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IT-Spezialisten : Wie aus Studenten Hacker werden

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Wer Experte in Cyber-Sicherheit ist, hat bei den Unternehmen zur Zeit extrem gute Karten. Bild: dpa

„Drahtlose elektronische Kriegsführung“ oder „moderne Schadsoftware“ steht auf ihrem Stundenplan: An der ETH Zürich beschäftigen sich Studenten mit IT-Sicherheit, genauer: damit, wie man Hacker wird. Und sie sind höchst gefragt.

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          Seit dem NSA-Skandal sind sie gefragt wie nie - IT-Sicherheitsleute oder salopp gesagt: die guten Hacker. Und diese Wissenschaft kann man mittlerweile sogar studieren. Zum Beispiel an an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, wo im Fach IT-Sicherheit auch Hacken auf dem Lehrplan steht. Dabei lernen Studenten, wie man in Netzwerke eindringt, und beschäftigen sich mit „drahtloser elektronischer Kriegsführung” oder „moderner Schadsoftware”. Die Zahl der Informatikstudenten an der ETH Zürich, die im Vertiefungsprogramm „Information Security” eingeschrieben sind, habe sich seit 2009 mehr als verdreifacht, teilte die Hochschule mit.

          Die Nachfrage nach solchen Spezialisten steigt, seit Unternehmen wie die Deutsche Telekom oder ABB mehr Fachleute einstellen, um sich vor Risiken für ihre Netzwerke und Produkte zu schützen. IT-Sicherheit hat sich der Beratungsgesellschaft PWC zufolge zu einem globalen Geschäft mit einem Volumen von 60 Milliarden Dollar (44 Milliarden Euro) entwickelt. Zugleich haben Berichte über Massenüberwachung durch den amerikanischen Geheimdienst NSA und den Abhörskandal um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Sorgen wegen Hackings verstärkt.

          „Die NSA-Affäre war natürlich ein Weckruf, aber Unternehmen haben auch festgestellt, dass die Cyberkriminalität deutlich zugenommen hat”, sagt Jürgen Kohr, Leiter der Geschäftseinheit Cybersecurity bei der Deutschen Telekom. Letztes Jahr sei es plötzlich viel schwieriger geworden, die richtigen Leute zu bekommen. „Das ist ein sehr, sehr umkämpfter Markt.” Gulp Information Services, eine Münchener Tochtergesellschaft des niederländischen Personaldienstleisters Randstad, meldete den Eingang von 2423 Anfragen nach Spezialisten für IT-Sicherheit im vergangenen Jahr, ein Anstieg um 54 Prozent gegenüber 2012 und fast sieben Mal mehr als zehn Jahre zuvor.

          Immer höhere Verluste durch IT-Zwischenfälle

          Amerikanischen Quellen zufolge zerstörte das sogenannte Shamoon-Computervirus, das gegen den weltgrößten Rohölexporteur Saudi Arabian Oil Co. gerichtet war, 2012 rund 55.000 Server und PC- Festplatten. Software von Siemens zur Steuerung von Wasseraufbereitungsanlagen, Stromnetzen und Fabriken wurde im Jahr 2010 Opfer von einem Schadprogramm mit dem Spitznamen Stuxnet. Es griff Simatic WinCC an, ein Überwachungsprogramm, das Infrastrukturagenturen und Industrieunternehmen auf der ganzen Welt zur Datenerfassung und -analyse nutzen.

          Der Anteil von Unternehmen, die Verluste durch IT-Zwischenfälle von zehn Millionen Dollar oder mehr meldeten, ist seit 2011 um 51 Prozent gestiegen. Dies geht aus einer PWC-Studie aus dem vergangenen Jahr unter 9600 Führungskräften in 115 Ländern hervor. Rund sieben Prozent der Befragten gaben an, Verluste in dieser Größenordnung erlitten zu haben.

          Rund 30 IT-Sicherheits-Studenten an der ETH Zürich können zudem lernen, wie Produkte wie etwa Autos geschützt werden können. In einem Experiment öffnen und starten sie Fahrzeuge mit frei verkäuflichen Elektronikbauteilen, um Sicherheitsmängel von Funkschlüsseln zu analysieren.

          Die Headhunter sind eifrig auf der Suche

          Die Einsatzmöglichkeiten für Absolventen sind noch vielfältiger. Unternehmen wollen zwar sich selber absichern, sie wollen aber auch Dienste anbieten, die ihre Kunden schützen. Markus Brändle, Leiter IT-Sicherheit beim größten Transformatorenhersteller der Welt, ABB, sagt, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 auch die Nachfrage nach Sicherheitsdienstleistungen verstärkt haben, weil die amerikanische Regierung die Versorger verpflichtete, ihre Sicherheitsvorkehrungen gegen Cyber-Angriffe zu modernisieren.

          „IT-Sicherheit war im letzten Jahr das wichtigste unter den neuen Themen in den Vorstandsetagen”, sagt Leif Johansson, Vorsitzender des Forums European Round Table of Industrialists. Dessen 53 Mitglieder sind Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende einiger der größten europäischen Unternehmen, darunter Roche Holding AG, Nestle SA und Royal Dutch Shell Plc. „Die potenziellen Folgen sind gewaltig, und wir brauchen viel mehr qualifizierte Mitarbeiter, um diese Themen anzugehen.” Die Budgets für IT-Sicherheit sind 2013 im Durchschnitt um mehr als 50 Prozent gestiegen. Fast die Hälfte der Befragten in der PWC-Studie erwartet, dass sie ihre Ausgaben in diesem Jahr weiter erhöhen werden.

          Auch wenn ein Hacker eine Karriere außerhalb der Wirtschaft anstrebt, bieten sich ihm auch bei Behörden gute Berufschancen. „Das Angebot kann mit der wachsenden Nachfrage nach Talenten nicht Schritt halten”, sagt Kristina Huramsin, Personalberaterin bei Experis in Frankfurt, einer Tochtergesellschaft der Manpowergroup, die auf Anwerbungen im Bereich IT-Sicherheit spezialisiert ist. „Seit 2011 hat die Nachfrage in winzigen Schritten zugenommen, aber im vergangenen September ist sie wegen der Snowden-Affäre massiv angestiegen.” Um Kandidaten anzulocken, müssten die Unternehmen Sicherheitsexperten bis zu 25 Prozent mehr zahlen als Webentwicklern, sagt Huramsin. Ein Headhunter habe Kandidaten sogar angeboten, sein Ferienhaus in der Schweiz zu benutzen, berichtet sie.

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