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IT-Branche : Informatiker händeringend gesucht

Platz für neue Geschäftsmodelle: Viele IT-Spezialisten gründen selbst ein Unternehmen. Bild: dpa

Die IT-Branche steigt mit mehr als 900.000 Mitarbeitern zum zweitgrößten Industriesektor in Deutschland auf. 45.000 Stellen können die Unternehmen mangels Fachkräften nicht besetzen.

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          Die Unternehmen der Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK) steigen zum zweitgrößten Arbeitgeber in Deutschland auf. In den kommenden Wochen wird die stark wachsende Branche die Marke von 900.000 Mitarbeitern übersteigen. „Damit sind wir hierzulande nach dem Maschinen- und Anlagenbau und vor der Autobranche der beschäftigungsstärkste Industriesektor in Deutschland“, sagte Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbands Bitkom.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Branche, die im Jahr mehr als 150 Milliarden Euro erwirtschaftet, 2012 um rund 2,2 Prozent wuchs und für 2013 eine weitere Steigerung ihrer Wirtschaftsleistung von 1,4 Prozent prognostiziert, schuf in den vergangenen vier Jahren mehr als 75.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland. „Ohne den Fachkräftemangel könnten es gut und gerne 20.000 Stellen mehr sein“, sagte Kempf weiter.

          Darüber hinaus machen sich Tausende junge Softwareingenieure und Programmierer selbständig. „Wir haben in Deutschland eine lebhafte Start-up-Szene“, sagte Ulrich Dietz, Vorstandsvorsitzender von GFT Technologies. Dietz organisiert auf der Cebit den Gründerwettbewerb Code-N. Dort zeigen 50 junge Unternehmen ihre Geschäftsmodelle. Die F.A.Z. ist Partner dieses Projektes auf der Cebit.

          „Die derzeit rasch steigende Nachfrage nach Software und IT-Dienstleistungen, vor allem rund um die Themen Cloudcomputing und mobile Lösungen, schlägt sich erfreulicherweise auch auf dem Arbeitsmarkt nieder“, sagte Bitkom-Präsident Kempf. Im vergangenen Jahr stellte die Branche netto 19.000 neue Mitarbeiter ein. In diesem Jahr sollen mehr als 12.000 neue Stellen geschaffen werden. Die Auftragsbücher der mittelständischen und großen deutschen ITK-Anbieter sind gut gefüllt. „Wir haben ein volles Programm“, sagte Martina Koederitz, die an der Spitze der Deutschland-Gesellschaft des amerikanischen IT-Unternehmens IBM steht.

          Fachkräftemangel ist ein großes Problem

          Derzeit haben Unternehmen wie Softwarehäuser, Computerhersteller oder Anbieter von Dienstleistungen rund um die Telekommunikation in Deutschland fast 45.000 offene Stellen. Diese können sie aufgrund des Fachkräftemangels nicht besetzen. Winfried Materna vom gleichnamigen mittelständischen Dortmunder IT-Dienstleister sagte: „In bestimmten technischen Bereichen suchen wir händeringend Fachkräfte und Spezialisten.“ SAP, der größte deutsche Anbieter von Unternehmenssoftware auf der Welt, ging im Herbst dazu über, Softwareprogrammierern aus Südeuropa in Deutschland einen Arbeitsplatz zu bieten.

          Auf der anderen Seite streicht Hewlett Packard im Rahmen seiner internationalen Neuausrichtung gerade mehr als 800 Stellen an seinem Standort in Rüsselsheim. Softwarehäuser wie SAP oder die Software AG wollen sich mit Blick auf diesen Standort derzeit nicht zu konkreten Einstellungsplänen äußern. „Dass jemand programmieren kann, heißt ja nicht, dass er auch das programmieren kann, was wir brauchen“, hieß es seitens der Software AG, die nach SAP das zweitgrößte Softwarehaus in Deutschland ist. „Aber wenn jemand von seinem Fähigkeitsprofil passt, dann hat er bei uns alle Chancen.“

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