig Wein. Doch sein 48 Jahre alter Körper verbrennt offenbar mehr Kalorien als meiner.

          Wie reagieren die Kollegen, wenn Sie mittags ihre Laufklamotten anziehen?

          Man bekommt unverdiente Bewunderung. Wenn ich die Kollegen im Fahrstuhl auf dem Weg in die Kantine treffe, dann sagen sie: „Toll! Ich bewundere dich!“ Dabei ist es für mich pure Lust. Ich freue mich jedes Mal wie ein Keks, wenn ich laufen gehe und mich eineinhalb Stunden ausklinken kann. Hier in der Natur zu laufen ist doch super! Ich quäle mich doch nicht!

          Nein, das tue ich ebenfalls nicht. Klar, freue ich mich schon jetzt darauf, wenn der Lauf nachher vorbei ist. Es ist letztlich anstrengend. Aber die größte Anstrengung ist eigentlich, morgens die Sporttasche zu packen und mir belegte Brote zu schmieren, die ich nach dem Lauf unbedingt brauche. Herr Banze geht meist noch in die Kantine und gönnt sich ein schnelles Essen.

          Gleich wird’s anstrengend: Auf in den Stadtwald!

          Gibt es auch kritische Kommentare von den Kollegen?

          Manche Kollegen glauben, ihr Biorhythmus sei am Boden, wenn sie zu dieser Zeit Sport machen würden. Mir geht es nicht so. Und manche fragen, ob ich mir das überhaupt leisten könne. Dann antworte ich: Ich kann es mir nicht leisten, es nicht zu machen! Für die persönliche Seelenhygiene brauche ich das total. Ich komme zu Gedanken, zu denen ich ansonsten nicht käme.

          Was meinen Sie genau?

          In der ersten Viertelstunde lässt man die Gedanken vom Vormittag hinter sich. Dann lösen sich langsam die Dinge. So nach einer halben Stunde erreicht man die Endorphin-Ausschüttung. Dann kommen andere Gedanken als vorher. Zum Teil sind das brillante Gedanken, die Bestand haben. Doch es gibt auch das Phänomen, dass man auf Endorphin ist und Quatsch dabei rauskommt. Denkt man nach dem Lauf darüber nach, hat man das Gefühl, dass man auf Drogen war.

          Ein typisches Phänomen, das ich auch kenne. Allerdings stellt es sich meist nur ein, wenn man allein und länger als eine Stunde unterwegs ist. Beim Laufen zu zweit empfindet man diesen „Flow“ eher nicht.

          Hat mal jemand bei Ihrer aktiven Mittagspause mitgemacht?

          Ja, tatsächlich. Einige meiner Kollegen joggen auch mittags. Ein Kollege fand zunächst, es sei eine sehr komische Idee, in der Mittagspause laufen zu gehen. Dann ist er mal mitgekommen. Und seit jenem Tag läuft er mindestens so häufig wie ich. Er hat wohl erkannt: Die Mittagspause ist ein toller Platz am Tag, an dem man das machen kann.

          Nun ist ja die Mittagspause in der Regel nicht länger als eine halbe oder drei viertel Stunde. Wie tolerant sollte der Arbeitgeber sein?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Isabel Schnabel ist eine profilierte Kennerin der Finanzmärkte und der Geldpolitik.

          Isabel Schnabel rückt auf : Eine Bereicherung für die EZB

          Isabel Schnabel ist Expertin für Banken und Finanzmärkte. Dennoch wird ihre Berufung in die EZB-Führung als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger nicht jedem gefallen. Sie hat sich schon deutlich positioniert.

          Trump und die Demokraten : Loben, um zu tadeln

          Die Demokraten seien zwar eine „lausige“ Partei, aber immerhin hielten sie zusammen, sagt der amerikanische Präsident. Mit seiner Bemerkung zielt Trump auf die eigenen Republikaner.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.